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Überwinterer im Siedlungsraum – unsere heim(l)ischen Gäste

Wer im Winter in den Keller geht, kann sie mit etwas Glück auch bei sich entdecken: Überwinterer, die sich als Untermieter einschleichen, um den eisigen Temperaturen draußen zu entfliehen und im Schutz unserer Häuser die kalte Jahreszeit zu überstehen.

In der freien Natur wählen die Tiere zum überwintern oft Höhlen, Felsspalten oder Baumlöcher aus. Viele Arten zieht es jedoch in die Gebäude der Menschen. Der Grund ist ganz einfach: die Tiere sehen unsere Keller, Dachböden, Garagen und Scheunen als „Ersatzfelsen“ an, denn Temperatur, Dunkelheit und Feuchtigkeit sind dort ähnlich wie in ihren natürlichen Quartieren.

Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre Wenn draußen die letzten Herbsttage vergehen, schwinden auch die Nahrungsquellen der wildlebenden Tiere. Um im Winter nicht zu verhungern, hat die Natur verschiedene Methoden entwickelt, wie die Tiere die kalte Jahreszeit überstehen. Dass viele Vögel in den Süden ziehen, ist allen bekannt. Was ist aber mit den Kandidaten, die in ihrer Heimat bleiben? Viele Menschen wissen nicht, dass keineswegs alle diese Tiere Winterschlaf halten. Man unterscheidet zwischen drei Arten der Überwinterung: Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre.

Winterschläfer sind beispielsweise die Fledermäuse. Um den langen Schlaf zu überleben, fressen sich Fledermäuse im Herbst Fettreserven an, von denen sie den ganzen Winter lang zehren. Wenn es draußen kühl wird, ziehen sie sich gerne in unterirdische Räume zurück, wo sie sich in Spalten und Ritzen verkriechen und so von uns oft nicht bemerkt werden. Sie wickeln ihre Flügel wie einen Mantel um sich, damit sie weniger Energie verlieren. Außerdem senken sie ihre Körpertemperatur und alle lebenswichtigen Funktionen auf ein Minimum ab. Ein spezielles braunes Fettgewebe hilft ihnen, während des Winterschlafes die Körperwärme zu regulieren. Ihre Herzen, die im Sommer 240 bis 450 mal pro Minute schlagen, tun dies während des Winterschlafs nur noch 18 bis 80 mal. Zwischen zwei Atemzügen kann sogar eine Pause von über einer Stunde liegen!

Eichhörnchen dagegen halten Winterruhe. Genau wie die Fledermäuse fressen sie sich Fett an. Zusätzlich vergraben sie Eicheln und Nüsse im Boden oder verstecken sie in Baumhöhlen. Im Winter fallen sie in einen energiesparenden Ruhezustand, damit sie nicht erfrieren. Während ihrer Winterruhe wachen die Tiere häufig auf und werden aktiv. Sie verlassen beispielsweise ihr Quartier, um ihre Vorräte zu suchen und dann etwas zu fressen.

Winterstarre kommt bei Amphibien wie Fröschen und Kröten, aber auch bei Marienkäfern und Florfliegen vor. Ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebungstemperatur an. Sobald diese auf einen bestimmten Wert gesunken ist, verfallen die Tiere in einen Starrezustand und verbringen den Winter in einem regungslosen Zustand. Sie verfügen über keine großen Energiereserven und können nichts aktiv zu ihrem Wärmehaushalt beitragen. Erst wenn die Temperaturen wieder wärmer werden, wachen unsere wechselwarmen Gäste aus ihrer Winterstarre auf.

Was machen Schmetterlinge im Winter? Die meisten Schmetterlinge fallen in Winterstarre. Dabei nutzen sie alle Strategien der Überwinterung: Frostspanner verbringen die Zeit als Ei, Apfelwickler als Raupe, Kohlweißlinge als Puppe und Tagpfauenauge als Schmetterling. Admiral und Distelfalter tun es den Zugvögeln gleich und wandern über die Alpen in den Süden. Ein ganz besonderer Überwinterer ist der Zitronenfalter: er verfügt über einen körpereigenen Frostschutz. Durch Wasserabgabe konzentriert der Schmetterling seine Zellsäfte, der Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten senkt sich dadurch und als „Frostschutzmittel“ entsteht im Körper Glycerin. So kann der Zitronenfalter auch bei Frost auf den Zweigen sitzen, ohne zu erfrieren.

Was tun, wenn man die heimlichen Gäste entdeckt? Wenn ihr Überwinterer in eurem Haus findet, versucht leise zu sein und sie nicht zu stören. Denn wenn ihr sie aufweckt, verbrauchen sie beim Wachwerden eine Menge Energie. Durch diesen hohen Verlust haben sie nicht mehr genug Energie, um ihre Körper den ganzen Winter über warm zu halten und erfrieren somit. Das gleiche passiert auch, wenn die Tiere sich in warmen Räumen befinden, denn durch die hohen Temperaturen wachen sie ebenfalls auf. Solltet ihr im Winter einen scheinbar toten Schmetterling oder Marienkäfer in eurem Haus finden, so ist er wahrscheinlich nur in Winterstarre gefallen. Am besten bringt ihr ihn in einen kühlen, unbeheizten Raum. Dort kann das Tier ungestört bis zum Frühling ruhen.


Links zum Weiterlesen


http://www.nabu.de/m05/m05_07/02848.html http://www.nabu.de/m03/m03_05/02722.html http://www.kidsweb.at/winter2001/winterstarre.htm


(Jessica Franzen)