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Allee_Henningsdorfer Friedhof_A.Nebel (2009)

Inhaltsverzeichnis

Die Allee

Das Wort Allee, ursprünglich eine Bezeichnung für schattige Gehwege in den fürstlichen Parkanlagen der Barockzeit, steht heute für Straßen, die von langen Baumreihen begleitet werden.

Geschichte

Napoléon Bonaparte selbst war es, der im 18. Jahrhundert zum ersten Mal Alleen im großen Stil bauen ließ. Doch auch vorher schon nutzte man vielerorts Bäume zur Befestigung von Straßen. Denn vor allem auf dem Land unterlagen die provisorisch angelegten Feldwege starker Verwitterung, und das Wurzelwerk der Linden sowie der Windschatten ihrer Baumstämme und ihre ausladenden Kronen schützten die Straßen vor Wind und Wetter und bewahrten auch das umliegende Land vor der Abtragung seiner Humusschicht. So sind manche Alleen schon viele hundert Jahre alt, und gehören seit langer Zeit zu Europas Landschaftskultur.

Nutzung und Probleme

Alleen waren jedoch niemals für das Verkehrsaufkommen gedacht, mit dem wir es heute zu tun haben. Die meist engen Landstraßen erfordern besonders vorsichtiges Fahren, der Wechsel von Schatten und Sonnenschein erschwert die Sicht, herunterfallendes Obst und Äste stellen eine Gefahr für Autofahrer dar. Außerdem sind Bäume häufig Ursache für Sachschäden, Verletzungen und Todesopfer, die bei Unfällen auf Alleen zu beklagen sind. Deshalb wird heute oft diskutiert, ob die alten Baumreihen überhaupt in unser Straßenbild gehören, und so kommt es, dass die Instandhaltung unserer Alleen stagniert, und der Alleenbestand in Deutschland stetig abnimmt.

Alleen und Naturschutz

Wenn wir unser heutiges Landschaftsbild mit der ursprünglichen Vegetation Europas vergleichen, wird jedoch deutlich, welche Bedeutung Alleen für unsere Natur haben. Denn wo unser Kontinent früher von einer fast durchgängigen Waldfläche überzogen wurde, da finden sich heute nur noch vereinzelte Waldstücke umgeben von Siedlungen und großen landwirtschaftlich oder anderweitig genutzten Flächen. Nur noch etwa 30% des Staatsgebietes der Bundesrepublik ist von Wald bedeckt. Umso wichtiger ist es, dass es zwischen voneinander getrennten und oft weit auseinander liegenden Biotopen Übergänge gibt. Und Alleen sind gerade solche Brücken oder Kanäle zwischen den Lebensräumen. Sie stellen Futterreservoirs, Rast- und Nistplätze für zahlreiche Tierarten dar, und ermöglichen es den heimischen Tieren, sich trotz unserer intensiven Landschaftsnutzung auszubreiten. Und dies ist besonders wichtig, denn viele Tierarten sind in einem eingeschränkten Lebensraum nicht überlebensfähig. Aus dem selben Grund, aus dem Straßen durch Krötentunnel unterführt, oder Frösche per Hand über Straßen getragen werden, müssen wir es auch Vögeln wie Ringeltaube, Buntspecht oder Bussard ermöglichen, von Ort zu Ort zu wandern, da sie auf einem eingeschränkten Gebiet nicht überleben können. Abgesehen davon gibt es auch Tiere, die sich ganz auf ein Leben in der Allee eingestellt haben. Viele Greifvögel nutzen die Alleen als Unterschlupf, von dem aus sie auf den umliegenden Feldern nach Beute jagen. Und auch viele kleine Säugetiere oder Insekten sind in Alleebäumen heimisch. So lassen sich zum Beispiel auf einer Birke am Straßenrand bis zu dreihundert verschiedene Insektenarten finden.

Mehr zum Thema Alleen und Biodiversität findet ihr unter dem gleichnamigen Artikel!

Links zum Weiterlesen

Aktionsideen

Quellen

www.alleenfan.de Schulz(2006): Die Schönsten Alleen in Deutschland. blv-Verlag, München