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Inhaltsverzeichnis

Biologische Gewässergüte bestimmen

Stellt die Wasserqualität eures Fließgewässers anhand seiner Bewohner fest.


Hintergrund

Wer könnte besser über die Wasserqualität Auskunft geben, als die Tiere, die dort zu Hause sind? Findet anhand der im Wasser lebenden Arten, so genannten „Bio-Indikatoren“, heraus, wie stark euer Bach verschmutzt ist. Dabei könnt ihr gleichzeitig in die spannende Unterwasser- Tierwelt eintauchen!

Je nach Verschmutzungsgrad lässt sich das Gewässer in verschiedene Güteklassen unterteilen. Eine Möglichkeit, die Qualität eines Gewässers zu testen, ist seine Bewohner aufzuspüren. Als so genannte Bio-Indikatoren stellen sie unterschiedliche Ansprüche an die Wasserqualität. Deshalb kommen in stark verschmutztem Wasser ganz andere Lebewesen vor als in unbelastetem. Welche Tiere den jeweiligen Verschmutzungsgrad charakterisieren kann man z.B. dem so genannten Saprobien-Index entnehmen. Hier sind die häufigsten Tiere eines Fließgewässers aufgeführt und ihnen jeweils bestimmte Werte zugeordnet. Anhand von einigen Rechenschritten kann man die Gewässer-Güte-Klasse berechnen (siehe unten). Wir zeigen euch aber auch eine einfachere Variante.

Material

  • Siebe in verschiedenen Größen
  • Käscher
  • Schalen oder Einmachgläser
  • Lupe
  • Bestimmungsbücher / Leitfaden für die Berechnung des Saprobienindexes
  • Notizblock
  • Stifte
  • Gummistiefel

Dauer der Aktion

Ein Gruppentreffen


Zeitpunkt

Warme Jahreszeit


Aktion

Während der Aktion: Sucht euch eine flache Uferstelle, von der aus ihr leicht Zugang zum Bach habt. Nun könnt ihr anfangen, nach Tieren zu suchen. Dreht vorsichtig Steine im Flussbett um und seht nach, ob sich an der Unterseite Tiere befinden. Wer möchte, der kann sich mit dem Käscher auf die Suche nach den kleinen Fluss- Bewohnern machen. Wenn ihr fündig geworden seid, füllt eine Schale oder ein Einmachglas mit Wasser und spült die Tiere hinein. Nun könnt ihr sie in Ruhe mit einer Lupe beobachten. Bestimmt mit Hilfe eines Buches, um welche Art es sich handelt und notiert die Anzahl der gefundenen Exemplare. Anschließend lasst ihr die Tiere wieder frei. Manchmal lohnt es sich auch einen genaueren Blick auf die am und im Wasser stehenden Pflanzen zu werfen. Libellenlarven z.B. klettern zum Schlüpfen aus dem Wasser und hinterlassen ihre Larvenhaut (Exuvie) an Pflanzenteilen.


Auswertung der Ergebnisse: Nachdem eure Untersuchungen beendet sind, werden die Ergebnisse ausgewertet. Die Gewässer-Güteklasse, von der ihr die meisten Tiere gefunden habt, beschreibt die Qualität des Wassers. Eine Liste der Organismen und ihrer zugehörigen Güteklasse findet ihr zum Beispiel im „Kombileitfaden“ der NAJU. In der Regel unterscheidet man sieben verschiedene Güteklassen. Bei dieser Aktionsidee beschränken wir uns aber auf die wichtigsten vier.


Güteklasse I unbelastet bis gering belastet Beispiel-Tierarten: Groppe, Dreieckskopf-Strudelwurm, Steinfliegenlarve, Köcherfliegenlarve, Flache Eintagsfliegenlarve

Güteklasse II mäßig belastet Beispiel-Tierarten: Köcherfliegenlarve (ohne Köcher), Spitzschlammschnecke, Flohkrebs, Großer Schneckenegel

Güteklasse III stark verschmutzt Beispiel-Tierarten: Rollegel, Waffenfliegenlarve, Wasserassel

Güteklasse IV übermäßig stark verschmutzt Beispiel-Tierarten: Roter Schlammröhrenwurm, Rote Zuckmückenlarve, Rattenschwanzlarve


Für die angehenden Wissenschaftler unter euch

Um den richtigen Saprobien-Index des ganzen Gewässers (S) zu berechnen, müsst ihr euch eine entsprechende Liste der Bio-Indikatoren besorgen. Dort ist jeder Tierart eine Zahl, die dem jeweiligen Saprobien-Index der Art entspricht (s), sowie ein Indikationsgewicht (g) zugeordnet. Die Häufigkeit einer Art (h) entspricht der Anzahl der von euch gefundenen Tiere. Diese Zahlen tragt ihr am besten in eine Tabelle ein. Für jede einzelne Art müsst ihr am Ende zwei Rechenschritte ausrechnen: Zum Beispiel für die Eintagsfliegenlarve:

1.) Häufigkeit (h) ∙ Saprobien-Index (s) ∙ Indikationsgewicht (g) = P1

2.) Häufigkeit (h) ∙ Indikationsgewicht (g) = P2

Schließlich habt ihr für jede Art P1 und P2 errechnet. Im nächsten Schritt müsst ihr die Summe aller P1 (also von allen Arten) sowie die Summe aller P2 errechnen.

3.) P1 Eintagsfliegenlarve + P1 Rollegel + ... = Summe aller P1

4.) P2 Eintagsfliegenlarve + P2 Rollegel + ... = Summe aller P2

5.) Die Formel zum Errechnen des Gewässer-Saprobienindexes lautet nun:

Summe P1 S = _____________ Summe P2

6.) Anhand der Zahl S lässt sich nun die Gewässer-Güte-Klasse bestimmen. (In etwa: 1 bis 2 = Güteklasse I; 2 bis 3 = Güteklasse II, 3 bis 3,5 = Güteklasse III und schlechter als 3,5 = Güteklasse IV)


Quellen

  • http://www.bachuntersuchung.de/
  • Kolkwitz, R. und Marsson,M.: Ökologie der tierischen Saprobien.
  • Biologische und chemische Bestimmung von Fließgewässern. Schriftenreihe der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz Band 53, 7. Auflage (1996)
  • Biologische Gewässeranalyse in Bayern. Informationsberichte des Bayer. Landesamtes f. Wasserwirtschaft, 4/90 (1990)
  • Detlef Meyer : Makroskopisch-biolog. Feldmethoden zur Wassergütebeurteilung von Fließgewässern.ArGe Limnol. und Gewässerschutz (ALG) e.V. Hannover und BUND, Landesverband Niedersachsen, 4. Auflage (1990)
  • Otto Klee : Angewandte Hydrobiologie, Georg Thieme Verlag 2. neubearb. Auflage (1991)
  • Wolfgang Engelhardt : Was lebt in Tümpel Bach und Weiher, Kosmos Naturführer


Diese Aktionsidee wurde erstellt von Jessica Franzen und Astrid Mittelstaedt.