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Alleen - Wertvoller Bestandteil der Biodiversität

Auf den ersten Blick scheinen Alleen sehr wenig mit Biodiversität zu tun zu haben, da es sich ausschließlich um vom Menschen geschaffene Landschaftselemente handelt. Alleen sind jedoch einerseits zum Landschaftserleben im Sinne des Erhalts und der Sicherung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Landschaften wichtige Bausteine. Anderseits konnten in einzelnen alten Alleen weit mehr als 140 Insekten- und Vogelarten nachgewiesen werden, die sich in dieser Allee fortpflanzen; viele dieser Insekten und Vögel zählen zu den bundesweit seltenen Arten. Geht man davon aus, dass es in Europa nennenswerte Flächen unberührter Natur nicht mehr gibt, der Kontinent aber dennoch über eine erstaunliche biologische Vielfalt verfügt, dann wird klar, dass die Kulturlandschaft zu dieser Vielfalt einen großen Beitrag leistet. In vielen Teilen Europas sind Kulturlandschaften schon mindestens 6.000 Jahre alt. In diesen alten und vielfältigen Ersatzlebensräumen konnten sich Arten anpassen und erhalten. Obwohl über den Wert von Alleen im Hinblick auf deren Bedeutung für die Biodiversität erst wenige Erkenntnisse vorliegen, so zeigt sich doch, dass sie im Rahmen einer Biodiversitätsstrategie eine nennenswerte Rolle spielen können.

Bedeutung als Biotopverbundelement

Alleen prägen in Deutschland die Eigenart von Landschaften. Landschaftsalleen werden damit regional zu einem der zentralen Bausteine des Landschafts- und Naturschutzes. Die Mehrzahl der in Deutschland noch vorhandenen Alleen und einseitigen Baumreihen grenzt an weitläufige landwirtschaftliche Nutzflächen und legt sich wie ein Netz vergangener Zeiten auf intensiv genutzte Kulturlandschaften. Insbesondere dort, wo Heckenlandschaften in der Vergangenheit beseitigt wurden und stattdessen lange Alleen (> 1.000 Meter Länge) die Landschaft durchziehen, wird ihre hohe Bedeutung als Biotopverbundelement erkennbar. Der noch vorhandene Alleenbestand in Deutschland ist vielfältig hinsichtlich der Alleentypen und mit ca. 70 Baumarten, die in Alleen nachgewiesen sind, zeigt sich eine beachtliche Biodiversität sowohl einheimischer wie fremdländischer Gehölze. Das hohe Alter der meisten Bestände macht sie zu einem wichtigen Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten, die insbesondere an totes oder altes Holz gebunden sind.

Bedeutung für Pflanzen

An historischer Alleen wurden Relikte alter Waldvegetation wie z.B. Waldmeister oder Bingelkraut gefunden. Ebenso konnten seltene Kulturrelikte – die in der freien Landschaft oder im Wald nicht mehr vorkommen – nachgewiesen werden, z.B. der Braune Storchschnabel oder die Gemswurz. Solche Arten belegen einerseits eine große Naturnähe, andererseits deuten sie auf eine lange Standorttradition hin. Dabei stellen die Bodenkontinuität bzw. die ungestörten Bodenschichten unter Alleebäumen eine wertvolle ökologische Qualität dar.


Bedeutung für Insekten

Die Biodiversität von Insekten ist in Alleen deutlich höher als in der offenen Landschaft. Alleen dienen Insekten als „Landmarken“ bei ihren Balzflügen. Untersuchungen in Alleen zeigen, dass insbesondere alte, besonnte Alleen für stark bedrohte Arten eine erhebliche Bedeutung haben können. Alleen in strukturarmen Agrarlandschaften oder in Städten sowie absterbende Einzelbäume an Straßen und Wegen erlangen eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt. Dabei sind Alleen mit einheimischen Baumarten aus Stieleiche und Traubeneichen, Weiden, Birken, Linden und Pappeln von besonderer Bedeutung für Insekten, z.B. als Lebensraum für deren Larven, die an Blättern, Blüten, im stehenden Totholz oder im Mulm aufwachsen. Besonders hohe Qualitäten bieten Alleen für jene Arten, die auf trockenwarme Standortbedingungen angewiesen sind, vor allem für Käfer und Schmetterlinge.


Bedeutung für Vögel

Baumartenvielfalt, ein hohes Alter der Bäume und damit ihre Größe bieten vor allem baum- und höhlenbrütenden Vogelarten einen Lebensraum. Mindestens 89 Brutvogelarten Deutschlands können in Alleen vorkommen. Siedlungsdichten von bis zu 27 Revierpaaren pro 100 Meter Allee wurden in einzelnen Beständen nachgewiesen. Weiterhin dienen Alleebäume als Ansitzwarten zur Nahrungssuche oder als Rastplatz während der Zugperioden. Für die „stark gefährdete“ Gartenammer dienen Alleebäume als Singwarten und sind wesentliche Bestandteile ihres Lebensraumes. Diese Art ist als Bodenbrüter in Alleen nachgewiesen worden. In ausgedehnten Obstbaumalleen und Kopfbaumalleen ist der in Baumhöhlen brütende und seltene Steinkauz zu finden.


Bedeutung für Fledermäuse

Von den 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten nutzen alle elf Baumfledermausarten die Höhlen von Alleenbäumen als Sommer- oder Winterquartiere. Darüber hinaus sind Alleen für fliegende Fledermäuse als Orientierungshilfen von großer Bedeutung, wenn sie vom Quartier zum Jagdgebiet fliegen. Dabei handelt es sich insbesondere um solche Alleen, die über größere offene landwirtschaftliche Flächen verlaufen. Alleen mit Bezug zu Waldflächen oder Baumgruppen dienen dagegen oft auch selbst als Jagdgebiet. Hierbei wird bevorzugt in windarmen Arealen gejagt wie etwa zwischen den Baumreihen oder auf deren Leeseite. Alleen sind also nicht nur ein Kulturgut. Sie sind in Abhängigkeit von Länge, Geschlossenheit, Baumart, Alter, Vitalität und Standort ein wertvolles Naturgut. Eine Allee kann mehr als 140 Arten einen Lebensraum zur Fortpflanzung bieten!


Quelle: „Alleen – Ein Gewinn an Vielfalt für Kultur und Natur“ Broschüre des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/broschuere_alleen.pdf

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