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Bau eines Insektenhotels

Mit dieser Aktion kannst du beispielsweise in deinem Garten oder deiner Schule Insekten mit geringem Aufwand Quartiere schaffen. Bei der Gestaltung des Insektenhotels sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Allerdings verzichte bitte auf einen umweltschädlichen Anstrich, da das den künftigen Bewohnern übel bekommt.

Hintergrund


So könnte euer Insektenhotel aussehen

Viele Lebensräume der Insekten haben heute aufgrund der intensiven Landbewirtschaftung keine Chance mehr. So sind beispielsweise artenreiche Wiesen mittlerweile selten geworden. Durch das Errichten eines Insektenhotels bietet ihr Insekten, z.B. Wildbienen, Nist- und Brutmöglichkeiten an. Insektenhotels werden häufig in Naturlehrpfade integriert. Viele Naturschutz-Einrichtungen und Umweltstationen bieten so Besuchern die Möglichkeit, einen Einblick in die Lebenswelt von Wildbiene und Co zu erhaschen. Wie echte Hotels sind die Insektenhotels in ihrer Größe und Form unterschiedlich. Der Hotelbau lässt sich gut bei einer Projektwoche oder einer örtlichen Ferienpassaktion realisieren.

Zeit


Die Jahreszeit, in der ihr das Hotel baut, ist nicht wichtig. Wenn ihr allerdings bald Gäste haben wollt, so solltet ihr euer Hotel in der Zeit konstruieren, in der die Krabbler ihre Quartiere suchen. Je nach Größe des Hotels braucht ihr vermutlich ein bis drei Tage für den Bau.

Material


  • Werkzeug (Hammer, Bohrer, Wasserwaage, Säge)
  • Schrauben, Nägel
  • Holz (bitte kein harziges; Stämme von Laubbäumen): Bretter für Dach, Seiten- und Rückwände
  • Dachpfannen oder Gründachelemente mit Pflanzen (z.B. Sedumkulturen)
  • Metallfüße

Inneneinrichtung des Hotels:

  • Weidenruten
  • Steine
  • Lehm, Strohhäcksel
  • Altholz
  • weiches Gehölz, z.B. Brombeere
  • Bambus oder Schilfhalme
  • Porotonsteine

Aktion


Vorbereitung

Zunächst müsst ihr euch ein Grundstück suchen, auf dem ihr das Insektenhotel errichten dürft. Ihr stellt einen Kostenplan auf und holt Preisangebote ein, damit ihr ggf. Anträge bei regionalen Stiftungen stellen könnt. Dann wird alles unter Einhaltung der Frist zur jeweiligen Stiftung geschickt und auf die Bewilligung gewartet. Falls man schon Geld beisammen hat, kann man direkt loslegen: Alle Materialien müssen nun besorgt und zum Bauort gebracht werden (ggf. Anhänger oder Traktor organisieren). Die Löcher für das Insektenhotel-Grundgerüst sollten vor der Bauaktion nach den Maßen des Insektenhotels passend gebuddelt oder mit einem Erdbohrer gemacht werden, da dies Zeit spart.

Durchführung

  • Bau des Hotels:

Bildet ein Grundgerüst, bestehend aus vier Pfählen und zwei Querstreben. Diese werden entweder von einem Holzfachmann mit Holznuten verbunden oder mit Schrauben bzw. Winkeln befestigt. Das Grundgerüst bekommt nun ein Fundament. Dieses muss über Nacht trocknen. Am nächsten Tag kann das Dach aufgenagelt und die Seitenwände sowie die Rückwand errichtet werden. Sie zeigt nach Norden und sollte wetterfest sein. Man beginnt von unten nach oben zu nageln; der Regen kann später wie beim Dachziegelprinzip ablaufen. Abschließend werden Dachpfannen oder Gründachelemente mit Sedumkulturen auf dem Dach befestigt.

  • Inneneinrichtung:

Die Stämme zum Einlegen werden auf Länge gesägt. Ihr bohrt Löcher in die Stirnseite und teilweise auch in die Längsseiten. Die Bohrungen sollen ca. 3 bis 5 mm breit sein und die Tiefe der Gänge etwa 5 bis 10 cm lang. Außerdem sollten die Bohrlöcher leicht schräg angesetzt werden. Mit etwas Geschick und Geduld schieben wir die Hölzer in das Gestell. Achtung: Vor dem Einlegen solltet ihr das Holzmehl sorgfältig aus den Bohrungen klopfen! Nach Fertigstellung dieser Arbeiten könnt ihr mit den Feinarbeiten beginnen. Lehmziegel, Tonstücke, die auch mit Löchern versehen werden, schiebt ihr in entsprechende Freiräume des Gestells. In kleinere Öffnungen und Lücken steckt ihr jetzt Halme, Bambusstäbe, alte Blütenstände (z.B. von Königskerzen, Disteln u. a.) Das Füllmaterial muss mit Lehm oder Ton fixiert werden.

  • Das Hotel ist bezugsfertig!

Das Ergebnis der Bauarbeiten ist ein tolles Insektenhotel, welches das graue, steinerne Herz von Bruno Betoni (--> Bösewicht aus der Kampagne "Die Entsiegler") trifft, da es der Artenvielfalt dient und kaum Fläche in Anspruch nimmt. Zudem wird durch das Sedum-Grasdach mehr Grünfläche geschaffen. Bauanleitungen zur Errichtung von Insektenhotels (Insektenwänden) findest du in der Bauplansammlung von Eduard Morawski ("Bauplansammlung für Insekten-Nisthilfen"), die du beim NABU-Naturshop bestellen kannst (z.B. im Internet unter www.nabu.de). Ihr könnt auch bei Aktiven der NAJU oder des NABU anfragen, um Anleitungen oder Hilfestellung zu erhalten.

Wichtige Tipps

Das richtige Material

Vermeidet untaugliche Nisthilfen, insbesondere solche mit Glasröhrchen zur Beobachtung der Nistaktivitäten im Inneren. Bei Verwendung dieses wasserdampfundurchlässigen Materials kann die Wildbienenbrut in den Röhrchen nämlich verpilzen. Was als Nisthilfe gedacht ist und fatalerweise auch bereitwillig von den Tieren bezogen wird, verwandelt sich daher häufig zur Todesfalle.

Keine gute Idee: Loch- und Hohlziegel sind immer wieder zu sehen, aber als Nisthilfen ungeeignet/NABU Verbandsnetz

Für Nisthilfen aus Holz wird leider oft frisches, nicht abgelagertes Holz verwendet, die Bohrungen werden zu dicht und noch dazu meist in das Hirnholz von Baumscheiben statt ins Längsholz gesetzt. So entstehen Risse, die von Wildbienen gemieden werden. Loch- und Hohlziegel werden nicht besiedelt, sind aber dennoch Bestandteil von fast jedem „Wildbienenhotel“. Verwendet lieber Strangfalzziegel, deren Löcher gerne besiedelt werden.

Auch die oft empfohlene horizontale Bündelung von markhaltigen Stängeln entspricht nicht den Lebensgewohnheiten der Tiere: Diese orientieren sich in der Natur an freistehenden, mehr oder weniger vertikalen Strukturen. Lasst lieber zum Beispiel abgestorbene Königskerzenstängel stehen oder stellt dürre Brombeer-Ranken auf. Völlig nutzlos sind sogenannte „Weidenruten-Lehmwände“ zur Förderung grabender Bienenarten, weil das Lehmmaterial fast immer viel zu hart ist.

Ins Längsholz bohren, Risse vermeiden

Empfehlenswert und besonders einfach herzustellen sind Nisthölzer mit Bohrgängen für hohlraumbewohnende, solitär lebende Wildbienenarten. Wir verwenden hierzu ausschließlich entrindetes Hartholz, am besten Esche. Grundsätzlich wird ins Längsholz gebohrt, also nicht in das Hirnholz, das an den kreisförmigen Jahresringen zu erkennen ist. Der Bohrlochdurchmesser sollte drei bis acht Millimeter betragen.

Je größer der Bohrdurchmesser ist, desto größer muss der Abstand zwischen den Bohrlöchern sein (ein bis zwei Zentimeter), um Risse zu vermeiden. Die Bohrtiefe entspricht der jeweiligen Bohrerlänge. Das Holzstück darf nicht durchbohrt werden, muss also tief genug sein. Den Bohrer solange hin- und herbewegen, bis die Wände glatt sind. Querstehende Holzfasern am Eingang abschmirgeln. Je glatter das Bohrloch, umso besser! Bohrmehl durch Ausklopfen entfernen. Die Nisthilfe an einem möglichst sonnigen, regen- und windgeschützten Standort fest anbringen, also nicht baumelnd (Wind) oder bodennah (Beschattung durch Pflanzen). Die „Flugbahn“ soll stets frei bleiben. Nisthilfen jahrelang ungestört draußen am gleichen Standort belassen, also auch im Winter.

Schutz vor Fressfeinden

Zur Abwehr von Vögeln kann man Nisthilfen mit einem Drahtgeflecht oder Netz schützen. Gut bewährt hat sich zum Beispiel ein im Abstand von 20 Zentimetern vor den Nisthilfen gespanntes, blaues Kunststoffnetz mit einer Maschenweite von drei mal drei Zentimetern. Diese Maschenweite ermöglicht den Wildbienen das problemlose Durchfliegen und hält Vögel fern. Feinfaserige, grüne „Vogelschutznetze“ wären für Wildbienen viel zu engmaschig und gefährden zudem Vögel und Igel. Untersuchungen ergaben, dass blaue Netze besonders gut von den Vögeln wahrgenommen und gemieden werden und in der Regel keine Gefahr für Tiere darstellen.

Zum Schluss noch der Hinweis, dass Wildbienenschutz im Garten sich nicht auf das Anbieten von Nisthilfen beschränken sollte, das gilt für den Vogelschutz bekanntlich genauso. Nur durch gleichzeitige Bereitstellung eines zeitlich lückenlosen Nektar- und Pollenangebots können Wildbienen erfolgreich gefördert werden.

Hotel oder Reihenhaus?

Die verbreitete Bezeichnung „Wildbienenhotel“ für Nisthilfen wird der Lebensweise solitär lebender Wildbienen nicht gerecht. Schließlich bauen „Mutterbienen“ Brutzellen und Trennwände, einige kleiden Brutzellen aus oder unterziehen das Nest vor dem „Einzug“ einer Reinigung. Bis der Nachwuchs aus den Kokons schlüpft, verbringt er – je nach Art als Larve, Puppe oder Vollinsekt – ein Jahr und länger im Nest. Und wer wohnt schon ein Jahr lang im „Hotel“, baut und renoviert dort Zimmer?

Quellen


http://www.nabu-geesthacht.de/nisthilfe/nist_bau1.html http://www.nabu.de/nabu/nh/2011/2/13704.html


Diese Aktionsidee wurde von Michaela Südbeck von der NAJU Vechta erarbeitet.