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Inhaltsverzeichnis

Fledermäuse

Systematik 
Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Mammalia (Säugetiere)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera) 
Familie: Hufeisennasen (Rhinolophidae); Glattnasen (Vespertilionidae)
Art: Zwergfledermaus; Großer Abendsegler; Braunes Langohr; (Beispiel)


Zoologische Zuordnung

Fledermäuse sind Säugetiere. Sie gehören zur Ordnung der Fledertiere, die sich schon sehr früh in der Entwicklungsgeschichte (vor mindestens 50 Mio. Jahren) herausgebildet hat. Wie alle Säugetiere besitzen sie ein Fell und bringen lebende Junge zur Welt, die mit Milch gesäugt werden. Dass sie dennoch fliegen können, bereitete den Naturforschern früher Kopfzerbrechen bei ihrer Einordnung. Manche hielten sie für ein Mitteltier zwischen Vogel und Maus. Der seltsame Körperbau und die nächtliche Lebensweise der Fledermäuse beschäftigte schon immer die Phantasie der Menschen und führte zu vielen Mythen und Geschichten.


Fledermausarten

Außerhalb Europas existieren Arten, die einer zweiten Unterordnung angehören, die Flug- oder Flederhunde. Diese sind in den Tropen und Subtropen der Alten Welt heimisch. Weltweit gibt es insgesamt über 1000 Fledermausarten, wovon es derzeit 24 in Deutschland bekannte Arten gibt.

Aussehen und Bestimmung

Der Bauplan aller Säugetiere ist ähnlich. Das Skelett des Menschen kann also mit dem einer Fledermaus in gewissem Sinne verglichen werden. Fledermäuse haben sich im Laufe der Evolution an die Bedingungen eines aktiven Fluges angepasst. Das auffällligste an den Fledermäusen sind ihre Flügel. Die von 4 sehr langen Fingern gespannten Häute, werden in Ruhestellung zusammengefaltet und an den Körper angelegt. Die Flughaut ist besonders elastisch und von feinen Muskelfasern, Nerven und Blutgefäßen durchzogen. Außer zwischen den Fingern spannen sich die Flughäute zwischen Armen, Beinen und dem Schwanz. Zum Stützen und Spannen der Schwanzflughaut besitzen viele Arten eine besondere Knochenspange, den Sporn, der von der Ferse ausgeht. Der kurze Daumen bleibt am Ende frei von der Flughaut und trägt ebenso wie die Zehen eine scharfspitzige, gebogene Kralle. Die schweren Körperteile sind bei den Fledermäusen so unter dem Schultergelenk angeordnet, dass der Schwerpunkt unter dem Flügelansatz liegt, was eine stabile Fluglage begünstigt. Der Kopf ist mit einem starken Fanggebiss ausgestattet, mit dem auch größere Beute problemlos im Flug gefangen werden kann. Anders als viele nachtaktive Tiere haben Fledermäuse nicht ihren Seh- sondern ihren Hörsinn an ihre Lebensweise angepasst. Sie orientieren sich mit Hilfe der Echoortung. Bei der Größe der Ohren, des Gewichtes und der Flügelspannweite unterscheiden sich die einzelnen Arten zum Teil stark. Während eine sichere Bestimmung aller Arten selbst für Fachleute schwierig ist, scheidet sie für Laien praktisch aus. Dazu müssen die Tiere genau untersucht und vermessen werden, was aber nur Fachleuten mit behördlicher Genehmigung erlaubt ist.

Lebensraum und Verbreitung

Fledermäuse sind weltweit verbreitet, mit Ausnahme polarer Gebiete und einiger ozeanischer Inseln. Sie sind, stammesgeschichtlich betrachtet, eine äußerst erfolgreicher Säugetierordnung. Grundlage hierfür dürfte ihre Flugfähigkeit gewesen sein und damit die Möglichkeit, unterschiedliche Angebote an Nahrung und Lebensräumen zu nutzen. Solche Anpassungen bezeichnet man als Besetzung ökologischer Nischen. Die Ansprüche unserer heimischen Fledermäuse an ihre Lebensräume sind sehr unterschiedlich. Je nach Art leben sie hauptsächlich in Wäldern, Parkanlagen oder Gärten, aber auch in Städten und Dörfern. Des weiteren benötigen sie sogenannte Quartiere, die das Jahr über wechseln. Beispiele sind Höhlen, Keller, Felsspalten, Bäume oder Dachböden.

Mehr zu den unterschiedlichen Quartieren und dem Jahresverlauf der Fledermaus findet ihr hier >>>.

Grundsätzlich kann man Fledermäuse in gebäude- und baumbewohnende Arten (gilt nur für Sommerquartiere) unterteilen. Die Wasserfledermaus und der Große Abendsegler sind typische baumbewohnende Arten. Zwergfledermaus und die Breitflügelfledermaus sind Vertreter der vorwiegend gebäudebewohnenden Arten. Wichtig ist natürlich für alle Arten, dass sie in ihren Jagdbiotopen ausreichend Nahrung in Form von Insekten vorfinden.

Nahrung

Alle europäischen Fledermausarten sind nachtaktive Insektenfresser. Wie alle kleinen "Hochleistungstiere" haben Fledermäuse einen außerordentlich hohen Nahrungsbedarf. Von einigen Spinnenarten abgesehen, fressen unsere heimischen Fledermäuse nur Insekten. Die Speisekarte der einzelnen Fledermausart ist sehr verschieden. Während Laufkäfer zur Hauptbeute des Mausohrs zählen, bevorzugt das Braune Langohr Falternahrung. Eine Zwergfledermaus verspeist bis zu 1000 Mücken pro Nacht, woran die Bedeutung der Fledermäuse für das ökologische Gleichgewicht, z.B. im Siedlungsbereich, deutlich wird. Die Nahrung wird von Fledermausspezialisten genau erforscht, indem sie Nahrungsreste an Fressplätzen und unverdauliche Chininteile im Fledermauskot bestimmen. Dabei stellt sich heraus, das Insekten nicht nur im Flug, sondern auch sitzend erbeutet werden.

Natürliche Feinde

Die in Deutschland vorkommenden Fledermäuse haben, abgesehen vom Menschen, kaum natürliche Feinde. Beim Ausflug aus den Quartieren kommt es vor, dass Fledermäuse von Eulen oder Greifvögeln erbeutet werden, so zum Beispiel von Waldkauz, Schleiereule, Falke, Habicht oder Sperber. In einigen Fällen verspeisen auch Hauskatzen oder Steinmarder Fledermäuse. Geschwächte oder kranke Tiere kommen auch durch Parasiten wie z.B. Fledermausfliegen zu Tode.


Gefährdung

Unsere heimischen Fledermäuse gehören zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Tierarten und müssen mit fast allen Arten in der Roten Liste gefährdeter Tiere geführt werden. Auf Grund ihrer Ansprüche an Lebensräume, Jagdbiotope und Quartiere sind sie wichtige Zeigerarten für eine gesunde, naturnahe Umwelt. Die Ursachen für die teilweise drastischen Bestandsrückgänge sind vielfältig, aber ausschließlich auf menschliche Einwirkung zurückzuführen: Verödung und Vergiftung der Kulturlandschaft, Verlust geeigneter Quartiere z.B. durch Abriss- und Modernisierungsarbeiten, hermetischer Abschluss von Dachböden und Fassaden, Vergiftung durch Imprägnierung, starke Beunruhigung der Tiere an ihren Schlaf- und Winterplätzen, aber auch gezielte Vernichtung von Fledermäusen.

Schutz

Um wirkungsvolle Schutzkonzepte für Fledermäuse zu entwickeln, bedarf es einer genauen Kenntnis ihrer Lebensgewohnheiten. Da alle heimischen Fledermausarten nach geltendem Naturschutzrecht geschützt sind, bleiben einige Beobachtungs- und Erfassungsmethoden Experten vorbehalten, die von Naturschutzbehörden entsprechende Ausnahmegenehmigungen erhalten haben. Wer sich genauer mit Leben und Schutz der interessanten Flugsäuger beschäftigen möchte, kann sich an eine der vielen Fledermausschutzgruppen von NAJU oder NABU wenden.

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