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Bunte Gleise – Ein El Dorado für die Natur

Quelle: Kurt F. Domnik, www.pixelio.de

Wer sich in einem Hauptbahnhof die Gleise anschaut, der wird nicht viel sehen können. Tristes Grau, kahle Steine und stählerne Schienen liegen einem dort zu Füßen. Doch einsame Bahnstrecken, die selten oder gar nicht mehr befahren werden, können sich zu einer bunten Landschaft entwickeln.

Ein Bahndamm bietet Pflanzen ganz besondere Lebensbedingungen. Das Schotterbett besteht aus dunklen Schlackensteinen, die sich im Sommer sehr schnell aufheizen. So entstehen häufig hohe Temperaturen im Gleisbereich. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass die Wärme nicht nach unten in den Boden abgegeben werden kann. Denn zwischen den Schottersteinen sind große luftgefüllte Zwischenräume, und Luft ist ja bekanntermaßen ein schlechter Wärmeleiter.

Bahngleise – Lebensbedingungen einer Wüste

Die Feuchtigkeit dagegen ist sehr gering, da die groben Steine keinerlei Wasser speichern können. Bahndämme können also nur von Pflanzen besiedelt werden, die sowohl hohe Temperaturen als auch Wassermangel gut wegstecken können. Viele von ihnen haben unterirdische Speicherorgane entwickelt, um Trockenzeiten gut zu überstehen. Aber auch ein ausgedehntes Wurzelsystem und die Fähigkeit, sich schnell wieder von Extremsituationen zu erholen bieten gute Überlebenschancen in diesem trockenen Lebensraum.

Pflanzenwelt zwischen den Steinen

Die Überlebenskünstler, die es schaffen, auf Bahngleisen Fuß zu fassen, bezeichnen Fachleute als Ruderalflora. Der Begriff „Ruderal“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie „Schutt“ oder „Ruine“. Zu dieser Familie gehören Pflanzen wie die Brennnessel, die Eselsdistel oder auch die Nachtkerze. Bevor diese jedoch auf dem Bahndamm wachsen, machen sich dort Pionierpflanzen breit. Diese ein- oder mehrjährigen Pflanzen bereiten den Boden auf, so dass sich bald anspruchsvollere Gewächse ansiedeln können. In manchen Fällen lassen sich sogar Strauchgehölze dort nieder. Birken siedeln sich z.B. auf längerfristig ungenutzten Bahndämmen an.

Tod durch Vergiftung

Die Gleisanlagen großer Bahnhöfe werden regelmäßig mit Unkrautbekämpfungsmitteln, so genannten Herbiziden, behandelt. Diese töten die Pflanzen und verhindern, dass sich eine Vegetation auf dem Bahndamm entwickeln kann. Eigentlich nicht ganz nachvollziehbar. Denn sollten wir den bunten Wildpflanzen nicht wenigstens dort eine Chance geben, wo sie eigentlich gar nicht stören?

Links zum Weiterlesen

Quellen

  • H. Sukopp u. R. Wittig (Hrsg.) (1998): Stadtökologie – Ein Fachbuch für Studium und Praxis. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart.
  • G. Steinebach (Hrsg.) (1991): Wir tun was… für mehr Natur in Dorf und Stadt. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart.

(Jessica Franzen)