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Hilfe für verirrte, erschöpfte oder verletzte Fledermäuse

Was ist als Erstmaßnahme im Notfall zu tun, wenn Sie eine kranke, verletzte oder junge Fledermaus gefunden haben? Der NABU gibt Tipps zum richtigen Umgang.

Inhaltsverzeichnis

Das kleine 1 x 1 für Fledermausretter

Schützen Sie sich zuerst selbst

Die Wahrscheinlichkeit, sich durch einen Fledermausbiss mit Tollwut zu infizieren, ist zwar äußerst gering. Viele Arten können jedoch kräftig und schmerzhaft beißen, wenn sie angefasst werden. Fassen Sie eine unbekannte Fledermaus also nie mit bloßen Händen an. Benutzen Sie lieber Arbeits- oder Gartenhandschuhe oder umfassen Sie das Tier locker mit einem Stofftuch. Fledermäuse, die sich im Zimmer verirrt haben und noch munter wirken, brauchen gar nicht angefasst zu werden. Öffnen Sie die Fenster und lassen Sie die Tiere auch tagsüber ins Freie fliegen. Fledermäuse nehmen bei Tageslicht keinen Schaden.

Die Fledermaus bewegt sich sehr langsam

Bewegt sich eine Fledermaus allenfalls wie in Zeitlupe und fühlt sich kalt an (vorsichtig am Rücken fühlen), so ist sie entweder sehr geschwächt oder sie befindet sich in einer Art Kältestarre, in die Fledermäuse zum Winterschlaf oder bei Nahrungsmangel übergehen können, um Energie zu sparen. In diesem Zustand sind Fledermäuse nicht flugfähig und benötigen 10-45 Minuten, um ihre "Betriebstemperatur" (37 Grad C, wie wir Menschen) zu erreichen. Winterschlafende Fledermäuse sollten nicht unnötig aufgeweckt werden und möglichst an sicherer Stelle in Ihrem Quartier verbleiben.

Die Fledermaus ist verletzt

Bei Findlingen mit größeren Wunden oder Knochenbrüchen kann nur ein Tierarzt oder Fledermausspezialist helfen. Sie sollten das Tier möglichst schnell in eine Notfallkiste setzen (siehe 4) und Kontakt zu Fledermausfachleuten aufnehmen.

Der richtige Umgang

Als schnelle Lösung für die vorübergehende Unterbringung von Fledermäusen eignet sich ein alter Schuhkarton mit Lüftungslöchern. Innen füllt man ihn am besten locker mit zerknülltem Küchenpapier oder mit einem kleinen geknüllten Stofftuch. Vorsicht: Fledermäuse sind Ausbruchskünstler! Der Karton muss gut, aber natürlich nicht luftdicht schließen. Im Winter sollte die Notfallkiste in einen etwa 5-10°C kühlen Raum gestellt werden, bis weitere Hilfe organisiert ist. Im Sommerhalbjahr und besonders vor Fütterungs- und Abflugversuchen muss die Kiste bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.

Essen und Trinken

Möglichst rasch sollte jeder Fledermausfindling trinken. Hierzu träufeln Sie am besten einige Tropfen lauwarmes Leitungswasser mit einer kleinen Pipette oder einem Pinsel seitlich an die Maulspalte (nicht von vorn, dort befinden sich die Nasenlöcher!). Still stehendes Wasser in einem Napf erkennt eine Fledermaus nicht, sie ortet mit Ultraschall einen festen Gegenstand! Nur ausnahmsweise fressen Fledermäuse auf Anhieb angebotene Nahrung aus dem Futternapf. Normalerweise muss ihnen die Nahrungsaufnahme mit der Pinzette mühsam beigebracht werden. Als Futter bitte nur lebende oder frisch ausgedrückte Mehlwürmer aus dem Zoohandel oder Angelshop verwenden - heimische Fledermäuse sind reine Insektenfresser. Bitte beachten Sie: Fledermäuse können nur fressen und trinken, wenn sie eine "Betriebstemperatur" von 37 Grad C haben.

Abflugversuch

Mit ausgewachsenen Fledermäusen ohne erkennbare Verletzungen sollte am Abend (außer in Frostnächten oder bei Dauerregen) ein Abflugversuch unternommen werden. Viele Probleme lösen sich auf diese Weise von selbst. Setzen Sie das Tier in der Abenddämmerung möglichst hoch an eine rauhe Wand, Holzverschalung oder ein Fensterfliegengitter (katzensicher!) und beobachten Sie, ob es abfliegen kann. Bis zum Abflug kann längere Zeit vergehen. Unterhalb des Abflugplatzes sollte der Boden übersichtlich sein (z. B. Rasen), damit Sie die Fledermaus wiederfinden, wenn der Flugversuch misslingen sollte.

Jungtiere

Vor allem kleine Arten wie die 5-6 Gramm leichten Zwergfledermäuse werden oft als vermeintlich hilflose Jungtiere angesehen. Junge Fledermäuse gibt es bei uns nur von Ende Mai bis Juli. In den ersten Lebenswochen sind sie entweder völlig nackt oder nur flaumig behaart. Findet man ein hilfloses Jungtier sollte man den Winzling in sein Quartier zurücksetzen. Meist findet man das Quartier in einem Haus wenige Meter vom Fundort entfernt. Kleine schwarze Kot-Krümelchen geben einen Hinweis auf das Einflugloch. Bei unbekanntem Quartier kann man das Jungtier seiner Mutter mit einem "Kuschelturm" zurückzugeben: In eine glattwandige Schüssel wird eine hohe, mit lauwarmen Wasser gefüllte Getränkeflasche gestellt. Diese überzieht man mit einer Socke. In der Dämmerung setzt man das Fledermausbaby an die Socke und stellt es katzensicher in der Nähe des Fundortes auf (evtl. äußere Fensterbank). Ist das Junge in der Lage Laut zu geben, holt die Mutter ihren Nachwuchs in der Nacht ab.

Sollte das hilflose Jungtier am Morgen nicht abgeholt worden sein, hilft wiederum nur der Spezialist weiter. Bis Hilfe organisiert ist, sollte das Jungtier bei angenehmer Wärme (nicht in der prallen Sonne!) in einer Notfallkiste warten. Ist absehbar, dass weitere Hilfe erst nach vielen Stunden verfügbar ist, sollten Jungtiere körperwarmen Fencheltee oder Wasser bekommen, um nicht auszutrocknen. (Technik siehe "Essen und Trinken")

Hilfe von Spezialisten

NABU-Landesstelle für Fledermausschutz und -forschung

Oberbergstr. 9

23795 Bad Segeberg

Tel.: 04551-96 39 99

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns nur um Fledermäuse in Schleswig-Holstein kümmern können. Kontakt-Adressen in anderen Bundesländern finden Sie über das Fledermausfreundliche Haus (www.fledermausfreundliches-haus.de). Ist die Landesstelle nicht besetzt, erhalten Sie im Fundtier-Notfall auch Hilfe unter der privaten Telefonnummer: 04551-896 43 30 (9-21 Uhr).

Rechtliches

Das Naturschutzgesetz lässt die vorübergehende Aufnahme hilfloser Fledermäuse zu. Wenn aber absehbar ist, dass das Tier nicht in kurzer Zeit wieder freigelassen werden kann, müssen die Naturschutzbehörden informiert werden.

Was mache ich mit toten Tieren?

Tote Fledermäuse können noch wertvolle Daten für die Wissenschaft liefern. Setzen Sie sich am besten mit der NABU Landesstelle für Fledermausschutz und forschung (siehe "Hilfe vom Spezialisten") in Verbindung.

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