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Birkhuhn

Allgemein

Das prächtig gefiederte Birkhuhn ist eines der interessantesten, aber zugleich auch gefährdetsten in Deutschland beheimateten Lebewesen. Es gehört zu der Familie der Raufußhühner. Wo die Küken in den ersten Lebenswochen noch auf tierische Nahrung in Form von Insekten angewiesen sind, ernähren sich die ausgewachsenen Birkhühner ausschliesslich vegetarisch in Form von Blättern, Blüten, Knospen und Beeren. Ein von Naturliebhabern gern beobachtetes Phänomen ist die alljährlich stattfindende Balz. Von März bis April führen die Birkhähne ihre Balztanz an ganz bestimmten Balzplätzen vor. Sie plustern sich auf, springen in die Höhe und tragen Scheinkämpfe aus. Dabei geben sie zischende und gluckernde Laute von sich. Das Birkhuhn besiedelt vorrangig im Flachland Moore, offene Heiden und zum Teil auch Kulturland mit ausreichend Brachflächen in Verbindung mit Wiesen und Weiden. Die Nester werden vornehmlich in Heidelbeerständen, hoher Besenheide und sonstiger kniehoher Vegetation angelegt. Ursprünglich kam das Birkhuhn in den Alpen, den Mittelgebirgen, in Großbritannien, Nord- und Osteuropa, Russland bis in den Osten Sibiriens vor. Im Nordwestdeutschen Tiefland, wo das Birkhuhn zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch sehr häufig war, sind die Bestände fast überall erloschen. Lediglich in der Lüneburger Heide kommt es noch innerhalb des Naturschutzparkes vor.

Gefährdung

Auf europäischer Ebene zwar laut IUCN als „nicht gefährdete Art“ eingestuft, steht das prächtige Tier als „vom Aussterben bedroht“ auf der „Roten Liste“ gefährdeter deutscher Lebewesen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kam es durch die intensivierte Landnutzung zum drastischen Rückgang des Lebensraumes. Lebensraumverlust ist für das Birkhuhn Gefährdungsursache Nummer 1. Der Beginn des Bestandrückganges war die großflächige Trockenlegung der Moore, die den Lebensraum des Birkhuhnes drastisch verkleinerte. Weitere Einschnitte waren die Aufforstungen in Heidegebieten, die Zersiedlung der Landschaft, der erstarkende Verkehr sowie der wegen des Klimawandels in höhere Bergregionen vordringende Tourismus. Eine Zerstückelung geeigneter Lebensräume führt zur Bildung von Teilpopulationen, einer geringeren genetischen Diversität und schließlich zur Isolierung einzelner Populationen mit geringen Überlebenschancen. In Deutschland leben noch maximal 1600 Weibchen verteilt auf letzte, inselartige Vorkommen. In Mitteleuropa ist das Birkhuhn mit noch etwa 25.000 brütenden Weibchen sehr selten geworden und zeigt nur noch in den Alpen und in Skandinavien stabile Vorkommen. "Es ist schon richtig, am Birkhuhn als Leitart festzuhalten", meint Jakob Drees, der für den NABU Gifhorn das Projekt Großes Moor leitet. "Aber so lange der Torfabbau nicht beendet ist - und der geht hier noch mindestens zehn Jahre -, werden wir wohl noch vergebens auf die Rückkehr des Birkhuhns warten. Denn erst dann kann die notwendige Wiedervernässung des Moores begonnen werden."

Eine Schlüsselart für den Schutz der biologischen Vielfalt

Nicht nur die Schönheit und Faszination dieses Vogels spielt für die ästhetisch-ethische Komponente der biologischen Vielfalt eine wichtige Rolle, sondern auch der für andere Arten und ganze Naturlandschaften stellvertretende Charakter des Birkhuhnes. Das gilt insbesondere für die hier beheimateten Arten. Solange es dem Birkhuhn gut geht, kann man davon ausgehen, dass auch die Kulturlandschaft qualitativ hochwertig erhalten ist. Verschwindet das Birkhuhn, zeigt es damit eine Verschlechterung des Lebensraums auch für eine ganze Reihe weiterer Arten an, die mit der Zeit ebenso vom Aussterben bedroht sein werden.

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