Wechseln zu: Navigation, Suche

zurück zu Baumarten >>>

Inhaltsverzeichnis

Berg-Ahorn

Baum des Jahres 2009

Vorkommen und Lebensraum

Foto von A. Roloff, baum-des-jahres.de

Der Berg-Ahorn bevorzugt die feuchten, kühlen Höhen. Ohne Probleme wächst er heute auch in Südskandinavien und bis nach Schottland. Aber von selbst hat er die Rückwanderung nach den Eiszeiten wohl nur bis nach Norddeutschland geschafft, dann hat der Mensch weiter nachgeholfen. Es gibt Nachweise, dass er nahe der norddeutschen Küste vor 500 Jahren noch unbekannt war. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt jedoch in Mittel- und Südeuropa, dort vor allem im Bergland, in Mischbeständen mit Buchen, Tannen und Fichten. So kann er im Harz und Erzgebirge bis in 900 m Höhe vorkommen, in den Zentral- und Ostalpen bis in 2.000 m, und damit höher steigen als die meisten anderen Laubbäume. Seine Häufigkeit und Dominanz wird mit zunehmender Höhenlage immer deutlicher, schließlich kann er dort sogar vereinzelt Reinbestände bilden, da er oberhalb 800 m sehr konkurrenzstark wird.

Man bezeichnet ihn auch als die "Eiche der höheren Lagen". Besonders wohl fühlt er sich an Steilhängen, auf Geröllhalden und in feuchten Tälern, etwas sehr Schönes sind dort die Ahorn/Eschen-Schluchtwälder mit Silberblatt (Mondviole), einer eindrucksvollen krautigen Pflanze. Diese Hochleistungswälder mit Spitzenwuchsleistungen erinnern an tropische Hochland-Regenwälder, wegen des sehr dichten Bewuchses der Bäume mit Moosen und Flechten.

Der Berg-Ahorn benötigt eine gewisse Feuchtigkeit, die im (Mittel-)Gebirge immer gegeben ist. Als Straßen- und Stadtbaum zeigt er aber im Flachland auf trockenen Standorten oder bei zu eingeengtem Wurzelraum Probleme. In der Jugend ist er sehr schattentolerant (fast wie die Buche, wächst also auch unter den Kronen anderer Bäume recht gut), im Alter benötigt er mehr Licht, aber nicht unbedingt volle Sonne. Daher ist er der ideale Alleebaum in mittleren Höhenlagen und waldigen Gebieten. Seine Frosthärte erreicht -35° C, nur in der Jugend ist er empfindlicher, vor allem gegenüber Spätfrösten im Mai.

Er kann eigentlich fast überall problemlos wachsen. Der Boden sollte nur nicht zu trocken und zugleich nährstoffarm sein, ansonsten hat er diesbezüglich aber keine besonderen Ansprüche. Die Wurzeln können bis zwei Meter Tiefe erreichen, erschließen den Oberboden intensiv und entwickeln eine flach herzförmige Gestalt. Der Berg-Ahorn gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse. Weitere, vielen bekannte Ahornarten sind Spitz-Ahorn (Baum des Jahres 1995) und Feld-Ahorn sowie der nordamerikanische Zucker-Ahorn.

Foto von Karl-Heinz Liebisch, pixelio.de

Lebensraum für Tiere

Berg-Ahorne sind Lebensraum für viele Vogelarten, Insekten, Pilze und Misteln. So gibt es z.B. Schmetterlinge mit den schönen Namen Ahorn-Eule und Ahorn-Spinner. Blattläuse mögen den Baum besonders wegen seines hohen Zuckergehaltes, und dementsprechend auch Ameisen (da sie die Blattläuse "melken"). Vögel und Mäuse ritzen gelegentlich die Rinde an, um an den zuckerhaltigen Frühjahrssaft zu gelangen. Die Samen werden von Eichhörnchen, Mäusen, Kernbeißern und anderen Tieren gefressen, so dass nach dem Winter nur noch ein kleiner Teil übrig ist.

Hier kannst du mehr zum Lebensraum Baum erfahren.

Auf der alten Ahornrinde können sich in höheren Lagen oder feuchten Tälern auch Flechten und Moose ansiedeln, sogenannte "Aufsitzerpflanzen" oder Epiphyten. Sie nutzen den Baum als Unterlage, um besser ans Licht zu kommen (auf dem Boden zwischen den Kräutern hätten sie keine Chance). Für den Baum macht das keinen Schaden, da sie nur auf der Borke sitzen und nicht in sie eindringen. Die Borke des Berg-Ahorns ist dafür wegen ihres günstigen pH-Wertes besonders geeignet, und so kann man alte Ahorne sogar als "Bioindikator" für die Luftqualität nutzen: Wenn sich auf der Rinde empfindliche Flechten, wie z.B. die mähnenartig herunterhängenden Bartflechten entwickeln, ist das ein Zeichen für hohe Luftreinheit.

Blüten und Früchte

Erst mit etwa 30 Jahren beginnt der Berg-Ahorn zu blühen, dann aber fast jedes Jahr und reichlich. Seine 5-zähligen Blüten, in endständigen verzweigten Rispen Blütenständen, erscheinen erst Ende April bis Anfang Mai zusammen mit bzw. kurz nach den Blättern. Deshalb fallen sie längst nicht so auf wie beim Spitz-Ahorn, der schon Anfang April oder Ende März vor dem Blattaustrieb blüht.

Die Blüten sind zwittrig, oft werden aber in der Krone bei einzelnen Blüten mal die männlichen und mal die weiblichen Anlagen der Einzelblüten unterdrückt, so dass sie fast eingeschlechtig sein können. Sie haben je fünf gelb-grüne Kelch- und Kronblätter und werden von Insekten, z.B. Bienen bestäubt, die den Nektar vom scheibenförmigen Blütenboden aufnehmen. Von den ursprünglich zehn Staubblättern sind immer Zwei ausgefallen, so dass es nun noch Acht sind.

Die Früchte des Berg-Ahorns sind kleine Nüsschen. Sie haben einen langen Flügel, der die Fallgeschwindigkeit verringert, so dass sie beim Fallen ins Trudeln geraten (Drehschraubenflieger) und dabei vom Wind verfrachtet werden, bis zu 125 m vom Mutterbaum. Auf vereistem Schnee im Gebirge können die Früchte bei stärkerem Wind sogar einen Kilometer weit rutschen.

Die Flügelnüsschen sind am Baum immer zu zweit miteinander verbunden und bilden dabei einen spitzen bis rechten Winkel zueinander. Übrigens ist dies ein Unterscheidungsmerkmal: Beim Spitz-Ahorn ist der Winkel flacher. Vor oder beim Herabfallen trennen sich dann die beiden Flügelnüsschen (daher die Bezeichnung Spaltfrüchte). Die Fruchthülle ist leicht klebrig, man kann sie öffnen und sich die Flügelnüsschen auf die Nase kleben. Die Keimung erfolgt im April. Zuerst dringt die Keimlingswurzel in den Boden ein, bis sie verankert ist – dann hebt der Keimling den Fruchtflügel etwas hoch, bis dieser abfällt, und anschließend entfalten sich die beiden Keimblätter. Bei der Fülle von Keimlingen, oft 100 und mehr pro Quadratmeter, kann man die verschiedenen Stadien sehr schön nebeneinander ansehen.

Foto von Rainer Sturm, pixelio.de

Blätter

Die gegenständigen Blätter sehen – wie es sich für einen Ahorn gehört – aus wie "am Stiel ausgestreckte Blätterhände". Aber sie unterscheiden sich deutlich vom Spitz-Ahorn: denn sie sind zwar beim Berg-Ahorn ebenfalls 5-fach gelappt, die Blattlappen sind jedoch nicht zugespitzt, sondern stumpfer, die Blätter nicht glatt, sondern runzelig. Der Blattstiel enthält keinen Milchsaft, wie er beim Spitz-Ahorn durch Ankneifen des Blattstieles austritt. Zudem hat der Berg-Ahorn nicht eine so bunte Herbstfärbung wie der Spitz-Ahorn – dafür kann sie in höheren Lagen zu einem Feuerwerk von Gelbtönen werden.

In mittleren Osten Nordamerikas gibt es verschiedene Ahornarten, die maßgeblich an der prächtigen rot-orangen Herbstfärbung der dortigen Wälder beteiligt sind, bekannt unter dem Begriff 'Indian Summer'. Dabei wurde dieser Begriff dort ursprünglich aus einem ganz anderen Grund geprägt: Die Ureinwohner, die "Indianer", nutzten die schönen Herbsttage, um ihre Wintervorräte aufzustocken, wenn die Wälder bunt wurden.

An Schattenzweigen kann man oft sehr ungleich große Blätter beobachten: die nach unten gerichteten sind viel länger gestielt und größer als die am Spross gegenüber nach oben gerichteten. So versuchen die Blätter außen mehr Licht zu erreichen. Die Blätter des Berg-Ahorns werden aufgrund günstiger Inhaltsstoffe sehr schnell zersetzt, wenn sie im Herbst vom Baum gefallen sind.

Wachstum und Alter

Der Baum kann eine sehr schön geformte runde bis eiförmige Krone entwickeln, was aber natürlich nur im Freistand klappt. Als Höchstalter erreicht er 500 Jahre, Stammdurchmesser von über einem Meter sind keine Seltenheit, im Freistand kann er zu wahren Riesen werden. Im Mittelgebirge/Gebirge und Norden gibt es noch wunderschöne alte Bergahorn-Alleen. Denn der Berg-Ahorn ist eine der bestgeeigneten Alleebaumarten, wenn das Klima nicht zu trocken ist. Bedeutung hat auch der starke Schattenwurf des Berg-Ahorns unter Alleen, in Parkanlagen und in Gärten.

In der Jugend können 1-2 Meter lange Jahrestriebe zu schnellem Höhenwachstum führen, das dann bald wieder nachlässt. Für die Förster ist der Berg-Ahorn ein Musterknabe: wenn seinem Wipfeltrieb nichts geschieht, wächst er schnurstracks "in den Himmel". Mit 40 Metern erreicht der Baum seine maximale Höhe. Und für die Verjüngung sorgt er selbst, ohne dass der Förster etwas unternehmen muss. Er wird allerdings gerne vom Wild verbissen und muss deshalb geschützt werden, wenn er selten vorkommt. Ansonsten ist die Baumart sehr robust und wird nicht ernsthaft von Schädlingen bedroht.

Foto von Pia Kaiser, pixelio.de

Rinde und Frühjahrssaft

Die Rinde der Ahorne ist ein absolutes Highlight. Alte Berg-Ahorne entwickeln nämlich eine schuppenförmige Borke, die ein phantastisches Formen- und Farbenspiel von gelb bis dunkelbraun und grün zeigt. Daher der Beiname "pseudo-platanus", soll heißen: sieht aus wie eine Platane, die ja auch wegen ihrer farbenfrohen Schuppenborke in der Stadt sehr beliebt ist. Die ältesten Schuppen sind dunkel, und wenn sie schließlich abfallen, kommen ganz helle Bereiche zum Vorschein.

Die Borkenstruktur verändert sich mit der Höhe – weiter oben sieht es dann manchmal aus "als wäre der Lack ab". Im Frühjahr kann es zum "Bluten" aus abgeschnittenen Ästen und verletzter Rinde kommen – das ist der so genannte Frühjahrssaft, der auch für Ahornsirup genutzt werden kann. Er tritt bei Verletzungen ab März bis zum Austriebzeitpunkt aus und enthält reichlich Zucker.

Ähnlich wie beim nordamerikanischen Zucker-Ahorn kann man auch beim Berg-Ahorn im Frühjahr Saft zapfen, wenn er auch nicht ganz so ergiebig wie der nordamerikanische Bruder ist. Dazu wird der Stamm bis zum äußeren Holz, dem Splint, angebohrt. Der Frühjahrssaft tropft dann 3-4 Wochen lang bis zum Tag des Austreibens heraus. Dann hört er schlagartig auf, weil die Wasser ziehenden Blätter zu einem Unterdruck im Stamm führen, so dass der Saft dann in die Krone gesogen wird. Pro Baum können bis zu 50 l (beim Zucker-Ahorn 150 l) geerntet werden, der Zuckergehalt ist 1-3%. Der Saft schmeckt süßlich, ist aber noch kein Sirup, so dass die Flüssigkeit hinterher durch Erhitzen zu Ahornsirup eingedickt wird. Im 1. Weltkrieg und zu anderen früheren Notzeiten war dies eine wichtige, wenn auch mühsame Zuckerquelle.

Holz

Bei den Förstern hat der Berg-Ahorn einen sehr guten Ruf, er gehört zu den so genannten Edellaubhölzern. Sein Holz war bereits in der Stein- und Bronzezeit sehr geschätzt, heute vor allem bei Instrumentenbauern. Es werden wichtige Teile von Musikinstrumenten daraus gefertigt, das so genannte. Klangholz, beispielsweise von Streichinstrumenten, Lauten, Zithern und Gitarren, Panflöten und Fagott. Von den drei heimischen Ahornarten ist das Holz des Berg-Ahorns das begehrteste, auch weil es am hellsten ist. Es ist hart und gut zu bearbeiten. Allerdings ist es nicht witterungsfest und muss im Freien sehr gut geschützt oder behandelt werden. Auch im Saft geschlagenes Holz verfärbt sich schnell durch Pilzbefall, weshalb unbedingt die Winterfällung zu empfehlen ist.

Berg-Ahornholz ist ein gesuchtes Möbel-, Ausstattungs-, Drechsler- und Schnitzholz und wird wegen seines hellen Farbtons für Küchengeräte und Tischplatten verwendet. Es ist gut geeignet für Werkzeugstiele, da es besser die Handwärme hält als z.B. Buchenholz. Wegen seines hohen Stärkegehaltes im Spätherbst und Winter kann es gemahlen zu Viehfutter verarbeitet werden.

Foto von Rainer Sturm, pixelio.de

Aktionsideen

Quellen