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Flüsse in der Stadt - Verbaut, verrohrt, vergraben

Fast überall auf der Welt entstanden die ersten menschlichen Siedlungen an Flüssen. Denn diese lieferten Trinkwasser, leiteten das Abwasser ab, boten Schutz vor Feinden und waren die ersten Transport - und Kommunikationswege. Heute dagegen beachten wir die Flüsse in unseren Städten kaum noch.

Renaturierung!?

Viele deutsche Städte wie Düsseldorf, Mainz, Saarbrücken oder Ilmenau erhielten ihren Namen durch einen Fluss. Inzwischen sind diese Namen aber oft das einzige, was an die Fließgewässer erinnert, denn scheinbar brauchen wir sie in unseren Städten nicht mehr. Immer häufiger geraten sie unter das Pflaster und werden unterirdisch weitergeleitet. Dabei könnte man die Flüsse doch jetzt, wo sie nicht mehr als Abwasserentsorger oder Transportweg genutzt werden, wieder in einen natürlicheren Zustand bringen. Diesen Vorgang nennt man Renaturierung. Viele Bäche und Flüsse haben das bitter nötig, denn sie sind noch immer begradigt, vermüllt, gestaut oder verrohrt.

Hierzu ein kleines Experiment

Stellt euch vor, ihr seid ein Fisch und müsstet eure Freunde in einem anderen Stadtteil besuchen oder zumindest in deren Nähe kommen. Habt ihr mal eine halbe Stunde Zeit, könnt ihr den Weg vom Fließgewässer in eurer Wohnungsnähe bis zum Zielpunkt abgehen. Dass ihr erstmal einen Riesenumweg machen müsst, ist üblich. Aber schaut euch mal die Zahl der Sperrungen, Stauungen und Begradigungen an. Wenn ihr Glück habt, kann es mit der Wanderung flussabwärts klappen. Flussaufwärts dagegen ist ein Wehr von mehr als 20 cm Wasserfallhöhe für viele Fische nicht überquerbar. Wehre, die über einen Meter hoch sind, können selbst von "sportlichen" Fischen wie dem Lachs nicht übersprungen werden.

Flüsse und Hochwassergefahren

Ihr wisst nun, der bauliche, so genannte "morphologische" Zustand vieler Flüsse ist schlecht. Dass ein Fisch nicht hoch und runter wandern kann, könnte uns Menschen im harten Fall egal sein. Aber ein verbauter Fluss ist auch ein gefährlicher Fluss. Normalerweise fließt er monatelang friedlich vor sich hin und transportiert das Wasser ab. Aber dafür braucht der Fluss Platz, am besten eine Auenlandschaft, die er überschwemmen darf. Die meisten Gewässer besitzen solche Flächen nicht mehr. Seit dem 2. Weltkrieg zogen die Menschen immer weiter in die Flussauen und vormalige Überschwemmungszonen, wodurch ein Hochwasser heute viel mehr Schaden anrichtet als früher. Immer häufiger werden Straßen und Häuserkeller überschwemmt. Einige Siedlungsgebiete in Flussauen sind heute schon kaum noch versicherbar, denn die Wahrscheinlichkeit eines Schadens ist viel zu hoch. Mittlerweile sollte jede Stadt sich dreimal überlegen, wo sie noch neue Baugebiete ausweist, denn bei Fehlplanung und mangelnder Aufklärung kommen hohe Schadensersatzforderungen auf sie zu. Ihr seht: Es ist Zeit zu handeln.

Die Europäische Union hat erkannt, dass man Bäche und Flüsse nicht an der Bevölkerung vorbei verbauen oder verplanen kann. Durch eine Richtlinie, die "Europäische Wasser-Rahmen-Richtlinie" (WRRL) (http://www.wrrl-info.de/docs/Leitfaden_Partizipation.pdf), sind ab sofort alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Bürger zu beteiligen. Wer sich das Ganze dann durchliest, braucht starke Nerven und einen langen Atem. Wenn ihr lieber praktisch an die Sache herangehen wollt, könnt ihr konkret etwas für euren Bach um die Ecke tun. Damit helft ihr der Natur und schützt Menschen vor Hochwasser. Macht euch das Ganze sehr viel Spaß, könnt ihr euch immer noch überlegen, vielleicht beim NABU oder bei der NAJU-Ortsgruppe etwas zum Thema WRRL zu machen. In den Aktionsideen findet ihr Vorschläge.

Links zum Weiterlesen

Aktionsideen

Die Inhalte wurden im Rahmen der Kampagne "Die Entsieger" erarbeitet.