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Inhaltsverzeichnis

Apfelbaum (lat.: Malus)

Botanische Zuordnung

Foto von Bernd Boscolo, pixelio.de

Der Name Apfel stammt von dem altgermanischen Wort „apitz“ ab, welches wiederum seine Wurzeln im indogermanischen Wort „abh“ (feucht, saftig) hat. Später wurde es im Althochdeutschen zu „affaltra“. Die Römer nannten die Frucht „malum“, was übersetzt „schlecht“ bedeutet.

Apfelbäume gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie umfasst 95 Gattungen. Zur Gattung Malus zählen etwa 45 bis 50 Arten Laub werfender Bäume und Sträucher. Durch Kreuzungen wurden allein in Deutschland daraus 1.500 Arten kultiviert. Die bekannteste und weltweit am meisten genutzte Art ist der Kulturapfel (Malus domestica). Hierbei handelt es sich um eine Kreuzung aus mehreren Wildapfelsorten. Seine ursprüngliche Heimat liegt vermutlich in Asien, von wo er auf Handelswegen nach Europa kam.

Die verschiedenen Apfelsorten werden in Winter-, Sommer- und Herbstapfelsorten unterschieden. Ausschlaggebend dafür sind der Zeitpunkt der Reife sowie bei Winterapfelsorten die notwendige Lagerung vor dem Verzehr.

Erscheinungsbild und Erkennungsmerkmale

Der Kulturapfelbaum hat eine dicht belaubte, sommergrüne, breite Krone und wird bis zu 10 Meter hoch. Er kommt auch als Spalierobst vor. Seine maximale Stammhöhe beträgt 8 Meter und hat einen Durchmesser von bis zu 60 Zentimeter. Unter günstigen Bedingungen kann er 100 Jahre alt werden.

Foto von Susanne Schmich, pixelio.de

Die Äste sind aufwärts gerichtet und im Gegensatz zum Wildapfel dornenlos. Die Pfahlwurzeln reichen tief in die Erde. Die glatte, hellgraue Rinde des jungen Apfelbaumes verändert sich im Alter zu einer bräunlichen, unregelmäßig abblätternden Borke. Das feine Holz des Apfelbaums ist im Normalfall hart, dicht und drehwüchsig. Es kann nur schwer gespalten werden. Mit einem Messer ist es jedoch gut zu bearbeiten. Das Holz ist zudem zerstreutporig. Die Gefäße und Markstrahlen sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, während seine Jahresringe dank welliger Spätholzlinien gut unterschieden werden können. Der Apfelbaum besitzt ovale, beiderseits filzig behaarte, dunkelgrüne Laubblätter, die wechselständig am Ast wachsen und fein gesägt sind. Sie erscheinen gleichzeitig mit den Blüten. Die Blüten wachsen an dicht filzig behaarten Stängeln in endständigen, wenig blütigen Dolden. Die zwittrigen Blüten sind mit 5 weißen oder rosafarbenen Kronblättern und 20 bis 50 gelben Staubblättern ausgestattet. Die Blüte erfolgt zwischen April und Juni. Sie ist vor allem für viele Insekten wie die Biene eine wichtige Nahrungsquelle.

Die Frucht wird zwischen September und Oktober reif und ist eine Sammelbalgfrucht, die zu den Scheinfrüchten zählt. Sie entsteht aus dem verdickten Blütenboden und dem Fruchtblatt. Beide bilden zusammen das Fruchtfleisch, das ein pergamentartiges Gehäuse umgibt. Das Gehäuse ist in fünf Kammern (Balgen) geteilt, die jeweils zwei Samen beherbergen. Der Apfel ist ein Kernobst. Als Kernobst werden alle Obstsorten, die Sammelbalgfrüchte haben, bezeichnet. Dazu gehören auch Birne, Quitte, Mispel, Speierling und Eberesche.

Verbreitung und Lebensraum

Der Apfelbaum ist auf der Nordhalbkugel sowie in Australien sehr verbreitet. Apfelbäume bevorzugen frische kalk- und nährstoffreiche Böden und viel Sonne. Spätfröste hingegen vertragen sie nur selten. Er kommt in Höhenlagen bis zu 1100 Metern vor. Das Land mit der weltweit größten Apfelproduktion ist China, gefolgt von den USA, Polen und Frankreich.

Die wichtigsten Anbaugebiete Deutschlands liegen am Bodensee, um Meckenheim im Rheinland, in der hessischen Wetterau, um Werder im Havelland, im Alten Land bei Hamburg sowie im sächsischen Kohrener Land. Die meisten Apfelbäume in Europa wachsen in der Normandie und in der Poebene.

Vermehrung

Foto von Maja Dumat, pixelio.de

Der Apfelbaum besitzt zwittrige Blüten, in denen sowohl ein Griffel als auch Staubblätter vorhanden sind. Der Pollen wird durch Insekten, zum Beispiel Bienen, von einer Blüte zur nächsten übertragen. Gerät der Pollen auf die Narbe am Griffel, ist die Blüte befruchtet. Nun bildet sich um ihren Fruchtknoten eine immer fleischiger werdende Außenhülle, in deren Mitte ein pergamentartiges Gehäuse die Kerne einschließt. Nach einigen Monaten Sonnenreife fällt der Apfel vom Baum. Der Samen ist durch das Fruchtfleisch vor dem rauen Winter geschützt und kann im nächsten Frühjahr zu einem neuen Apfelbaum auskeimen. Nähere Infos bei Pflanzen.

Geschichte

Der älteste Apfelfund in Deutschland stammt aus Heilbronn und ist 6000 Jahre alt. Es wird vermutet, dass der Apfelbaum ursprünglich aus Asien stammt. Dort kommt er in ca. 20 verschiedenen Wildformen vor. Bereits in der Antike und im römischen Reich wurde der Baum des Holzapfels kultiviert und veredelt. Damit ist der Apfelbaum der älteste kultivierte Baum der Erde. Die Römer brachten den Apfelbaum schließlich nach Mitteleuropa, wo aus den Wildarten immer neue Apfelsorten gekreuzt wurden.

Im Mittelalter bauten Mönche in ihren Klostergärten Apfelbäume an. Später wurde dieser Brauch in vielen europäischen Gärten gepflegt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Sortenvielfalt mit geschätzten 20.000 vorwiegend hochstämmigen Apfelbaumsorten ihren Höhepunkt.

Von diesen sind heute noch ungefähr 60 erhältlich. Das liegt vor allem daran, dass heute - im Gegensatz zu früher, als generell großkronige und hochstämmige Arten angepflanzt wurden - ausschließlich Niederstammformen verwendet werden, die leichter zu pflegen und zu beernten sind. Niederstämmige Apfelbäume benötigen 10- bis 20-mal weniger Fläche als hochstämmige Apfelbaumsorten, so dass sich diese niederstämmige Wuchsform, insbesondere bei der industriellen Plantagenbewirtschaftung, durchgesetzt hat.

Nutzung

Foto von Rainer Sturm, pixelio.de

Der Apfel wird, seit die Menschen ihn entdeckt haben, genutzt und verarbeitet. Die Germanen verarbeiteten Äpfel zu Mus und Most. Vergoren zu Cider und Apfelwein erlangte der Apfel große Beliebtheit. In den 1950er/1960er Jahren wurde die Nachfrage nach Äpfeln immer größer, so dass der erwerbsmäßige Apfelanbau entstand. Zunehmend konzentrierte sich der Anbau auf wenige niederstämmige Arten, welche die vielfältigen hochstämmigen Arten heute weitestgehend verdrängt haben.

Der Apfel gilt als das Obst schlechthin und hat mittlerweile eine große wirtschaftliche Bedeutung. Das liegt zum einen daran, dass er vielfältig verwendbar und lange haltbar ist. Der Apfel wird zu Saft, Kompott, Mus, Marmelade, Wein und Schnaps verarbeitet sowie als pflanzliches Geliermittel verwendet. Die am häufigsten auf dem Markt vertretenen Apfelsorten sind: Golden Delicious, Red Delicious und Jonagold. In gut sortierten Obstläden gibt es die Sorten Gala, Granny Smith, Elstar, Cox Orange, Boskoop, Gloster und Idared. Die jährliche Weltproduktion an Äpfeln beträgt etwa 25 Millionen Tonnen.

Heilpflanze

Bereits Hildegard von Bingen berichtet über die Heilkraft des Apfels. Den Saft der Blätter und jungen Triebe empfahl sie als Umschläge bei Kopf- und Gliederschmerzen. Weltbekannt ist auch der Spruch: „An apple a day keeps the doctor away.“ Neben dem hohen Vitamingehalt haben die Gerbstoffe - besonders in säuerlichen Äpfeln – eine zusammenziehende, keimabtötende Wirkung. Früher wurde klein geriebener Apfel bei Durchfall und gegen Magenschmerzen verabreicht. Roh auf nüchternen Magen wirkt er hingegen abführend. Man sagt dem Apfel nach, dass er blutreinigend sei, gut bei Heiserkeit (gebratene Äpfel mit Honig), Nervosität (Apfelschalentee), Rheuma, Gicht, Vitaminmangel, Fettsucht und eine Krebs vorbeugende Wirkung habe.

Gefährdung und Schutz

Heute existieren in Deutschland noch ca. 1.500 der ehemals 20.000 hochstämmigen Apfelbaumarten Ende des 19. Jahrhunderts. Die größte Artenvielfalt findet sich auf Streuobstwiesen. Aber auch in alten Gärten und Obstbaumalleen kommen in der Regel noch hochstämmige Apfelbaumarten vor. Die Streuobstwiesenwirtschaft wird jedoch immer seltener. An ihre Stelle treten Apfelplantagen mit Niederstammbäumen. Der Verlust der Artenvielfalt ist daher immens. Apfelbäume können auch von typischen Pflanzenkrankheiten wie Feuerbrand, Obstbaumspinnmilbe, Apfelrostmilbe, Apfelschorf, Apfelblütenstecher, Apfelwickler, Apfelsägewespe, Apfelblutlaus, Blattläusen und Obstbaumkrebs befallen werden.

Lebensraum Apfelbaum

Foto von Karl-Heinz Liebisch, pixelio.de

Ein ausgewachsener Apfelbaum kann über das Jahr bis zu 300 Tierarten beherbergen und mit Nahrung versorgen. Die Apfelblüte bietet Bienen, Hummeln und anderen Insektenarten ausreichend Nahrung. Die Larven von Bockkäfern oder Prachtkäfern legen Gänge unter der Borke an, die später von Wildbienen und anderen Insekten weitergenutzt werden. Die Blätter dienen Käfern und verschiedenen Kleinsäugern als Nahrung. Der Specht baut seine Höhle in alte Apfelbäume, und auch der Kleiber fühlt sich hier wohl. Siehe auch Baum als Lebensraum.

Sind die Höhlen irgendwann verlassen, nutzen Fledermäuse und Siebenschläfer diese als Winterquartier. Äpfel werden als Futter von Wespen, Schmetterlingen, Schnecken und Staren genutzt.

Symbolik

Der Apfel ist vermutlich das Obst, um das sich die meisten Geschichten ranken. Von der Vertreibung des Menschen aus dem biblischen Paradies nach dem Verzehr einer Frucht vom Baum der Erkenntnis, wobei diese Frucht in der bildenden Kunst stets als Apfel dargestellt wird, über die griechische Mythologie, in der Paris die Göttin Aphrodite mit einem Apfel zur Schönsten kürt und damit indirekt den trojanischen Krieg auslöst, bis hin zu Schneewittchen und Wilhelm Tell.

In vielen alten Kulturen ist der Apfel das Symbol von Mutter Erde, gilt aber auch als Sinnbild der Fruchtbarkeit und Liebe. So ist es heute noch in manchen Ländern üblich, dass das Brautpaar am Hochzeitstag gemeinsam einen Apfel verspeist. Als goldener Reichsapfel wurde die Frucht zudem ein Symbol für Macht und Herrschaft. Auch in der deutschen Literatur spielt der Apfel immer wieder eine Rolle. So schreibt Goethe beispielsweise im „Faust“: „Kommt, von allerreifsten Früchten/mit Geschmack und Lust zu speisen! Über Rosen soll man dichten,/in die Äpfel muss man beißen.“


Aktionsideen


Quellen


  • Jean-Denis Godet (2001): Einheimische Bäume und Sträucher, Haymarket Media Verlag, Braunschweig
  • Veronika Strass (2000): Natur erleben das ganze Jahr, BLV-Verlagsgesellschaft, München


Dieser Text entstand im Rahmen des Erlebten Frühlings 2008.