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Der Fluss

Fließgewässermorphologie

Fließgewässermorphologie bezeichnet die Lehre von der Form und damit der Funktion von Fließgewässern.

Flüsse entspringen meist in einer Quelle im Gebirge. Alles Wasser, auch das Regenwasser oder das Schmelzwasser, läuft gemeinsam den Berg hinab und bildet einen Fluss. Im Frühjahr, zur Schneeschmelze, wenn der Pegelstand der Fließgewässer höher ist als gewöhnlich, ist auch die Fließgeschwindigkeit höher. Der Fluss ist dann tiefer und führt ganz einfach mehr Wasser, das sich seinen Weg ins Meer möglichst schnell bahnen will. Auf dem Weg dorthin verändert er also seine Geschwindigkeit (da das Gefälle abnimmt) und auch sein Aussehen (er wird breiter und träger).
Ein Fluss kennt viele Geschwindigkeiten/pixelio.de

Fließgeschwindigkeiten von Flüssen misst man in m/s (Meter pro Sekunde). Der Rhein hat eine Fließgeschwindigkeit von ca. 0,84 m/s im Sommer und ca. 2,8 m/s im Winter. Damit du dir darunter etwas vorstellen kannst: Im Sommer entspricht dies ca. 3 bis 5 km/h (Kilometer pro Stunde), also so schnell wie du ungefähr zu Fuß gehst; im Winter sind es bei Hochwasser ca. 10 km/h, also doppelt so schnell!

Deshalb unterscheidet sich auch schon innerhalb eines einzigen Flusses die Tier- und Pflanzenwelt, je nachdem ob man sich am Oberlauf (also, in der Nähe der Quelle, am „Anfang“ des Flusses) auf einem Berg oder am Unterlauf (ganz weit weg von der Quelle) befindet.

Näheres zum Thema Fließgewässer findest du hier

Oberlauf

Am Oberlauf sprudelt das Wasser und enthält viel Sauerstoff. Die Temperatur ist kühl. Hier lebt die Forelle im ständigen Kampf mit der Strömung, gleichzeitig versuchen sich Insekten mit Saugnäpfen, Krallen und Köchern aus „schweren“ Steinchen vor dem Wegdriften zu schützen. Am Ufer oder auf Felsen mitten in der tosenden Gischt sitzt die Wasseramsel wippend und wartet auf die nächste Gelegenheit, Beute zu machen. Durch die starke Wasserkraft, vor allem während der Schneeschmelze oder wenn viel Regenwasser den Hang hinabstürzt, können sehr große Felsbrocken vom Wasser bewegt werden – der Fluss ist hier richtig „wild“ und bildet einen extremen Lebensraum, in dem sich nur Spezialisten zurecht finden können..

Mittellauf

Zwischen Ober- und Unterlauf eines Flusses liegt der Mittellauf. Das ist der Bereich, in dem das Gefälle und die Strömung schon nachgelassen haben, aber noch immer einen gewissen Einfluss ausüben. Natürlicherweise „schlängelt“ sich der Fluss durch die Landschaft. Das nennt man „mäandrieren“. Bei Hochwasser kommt es zu Überschwemmungen und nicht selten zu einem Richtungswechsel, weshalb neue Kurven im Flussverlauf entstehen und verlassene Altarme zu wertvollen Flussauen werden. Diese sind ganz besonders wertvolle Ökosysteme. An natürlichen Flüssen mit Überschwemmungsgebieten und dicht bewachsenen Ufern fühlen sich auch Biber und Fischotter wohl, zwei Säugetierarten, die bei uns extrem selten geworden sind. Aber auch viele interessante Vögel, wie den Eisvogel, kann man mit etwas Glück entdecken.

Unterlauf

Am Unterlauf eines Flusses verbreitert sich das Flussbett, da kaum noch ein Gefälle besteht. Hier, wo die Strömung gering ist und der Fluss viel breiter als tief, ist der Sauerstoffgehalt gering und die Temperatur des Wassers wesentlich höher als noch im Gebirge. Die Tiere und Pflanzen von dort wirst Du hier nicht mehr finden, sie könnten unter diesen Umständen nicht überleben, obwohl es sich immer noch um den gleichen Fluss handelt. Kurz vor der Mündung ins Meer gibt es auch noch eine Brackwasserzone, in welcher sich das Süßwasser des Flusses mit dem Salzwasser des Meeres vermischt. Auch diese Zone, die zusätzlich von Ebbe und Flut beeinflusst sein kann, ist ein ganz spezieller Lebensraum für besondere Tiere und Pflanzen, zum Beispiel die Fischarten Hecht und Flunder, aber auch die Miesmuschel.

Verdriftung

Verdriftung nennt man das Phänomen, bei dem Pflanzen oder deren Samen sowie Tiere vom Wasser in Fließrichtung abgedriftet und dort wieder angelandet werden, wo die Strömung nachlässt. Das Abdriften in eine Richtung kann aber von vielen Tieren und Pflanzen durch "Tricks" verhindert werden. So halten sich Fische, um der starken Strömung zu entgehen, häufig in Kolken auf. Das sind tiefere, von der Strömung „ausgegrabene“ Stellen hinter einem Hindernis wie zum Beispiel einem Felsen. Außerdem sind viele Fließgewässertierarten ganz schnittig gebaut, damit sie nicht so hohen Wasserwiderstand haben. Viele Insekten wiederum haben ausgeprägte Klammergriffe, wie zum Beispiel die Steinfliegenlarve. Laich und Eier von Insekten sind so klebrig, dass sie unter Steinen haften bleiben oder im Kiesbett verschwinden. Mit Energie oder weiteren "Tricks" können Arten sich aber auch gegen den Strom verbreiten –zum Beispiel, indem viele Wasserlarven als ausgewachsene Insekten fliegen können. Problematisch sind dabei Wehre, die bei Wanderfischen wie dem Lachs das natürliche instinktive Verhalten verhindern und zur Isolation von Populationen führen können.

Dass Wasser eine wichtige Brücke zur Verbreitung von Arten ist, hat bereits Charles Darwin ( in seiner Schrift "Über die Entstehung der Arten") entdeckt:

Wehre können die Population von Lachsen verhindern Foto von Rainer Sturm/pixelio.de
"Es kam mir dabei der Gedanke, dass Hochwasser wohl häufig ausgetrocknete Pflanzen oder deren Zweige mit daran hängenden Samenkapseln oder Früchten in das Meer schwemmen könnten. Ich wurde dadurch veranlasst, von 94 Pflanzenarten die Stengel und Zweige mit reifen Früchten daran zu trocknen und sie auf Meereswasser zu legen. Die Mehrzahl sank schnell unter, doch einige, welche grün nur sehr kurze Zeit an der Oberfläche geblieben waren, hielten sich getrocknet viel länger oben. So sanken z.B. reife Haselnüsse unmittelbar unter, schwammen aber, wenn sie vorher ausgetrocknet waren, 90 Tage lang und keimten dann noch, wenn sie gepflanzt wurden. Eine Spargelpflanze mit reifen Beeren schwamm 23 Tage, nach vorherigem Austrocknen aber 85 Tage, und ihre Samen keimten noch.“

Und noch etwas: Nicht nur die Wasserbewohner nutzen die Flussautobahn. Die Sandbänke größerer Flüsse sind im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für durchziehende Vögel, wenn stehende Gewässer schon zugefroren sind. Und alle, die unsere meist eintönige Nutzlandschaft nicht überfliegen können, bewegen sich entlang unserer Flusssysteme, um neue Biotope zu erreichen und zu besiedeln. Über den Einfluss des Menschen auf die Wasservogelwelt kannst du dich hier näher informieren.

Die wichtige ökologische Dynamik und die Verbundfunktion ist der Hauptgrund, Flüsse nicht zu verbauen oder aufzustauen!

Die Gefahren durch das Aufstauen von Wasser werden explizit in dem Artikel zu Wasserkraft aufgeführt.

Rekorde

Die 5 längsten Flüsse der Welt:

1. Nil (Afrika): 6.671 Km

2. Amazonas (Südamerika): 6.387 Km

3. Jangtse (Asien): 6.380 Km

4. Missouri-Mississippi (Nordamerika): 6.051 Km

5. Jenissei-Angara-Selenga-Ider (Asien): 5.940 Km

Die 5 längsten Flüsse Europas:

1. Wolga: 3.531 Km

2. Donau: 2.888 Km

3. Dnjepr: 2.200 Km

4. Don: 1.870 Km

5. Petschora:1.809 Km

Die 5 längsten Flüsse Deutschlands:

1. Donau: 2.852 Km

2. Rhein: 1.320 Km

3. Elbe: 1.165 Km

4. Oder: 866 Km

5. Mosel: 545 Km

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