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Inhaltsverzeichnis

Flächenverbrauch

Flächenverbrauch ist das Nutzen von Fläche durch den Menschen.

Im Allgemeinen meint dies die Umwandlung von natürlicher (oder landwirtschaftlich genutzter) Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche. Der Boden wird für Arbeit, Bildung, Verkehr, Versorgung, Wohnung und Freizeit verbaut.

Hier gibt es einen großen Unterschied zur Flächenversiegelung. Diese benennt das Abdecken von freier Fläche durch Beton (Bauwerke, Straßen, Schienen), wo der Boden darunter quasi stirbt. Versiegelung ist also ein Teil vom Flächenverbrauch. Grünanlagen oder Parks zählen auch zum Flächenverbrauch, obwohl die Natur ja noch viel Platz hat, aber eben nicht, um sich frei zu entfalten. Es wird allzuleicht vergessen, dass wir für saubere Luft, reines Trinkwasser und gesunde Nahrungsmittel auch unversiegelte Flächen brauchen.

Datei:Straßenbau.jpg
Straßenbau Foto von Rainer Sturm/pixelio.de

Relevanz von betonfreier Fläche

Jede Sekunde werden in der Bundesrepublik 10,76m² Fläche versiegelt! Pro Tag sind das 200 Fußballfelder, die asphaltiert werden und somit für Mensch und Natur nicht weiter nutzbar sind. Dabei ist der Boden eine wichtige Ressource, die erschöpfbar ist und mit der wir nicht leichtfertig umgehen dürfen. Immerhin wollen nach uns noch viele weitere Generationen auf dieser Erde leben und auch sie sind auf den Boden angewiesen.

Aber auch das Erdreich selbst ist ein ganz besonderer Lebensraum. In einem gesunden Boden gibt es Millionen kleiner Lebewesen und Bakterien, die abgestorbene Tier- und Pflanzenreste zu Nährstoffen zersetzen. Pflanzen halten sich mit ihren Wurzeln im Erdreich fest und erhalten so Wasser und Nahrung. Ein natürlicher, mit Pflanzen bewachsener Boden kann viel Wasser speichern und leitet überschüssiges gereinigt ins Grundwasser. So entsteht gutes Trinkwasser und gesunde Nahrung kann auf dem Boden wachsen. Außerdem produzieren die Pflanzen den Sauerstoff, den wir zum atmen brauchen.

Oft wird nicht bedacht, dass die Versiegelung von Boden die Hochwassergefahr erhöht. Unsere Pflanzen sind ein natürlicher Schutz gegen diese Katastrophen, denn sie helfen dem Boden, das Regenwasser zu speichern. Wird nun eine Fläche, die mit Bäumen oder anderen Pflanzen bewachsen ist, kahl geschlagen oder sogar asphaltiert, kann das Wasser nicht mehr im Boden gehalten werden. Es fließt sofort durch die Rinnsteine in die Kanalisation und von dort aus in die Flüsse. Weil kein Wasser gespeichert wurde, kommen nun viel größere Massen in den Flüssen an und es kann schnell zu Überschwemmungen kommen.

Was sagt die Statistik über Versiegelung?

Fast nirgendwo sonst gibt es ein Land, was annähernd so dicht besiedelt ist wie Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es z.B. insgesamt mehr Verkehrsflächen als Wasserflächen. Auch der Anteil der (hier zusammengefassten) Gebäude/nicht genutzer Freifläche ist relativ hoch. Grade durch Straßenverkehr und den Bau von Gewerbeparks und Häusern steigt der Anteil der versiegelten Fläche noch. In der Bundesrepublik sind mehr als 12,4 % der Fläche stark versiegelt.

Forst- und Landwirtschaft: Kleiner Versiegelungfaktor mal große Fläche. Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen machen mehr als zwei Drittel der Fläche der BRD aus. Durch die neuen Bewirtschaftungsmethoden mit schweren Maschinen wird der Boden verdichtet. Selbst wenn die Bodenverdichtung nicht wie im Straßenbau 100% beträgt - allein die Fläche macht diese Bereiche zu Problemkindern.

Raubbau an Wäldern, wie hier durch den zum RWE-Konzern gehörenden Braunkohlenmagnaten "Rheinbraun" in Etzweiler, führt ebenfalls dazu, dass weniger Wasser zurückgehalten wird. Die Wasser-Rückhaltebilanz funktionsfähiger Wälder ist in ihrem Beitrag von Wasser zu Fläche kaum noch zu überbieten.

Regional ist die Versiegelung noch höher- vor allem im urbanen Bereichen. Das erscheint wenig, jedoch wird TÄGLICH eine 117 Hektar große Fläche versiegelt. Das wären 160 Fußballfelder pro Tag an neuversiegelter Fläche (Quelle: Stat. Bundesamt). Durch die Tatsache, dass wir mit dem Ruhrgebiet, dem Rhein-Main-Gebiet und mit den Großstädten zu den dichtbesiedelsten Raum der Welt gehören, sind wir auch die am massivsten versiegelte Fläche überhaupt.

Flächenverbrauch und Bevölkerungsrückgang – Ein Interview

Stadtleben Foto von Jochen Sievert/pixelio.de
Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 34000 Hektar zu Siedlungs- und Verkehrsfläche. Der Flächenverbrauch ist damit enorm. Gleichzeitig sinken die Bevölkerungszahlen. Warum diese beiden Phänomene nebeneinander existieren, das haben wir von Ulrich Kriese, dem NABU-Experten zum Thema Siedlungspolitik, erfahren.

NAJU: Die Einwohnerzahlen sinken, gleichzeitig wird die Bevölkerung im Durchschnitt immer älter. Herr Kriese, wie kann es zu einer solchen Entwicklung kommen?

Kriese: Seit längerem schon bekommen die Deutschen weniger Kinder. Das ist wie in anderen Industriestaaten vor allem ein Wohlstandsphänomen. Wir sind jetzt in einer Zeit angekommen, in der diese geburtenschwachen Jahrgänge in das Alter kommen, in dem sie selbst Kinder großziehen. Das Problem ist also nicht neu, es wird nur plötzlich verstärkt wahrgenommen. Außerdem werden wir heute viel älter als noch vor einigen Jahrzehnten. Bessere Versorgung sowie medizinische Fortschritte haben dies möglich gemacht.

NAJU: Der demographische Wandel spiegelt sich auch in der Bevölkerungsentwicklung wider. Viele ländliche Gegenden werden zunehmend leer und veröden. Warum sind gerade diese Gebiete betroffen?

Kriese: Zum einen muss man sagen, dass es in ländlichen Gegenden stärker auffällt, wenn eine gewisse Menschenzahl wegzieht, da die Bevölkerungszahlen dort ohnehin niedriger sind. Zum anderen ist es inzwischen Fakt, dass es auf dem Land drastische Probleme mit Arbeitsplätzen gibt. Die typisch ländlichen Branchen wie Land- und Forstwirtschaft verlieren in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung. Es gibt immer weniger Arbeitsplätze, die wirklich auf die ländliche Lage angewiesen sind. Firmen, bei denen die Lage nicht vorbestimmt ist, siedeln sich eher in der Stadt oder an Verkehrsknotenpunkten an, weil dort die Nachfrage am größten ist.

NAJU: Auch die Einwohnerzahlen der Innenstädte sinken drastisch. Wie ist das zu erklären?

Kriese: Viele Innenstadtwohnungen sind durch Faktoren wie Lärm und Verkehrsprobleme nicht mehr attraktiv. Außerdem fehlen in den Zentren die Grün- und Freiräume, die der Erholung dienen. Der Trend geht dahin, dass immer mehr Menschen in die Außenbezirke, Vororte und Stadtumlandgemeinden ziehen. Meist handelt es sich dabei um bestehende oder werdende Familien. Durch die ländlichere Lage wollen sie ihren Kindern mehr Freiraum bieten als dies mitten in der Stadt möglich wäre. Dabei vergessen sie aber, dass rundum noch weitere Wohngebiete erschlossen werden. In einigen Jahren wird das Haus sozusagen in die Stadt gewachsen sein. Die Bodenpreise sind zwar auf dem Land niedriger, doch mit zunehmender Entfernung von der Stadt verlängern sich auch die Wege zur Schule, zu Freunden, zum Sport oder zum Einkaufen. Meist wird erst einmal nicht bedacht, dass damit auch finanzielle Belastungen durch die hohen Fahrtkosten auf einen zukommen.

NAJU: Glauben Sie, dass dieser Run in die Vororte ständig weitergehen wird oder ist Ihrer Meinung nach ein Ende absehbar?

Kriese: Im Moment wird weniger gebaut als noch vor fünf Jahren. Unter anderem liegt dies an der wirtschaftlichen Lage. Durch die überall drohende Arbeitslosigkeit will man sich nicht noch weiter verschulden. Wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht und der Wohlstand steigt, könnte sich die Situation auch wieder umkehren. Langfristig gesehen würde ich sagen, dass der Trend rückläufig ist. Allerdings nicht rückläufig genug, damit sich die auf uns zukommenden Probleme von selbst erledigen.

NAJU: Jetzt haben Sie schon einige Aspekte angesprochen, die auch mit dem hohen Flächenverbrauch in Deutschland zu tun haben. Wie ist dieser mit dem Bevölkerungsrückgang überein zu bringen?

Kriese: Trotz Bevölkerungsrückgang steigt wegen der Zunahme der Ein- und Zweipersonenhaushalte die Zahl der Haushalte insgesamt. Dieses Phänomen allein führt logischerweise zu einem höheren Flächenverbrauch, weil bei mehr Haushalten mehr Küchen, Flure und Bäder benötigt werden. Hinzu kommt, dass wir bestehende Gebäude nicht effizient nutzen; viele große Häuser und Wohnungen beispielsweise werden von nur einem Menschen bewohnt. Und auch viele bereits erschlossene, aber unbebaute Bereiche liegen brach und werden von uns nicht weiter beachtet. Demgegenüber werden immerfort neue Flächen erschlossen. Einen Acker zu überplanen und zu bebauen ist wesentlich einfacher als eine alte Gewerbebrache zu revitalisieren, denn hier gibt es mitunter Probleme mit Eigentümern, Altlasten oder benachbarten Nutzungen.

NAJU: Wie kann der hohe Flächenverbrauch in unseren Städten gestoppt werden?

Kriese: Die Gemeinden sollten dafür belohnt werden, dass sie ihre Bestandsgebiete verbessern und aufwerten. Man müsste soweit gehen, dass es sich nicht mehr lohnen würde, neue Gebiete zu erschließen. Denn die meisten Investitionen auf der so genannten Grünen Wiese rechnen sich überhaupt nur dank öffentlicher Subventionierung. Beim Bau eines neuen Hauses wird man zur Zeit durch die so genannte Eigenheimzulage finanziell unterstützt. Diese sollte abgeschafft werden. Es ist schließlich schon genug gebaut worden, weitere Verbauung muss nicht noch öffentlich gefördert werden. Eine Möglichkeit zum Kompromiss sehe ich darin, die Eigenheimzulage nicht mehr beim Bauen auf der grünen Wiese zu zahlen, sondern nur noch, wenn im bestehenden Stadtgebiet gebaut oder saniert wird. Auch die Grundsteuer kann Anreize schaffen, mit der Fläche sparsamer umzugehen. Die Grundsteuerlast könnte man aufsplitten: Ein Teil besteht aus einem festen Preis pro Quadratmeter. Wer ein größeres Grundstück hat, zahlt somit mehr. Der zweite Teil würde sich aus dem Wert des Grundstücks ergeben: Je wertvoller das Grundstück, desto höher die Grundsteuer. Das setzt den nötigen Anreiz, untergenutzte Grundstücke stärker zu nutzen. Das Spekulieren mit Baulücken oder leer stehenden Häusern würde sich nicht mehr länger rechnen. Baulücken und brach liegende Gebiete würden baulich stärker genutzt werden. Die Städte und Stadtteile sollten kompakter werden und zugleich von großen, von allen schnell erreichbaren Freiräumen umgeben und miteinander verbunden sein.

NAJU: Welche Lösungsansätze sehen Sie, um die Verödung der Städte zu verhindern?

Kriese: Man wird aus Städten niemals eine ländliche, durch und durch grüne Idylle machen können. Umso wichtiger ist es, die Vorteile von Kompaktheit, Dichte und Nähe zu erkennen. Die Stadt muss vor allem qualitativ aufgewertet werden, damit man nicht wegziehen will. Damit die Vorteile überwiegen, müssen Nachteile wie Lärm, Abgase und Gefahr für Kinder durch den Straßenverkehr verkleinert werden. Es muss mehr Lebensqualität geben, Freiräume sollen ansprechend gestaltet werden. Neubauten sollen anspruchsvoll und qualitativ hochwertig sein.

Mehr zum Thema findest du bei der erfolgreich abgeschlossene Kampagne die Entsiegler

NAJU: Haben Sie Tipps, was speziell Jugendliche tun können?

Kriese: Jugendliche sollten diese Fragen im Kopf behalten und bei zukünftigen persönlichen Entscheidungen und im Gespräch mit Eltern und Erwachsenen stets berücksichtigen. Wenn man vor Ort aktiv ist, z.B. in einer NAJU Gruppe, kann man die Gemeinden mit öffentlichen Aktionen aufmerksam machen. Im Interesse der Jugend sollte man mit Bürgermeistern und Politikern diskutieren. Immerhin ist es für die Kinder und Jugendlichen von heute wichtig zu wissen, wie es in 50 Jahren aussehen wird. Sie sind diejenigen, die dann noch leben, und an den Folgen bitter zu beißen haben. Die sozialen und finanziellen Probleme werden größer werden. Man muss lernen, die richtigen Fragen zu stellen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Kriese. Das Interview führte Jessica Franzen

Versiegelung als Grund für Hochwasser

Experten schätzen, dass durch die Bewirtschaftung von Forsten und landwirtschaftlichen Flächen bis zu 3 % des Speichervolumens für Wasser verloren gehen - bei dem großen Anteil folgt daraus eine vermehrte Oberflächenwasserabgabe - mehr Hochwasser-Input. In besiedelten Räumen kommt wesentlich mehr als 3% des Speichervermögens unter die Räder - bis zu 100% des Bodens ist versiegelt und das Wasser ist sofort in der Kanalisation bzw. kurze Zeit später im Fluss.

Zwei Beispiele:

Kommunen als Profiteure und Mitverursacher von Versiegelung

Wie dieses, am 1. Februar 2004 aufgenommene Werbeposter für ein Bauprojekt in der Steveraue der Stadt Nottuln-Appelhülsen (Münsterland) zeigt, ist es offenbar noch immer kein Thema, in einer Flussaue zu bauen und dies sogar noch als "attraktiv" zu verkaufen. Jenseits der ökologischen Bedenken sind problematische Siedlungsprojekte wie das der Stadt Nottuln-Appelhülsen keine Ausnahme. Hier ist mit keinem Wort auf die latente Hochwassergefahr hingewiesen, die Bauvorhaben in Flussnähe beinhalten. Auf der angegebenen Webseite wird mit Fotos von der Stever geworben und behauptet, es seien genug "Retentantionsflächen" vorhanden. Bevor der Zug für Hochwasserschutz abgefahren ist, sollte man lieber woanders bauen.

Kommunen als Hochwasser-Opfer

Land und Kommunen waren im Augusthochwasser 2002 am stärksten betroffen. Zunächst direkt aber eben auch indirekt durch die Schäden bei den Privathaushalten, die sich später im schwachen Konsumverhalten etc. wiederfinden.

Fazit: An unseren zwei Beispielen aus der Praxis zeigt sich, wie schizophren Kommunen in Sachen Hochwasserschutz arbeiten. Und dass jenseits der klassischen Hochwasser-Gebiete auch bei anderen Kommunen ein Umdenken passieren muss, damit man Hochwasserschäden schon im Anfang verhindert.

Lösungsansätze

In den hektischen und grauen Städten von heute sehen viele Menschen kaum noch Lebensqualität. Der ständig zunehmende Straßenverkehr produziert nicht nur Lärm und Abgase, sondern stellt auch eine Gefahr für spielende Kinder dar. Aber wie muss eine lebenswerte Stadt denn nun aussehen?

Menschen nicht aus der Stadt locken – sondern hinein!

Viele Menschen wünschen sich ein Haus im Grünen und ziehen deshalb in die Vororte. Doch auch außerhalb der Stadt geht es den Menschen nicht viel besser, denn jetzt müssen sie lange Fahrtwege in Kauf nehmen, um zur Arbeit oder zur Schule in die Innenstädte zu kommen. Das Verkehrsaufkommen erhöht sich dadurch und die Lebensqualität in der Stadt sinkt weiter. Wer einmal etwas in die Zukunft denkt, dem wird schnell klar, dass die Lage vor den Toren der Stadt nicht von Dauer ist. Nach einigen Jahren werden so viele neue Gebäude dort gebaut worden sein, dass der ehemalige Vorort nun schon zur Stadt gehört.

Anstatt Familien durch Eigenheimzulage und Pendlerpauschale darin zu unterstützen, aus der Stadt raus zu ziehen, sollte man versuchen, die Lebensbedingungen in der Stadt aufzuwerten. Es müssen neue Erholungsräume geschaffen werden, wie z.B. Parks und Stadtwälder. Somit kann man den Effekt umkehren und die Natur in die Stadt holen. Auch die Wohnquartiere sollten attraktiver gestaltet werden, um möglichst viele neue Menschen anzulocken. Durch die Sanierung und die ökologische Gestaltung der bestehenden Siedlungsräume erhalten Städte eine ganz neue Lebensqualität. Dazu kann jeder Stadtbewohner etwas beitragen. Begrünte Gebäude, wie zum Beispiel Dachbegrünung, Freiflächen und verkehrsberuhigte Straßen schaffen mitten in der Stadt Raum für Mensch und Natur.

Der Punkt ist also, dass man die leer stehenden Flächen der Innenstadt nicht vergisst und außen immer weiter anbaut, sondern dass die Entwicklung sich vor allem auf die bereits bestehende Stadt konzentriert, um diese lebenswerter zu machen.

Dichtere Besiedlung

Auch wenn es sich im ersten Moment nicht danach anhört, ist eine hohe Bebauungsdichte ein Lösungsansatz des Problems Flächenverbrauch. Denn in kompakt gebauten Städten leben viele Familien unter einem (Hochhaus-) Dach. Sie verbrauchen somit viel weniger Fläche als wenn sie alle ein Einfamilienhaus besäßen. Da diese Personen alle zentral wohnen, können sie zu Fuß zur Arbeit oder zum Einkaufen gehen oder bei etwas weiteren Strecken den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Es müssen keine neuen Verkehrswege erschlossen werden, die Flächenversieglung durch Straßen nimmt somit nicht zu.

Es lassen sich nämlich nicht nur Wohnsiedlungen und Einkaufstraßen in einer Stadt finden, sie lässt sich auch in verschiedene Nutzungstypen unterteilen:

• dicht bebaute Zentrumsgebiete

• Gebiete mit geschlossenen Blockrandbebauungen und freien Innenhöfen

• Mehrfamilienhausgebiete mit großen Grünflächen zwischen den einzelnen Häusern

• Einfamilienhäuser und Villenviertel

• öffentliche Baukomplexe mit parkartigen Grünanlagen

Wenn ihr an euer Stadtzentrum denkt, fällt euch vielleicht auf, dass man dort so gut wie keine grüne Fläche sieht. Fast 100% der Zentren in den Großstädten sind versiegelt. Das einzige Grün, was einem manchmal ins Auge fällt, sind die Pflanzenkübel vor den Geschäften oder ein vereinzelter Baum. Auch wenn die Pflanzenwelt in diesem Bereich der Stadt nicht nennenswert vertreten ist, nutzen einige Vogelarten wie die Dohle, der Turmfalke und der Mauersegler die hohen Gebäude, um zu brüten. Siehe auch Artikel über Kulturfolger.

Schaut man sich ein Bild eines geschlossenen Wohnblocks aus der Vogelperspektive an, erkennt man zwei völlig verschiedene Aspekte. Auf der einen Seite, nach Aussen, die oft graue, steinerne Fassade, ohne jegliches Grün. Nach Innen dagegen eröffnet sich häufig eine Rasenfläche mit Bäumen, sowie Zier- und Nutzgärten. In diesen Kleinbiotopen findet man neben einer größeren Anzahl an Pflanzen auch mehr Tiere. Neben den Tieren, die auch im Zentrum vorkommen, lassen sich z.B. Hausmäuse, Steinmarder, Amseln und Elstern aufstöbern.

Problem Mehrfamilienhaus

Es ist nicht mehr so laut wie in dicht besiedelten Vierteln, aber man kann den Bäumen auch noch nicht beim wachsen zuhören. Die oft großen Rasenflächen zwischen den Häusern bieten allerdings durch ihren häufig zu hohen Säureanteil im Boden keine ausreichenden Nährstoffe für ein allzu artenreiches Tier- und Pflanzenvorkommen. Je vielfältiger die Vegetation jedoch ist, desto mehr Busch- und Baumbrüter wie die Zaungrasmücke, die Amsel, der Grünfink und die Türkentaube sind zu finden.

Wer von uns würde nicht gerne in einem Einfamilienhaus oder einer Villa wohnen, mit großem Garten und verkehrsberuhigter Straße? Was für viele Menschen ein Traum ist, ist für Pflanzen- und Tierarten Realität geworden. Alte Baumbestände, aus Rosskastanien, Linden, Platanen und Eichen bestehend, bieten vielfältige Lebensräume für Vögel und Eichhörnchen. Die oft jahrzehntelange Nutzung der Böden als Gemüse-, Kräuter- oder Zierbeete hat zur Folge, dass sie besonders tiefgründig und nährstoffreich sind. Außerdem werden Vogelnester geduldet und häufig werden Nisthilfen für Vögel und Insekten angebracht. Durch die "passive Einstellung" der Anwohner profitiert die Tierwelt ungemein und das Artenspektrum reicht fast an das von Parks und Friedhöfen heran.

Auf den ersten Blick wirken Unis, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude und Schulen nicht wie ein Eldorado für Tiere und Pflanzen. Doch weit gefehlt! Diese Baukomplexe sind sehr häufig in parkartige Grünanlagen eingebettet, die zwar von Rasen dominiert werden, aber Baum- und Gebüschgruppen sowie vereinzelte Kleingewässer sind ebenfalls zu finden. Wurden früher die großen Rasenflächen noch regelmäßig gedüngt und gemäht, geht man heute, vielfach durch Sparmaßnahmen der Stadt gezwungen, dazu über, die Rasenflächen in Wiesen umzuwandeln. Das hat zur Folge, dass ehemals artenarme Flächen eine reiche Flora ausbilden.

Durch diesen kleinen Exkurs ist euch bestimmt klar geworden, dass Tiere und Pflanzen sich in der Stadt nicht nur auf Friedhöfen und in Parks wohlfühlen, sondern dass alle Lebensräume erobert werden. Sogar das zugebaute Stadtzentrum, das auf den ersten Blick lebensfeindlich erscheinen mag, bildet keine Ausnahme!!

Die Stadt der kurzen Wege

Ein Modell für einen idealen Stadtaufbau ist die „Stadt der kurzen Wege“. Die Grundtheorie besagt, dass jeder Mensch einen möglichst kurzen Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen und zu einem Erholungsort haben soll. Das setzt voraus, dass diese Einrichtungen alle in der Innenstadt zu finden sind. In der Stadt der kurzen Wege gibt es also keine riesigen Einkaufszentren außerhalb der Stadt, die wertvolle grüne Wiesen zupflastern. Die Lebensmittelläden sollen so großflächig über die Stadt verteilt sein, dass man sie zu Fuß erreichen kann. So wird durch den Einkaufsladen um die Ecke nicht nur Flächenversieglung, sondern auch unnötiger Verkehr vermieden, der ja eines unserer Ausgangsprobleme war.

Links zum Weiterlesen

Aktionsideen

Quellen

  • H. Sukopp, R. Wittig 1998: Stadtökologie-Ein Fachbuch für Studium und Praxis, Gustav Fischer