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Inhaltsverzeichnis

Folgen von Hochwasser

Menschliche Schäden

Hochwasser sind eigentlich natürliche Ereignisse. Aber durch die Begradigung von Flüssen, durch Flächenversiegelung und der Besiedlung von Flussauen und –ufern wird dem Menschen der Wunsch, in der Nähe des Wassers zu wohnen, schnell zum Verhängnis. Personenschäden sind in Deutschland zum Glück selten, da man heute ein Hochwasserereignis besser voraussehen kann. Dennoch sind die ökonomischen Schäden oft enorm...

Hochwasser Foto von Helmut J. Salzer/pixelio.de

Um Schlimmeres zu vermeiden, ist es wichtig, die Anwohner von Flüssen früh genug vor einem möglichen oder bevorstehenden Hochwasserereignis zu warnen, damit sie sich in Sicherheit bringen können. Problematisch ist es vor allen Dingen dann, wenn ein Fluss schneller oder höher über die Ufer tritt als vorgesehen. In den letzten Jahren konnte man beobachten, dass Hochwasser immer heftiger werden und die getroffenen Maßnahmen oder Deiche einfach nicht ausreichten um eine Katastrophe abzuwenden. Denn wenn ein Hochwasser bevorsteht, kann man meist nur das Nötigste retten – das Haus und die Möbel bleiben stehen und werden von tagelangem Hochwasser dauerhaft beschädigt. Der Verlust vom „trauten Heim“ und sämtlichem Hab und Gut ist für die Besitzer eine schreckliche Situation. Viele Betroffene haben noch lange die Bilder im Kopf wie die enormen Kräfte der Natur, die man glaubte, unter Kontrolle zu haben, das eigene zu Hause verwüsten. Besonders Personen, die im Schlaf überrascht wurden und im Kampf um Leben und Tot gerettet werden mussten, sind betroffen.

Wie schon erwähnt, ist eine gute Frühwarnung besonders wichtig. In Deutschland funktioniert das besser als in den meisten Ländern dieser Welt. In ärmeren Gebieten gibt es viel mehr Opfer von Hochwassern, da man dort nicht über die Technik und die Infrastruktur oder Informationssysteme verfügt. Im Fernsehen sind dann die Bilder von Menschen zu sehen, die auf ihren Häusern inmitten der Fluten sitzen und auf Hilfe warten...

Todesopfer

Im Jahr 2002 forderten Hochwasser mehr Todesopfer als jede andere Naturkatastrophe (42% von insgesamt mehr als 10.500 Opfern). Zum Vergleich hatten Stürme einen Anteil von 15%, Erdbeben/Vulkane 25% und sonstige 18%. In 2002 kamen vom 4.-13.8. bei Überschwemmungen und Unwettern 193, vom 12.-20.8. 37 und im Septemberhochwasser im Rhonetal und Umgebung 23 Menschen um. Das mag bereits viel sein, jedoch kamen z.B. auf dem indischen Subkontinent bei Überschwemmungen, Schlammlawinen und Unwettern etwa 1200 Menschen (Schätzwert) um. (Quelle: MunichRe)

Sonstige Opfer: "Betroffene und Geschädigte"- wer ist das?

Über die Zahl der Betroffenen kann man nur schwer Aussagen machen. Denn wer ist "betroffen"? Der- oder diejenige, dessen Haus unter Wasser steht? Der- oder diejenige, der verletzt wurde? Der- oder diejenige, der durch die Flut seiner Arbeit nicht nachgehen kann?

Konkretes Beispiel sei das "Weihnachtshochwasser" in Köln 1993. Hier wurden zunächst mehr als 4500 Haushalte direkt überflutet, aber es kamen noch einmal 9000 hinzu, die durch Grundwasserdruck beschädigt wurden.

Die Schwierigkeiten dieser Frage zeigen, dass Hochwasserprävention nicht nur mit der Vorsorge vor materiellen oder direkt meßbaren Schäden zu tun hat. Man stelle sich vor, dass seine Wohnung - geschützer Privatraum- wie nach einem Einbruch völlig verwüstet wird. Diese Fundamentalerfahrung bringt bei einigen Menschen psychische Spätfolgen mit sich, die keine Statistik messen kann.

Hochwasseropfer - ein Blick auf andere Kontinente

Ein Blick auf die Opfer von Hochwassern und durch Hochwasser ausgelöste Folgeprobleme (vor allem Seuchen, Hungerkatastrophen und Trinkwassermangel) im indischen Subkontinent verdeutlicht, wie die Größenordnungen weltweit sind und dass die europäischen Opfer der Zahl nach nicht der Rede wert sind. Im indischen Subkontinent existiert faktisch kein ausreichendes Hochwasser-Warnsystem und keinerlei Baupolitik. Allerdings liegt v.a. in Bangladesh die Problematik auch in geologischen Besonderheiten. So z.B. darin, dass durch über große Flächen das Niveau praktisch auf Meereshöhe liegt. Sowohl durch tropische Winde vom Meer als auch durch die Flüsse (gespeist aus dem Himalya-Schmelzwasser und dem Monsunregen) kommt hier doppelte Gefahr. Als Entwicklungsland fehlt außerdem jegliche Infrastruktur zum aktiven Hochwasser-Managment bzw. zum Katastrophenschutz. Klar ist: Sollten sich die Klimaerwärmungs-Thesen und die vermuteten Anstiege des Meeresspiegels bewahrheiten, so werden hier noch höhere Opferzahlen zu beklagen sein. Wie ein UN-Bericht aus 2004 zeigt: Naturkatastrophen treffen vor allem Arme.

Krankheiten

Früher

Noch zur Zeit des ersten Weltkriegs gab es Sumpffieber in den deutschen Feuchtgebieten, es gab Meldungen über Cholerafälle an der (damals noch unkanalisierten) Ruhr und Emscher. In der Linth-Ebene (in der Schweiz) grassierte Tuberkulose, Sumpffieber und Malaria, noch vor wenigen Jahrezehnten galt die Po-Ebene noch als Malaria-Gebiet.

Ein wichtiger Grund für den Flussausbau war es daher auch, dass man die Abwasser führenden Flüsse möglichst in Bewegung hielt. Etwa um die Jahrhundertwende (des 20. Jahrhunderts) wurde der Zusammenhang zwischen Infektionen und verschmutztem Wasser entdeckt und zunächst mit Hilfe von Kanalisierung bekämpft. Später erkannte man, dass die Ursache bekämpft werden musste - die Einleitung ungeklärter Abwässer.

Im Hochwasserfall 1962 bestand durch Tier- und Menschenleichen akute Infektionsgefahr.

Heute

Es besteht grundsätzlich auch heute dann eine Infektionsgefahr, wenn durch Hochwasser Klärbecken oder Abwasser führende Behälter und Leitungen überschwemmt werden. Mittlerweile scheint es nicht wahrscheinlich, dass sich Krankheiten wie die Cholera nach Überschwemmungen ausbreiten würden, da viele Erreger schlicht ausgestorben sind.

Eine "Allerweltsbakterie" ist da schon gefährlicher: In jedem stehenden Gewässer können sich die Coli-Bakterien vermehren, weltweit Auslöser Nr. 1 für Magen-Darm-Infektionen. Sie sind faktisch überall zu finden- besonders häufig bei fäkalen Verunreinigungen. Insbesondere bei hoher Wassertemperatur kann es daher bei Kontakt mit Wasser (egal woher) zu Magen-Darm-Problemen kommen. Außerdem kommen noch Salmonellen und andere Fäkalkeime als Erreger für Magen-Darm-Probleme in Betracht, wobei diese Gefahr auch z.B. bei belasteten Badeseen besteht.

Eine Hepatitis-A-Immunisierung ist für Hochwasser-Helfer meist vorgeschrieben oder zumindest empfohlen (lt. Hinweis des Landes Brandenburg). Hepatitis A wird (im Gegensatz zu den anderen Hepatitis-Formen) vor allem durch verunreinigtes Wasser (auch in/an Lebensmitteln) verursacht.

Wichtig neben der bakteriologische Erkrankung ist auch der Schutz vor Chemikalien, die aus Privathaushalten oder Industrieanlagen fahrlässigerweise ins Flusswasser gelangen. Gefahren-Meldungen sind dann von den Behörden herausgegeben, wenn die Lagerung & Überschwemmung bekannt wurde oder aufgrund von Notfallplänen angenommen wird. Bei Verursachern in Privathaushalten ist dies oft nicht der Fall, weil diese die Gefahr nicht erkennen/melden.

Großer Einfluss hat bei der Einschätzung der faktischen Gefahr durch biologische oder chemische Verunreinigungen auch der Verdünnungsfaktor, also die Mischung mit Wasser. Mittelbar ist also stehendes Wasser grundsätzlich problematischer, weil dort Vermischungen langsamer geschehen. Liegt der Verursacher im eigenen Haus oder direkt vor einem (in Fließrichtung) können auch kleine Verunreinigungen lokal gefährlich sein. Handschuhe, Desinfektionsmittel, die Meidung verseuchter Gegenstände (v.a. von Kadavern) und die Benutzung sauberen Trinkwassers können Risiken minimieren. Jeder, der allerdings im Hochwassergebiet war, weiß, dass diese sinnvollen Schutzmaßnahmen häufig nicht eingesetzt werden (können). Oft ist der Keimdruck durch das Abfließen/Versickern des Wassers nach einiger Zeit größer, da mehr Keime pro Liter vorhanden sind.


Finanzielle Schäden

Hochwasser betrifft auch den Geldbeutel.

In der Berechnung der Schäden durch die Flutkatastrophe 2002 gehen die Schätzungen seriöser Quellen von 13 Milliarden bzw. 9,2 Milliarden (europaweit bzw. deutschlandweit /Münchener Rückversicherung), 9,1 Milliarden (offizielle Zahl der Bundesregierung) bis 25 Milliarden Euro (Bundesanstaltfür Gewässerkunde). Das heißt, dass das Hochwasser im Jahr 2002 Schäden in Höhe von schätzungsweise 13 Milliarden Euro verursachte. Und nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen war durch entsprechende Versicherungen abgedeckt, so dass sie Geld von so genannten „Rück-Versicherungen“ bekamen. Die meisten Menschen standen also vor dem Nichts und waren auf Spenden und Gelder von der Regierung angewiesen. Auch die Sanierung von Straßen und öffentlichen Gebäuden verschlang eine Menge Steuergelder. Aufgrund der steigenden Häufigkeit und der damit verbundenen immensen Kosten haben Politik und Versicherungen vorgesorgt – aber nur für sich. Wer von Hochwasser betroffen ist, und vor dem Ruin steht, hat in Zukunft schlechte Chancen, Geld zu bekommen, und jeder, der jetzt noch in der Nähe eines Flusses baut, muss das auf eigenes Risiko tun.

Tatsächlich wurde die für 2003 geplante Steuersenkung (Stufe der Steuerreform) von der Bundesregierung als Reaktion auf die Flut verschoben, so dass dieses kleine Gedanken-Spielchen durchaus ernster genommen werden kann, als es erscheint. Es wurde durch die Bundesregierung aufgrund der Flutkatastrophe eine erhöhte Steuerbelastung für jeden Bürger durchgesetzt. Diese Gelder flossen allerdings nicht unbedingt in präventiven Hochwasser- und/oder Auenschutz, sondern waren reine Nachsorgeschäden/Entschädigungsleistungen zur ungefähren Wiederherstellung des alten Standes. Die Versicherungsleistungen sind bei den betroffenen Ländern unterschiedlich hoch und damit auch die Chance, Geld jenseits staatlicher Leistungen zu bekommen.

Fazit: Anstatt sich aus der Verantwortung zurückzuziehen, sollten sich Politik und Bürger dafür einsetzen, dem Fluss seine natürlichen „Hochwasserbremsen“, nämlich Retentionsflächen und grüne Flussauen, zurückzugeben. Das wäre gut für die Natur, und die Menschen könnten wieder in Ruhe und Harmonie in Flussnähe leben...

Versicherung

Hochwasser gehören zu den sog. "Elementarschäden", zu denen auch Sturm, Blitzschlag oder Erdbeben und Vulkanausbrüche gehören.

Was man so allgemein als "Wasserschaden" zu kennen glaubt, teilt sich in verschiedene Untergruppen auf z.B. in "echte" Hochwasser durch Gewässerüberlauf, "Oberflächenwasser-Stau" nach einem Regenguß, den klassischen "Wasserleitungsbruch" z.B. an der Waschmaschine(kein Elementarschaden im eigentlichen Sinn und daher ggf. in der Hausrat/Gebäude-Versicherung enthalten), einen Wasserleitungsbruch auf der Straße vor dem Einspeisepunkt ins Hausnetz (kein Elementarschaden im eigentlichen Sinn)und andere Spezialfälle

Wer zahlt? Zunächst muss mit einem Vorurteil aufgeräumt werden: die Landes- oder Bundesregierung bzw. der Staat haftet keinesfalls automatisch für Schäden durch solche Ereignisse - es sei denn es sind fahrlässige Fehler in der Ausweisung von Baugebieten etc. gemacht worden. In der Regel gibt es also kein Anrecht auf Entschädigung- im Hochwassergebiet zu wohnen ist somit volles privates Risiko.

Die Bundesregierung hat 2004 ein (für die Allgemeinheit begrüßenswertes) neues Hochwasserschutzgesetz (siehe externer Link: http://www.bmu.de/files/artikelgesetz_hochwasserschutz.pdf) entworfen, das diese Entwicklung noch verstärkt. Der Staat wird sich in Zukunft völlig aus dem Bereich Entschädigung herausziehen, weil es einfach nicht mehr finanzierbar ist, die Schäden von wenigen Hochwasseropfern zu finanzieren, die fahrlässig in Flussniederungen hinein bauen. Entschädigungen werden dann aufgrund von politischem Druck aus Kulanz gezahlt. Das gilt sowohl für die Direktschäden als auch für die Nachfolgeschäden (z.B. geminderter Verkaufspreis der Immobilie). Kein Wunder, dass im Katastrophenfall nur ein Bruchteil der Schäden versichert wird.

In der Regel werden Naturkatastrophen und einige der o.g. Schadentypen auch nicht über die Standart-Hausratsversicherung bzw. andere "Normalverbraucher-Versicherungen" abgedeckt. Selbst wenn über Wasserschäden etwas im Text steht, heisst das nicht automatisch, dass man beim Wasser im Keller wegen Bachhochwasser Entschädigungen sieht. Es könnten z.B. nur Schäden durch geplatze Wasserschläuche an der Waschmaschine oder eine geplatze Wasserleitung versichert sein. Also muss jeder seinen Versicherungstext so formulieren, dass besondere Risiken auch schriftlich genannt werden. Vorsicht: Der Öltank, der im Fall von Hochwasser oft aufschwemmt und bricht und dessen Schäden meist vielfach höher ist als ein einfacher Wasserschaden (durch das Öl nämlich) gilt nicht als "Leitung" und ist in Standardversicherungen meist nicht inbegriffen. Wer einen Öltank hat, sollte dafür sorgen, dass er auf keinen Fall platzt und die ganze Nachbarschaft verseucht.

Tipp: Alle Versicherungstexte müssen auch dahin gelesen werden, was NICHT versichert wird, nicht nur, was versichert wird! Im Grunde gilt: Ist etwas nicht aufgeführt, so ist es meist auch nicht versichert. Und: In traditionellen Überflutungsgebieten* gibt es de facto kaum Versicherer, die Risiken durch Hochwasser absichern - und wenn dann nur mit hohen Kosten.

Somit ist eine gründliche Vorbereitung und Aufklärung sowie der Verzicht auf Bauen in Flussgebieten (trotz ggf. niedriger Preise) die beste Möglichkeit, Schäden zu verhindern oder zu minimieren.

Es kann hier nicht pauschal und gleichzeitig verbindlich über die Frage diskutiert/beraten werden, wann bzw. ob eine Zusatzversicherung gegen Hochwasserschäden nötig oder als "Überversicherung" gilt.

Was tun bei einem Schadensfall mit Hochwasser: Bei einem Hochwasser-Schaden muss in der Regel zeitnah und ausführlich informiert und dokumentiert werden, sonst "versandet" der Anspruch auf Versicherungsleistungen und/oder öffentliche Entschädigung.

Gründe für die Schäden

Wieso gibt es bei Hochwassern so hohe Schäden?

Überschwemmungen (also auch maritime Überschwemmungen) brachten es 2001 weltweit auf die höchste Zahl von Todesopfern (4.400) und mit ca. 28 Milliarden Euro die Häfte der Schadenssumme durch Naturkatastrophen (Quelle: Münchener Rück). Damit stehen Hochwasser an der Spitze aller Naturkatastrophen - weil der Mensch nicht darauf eingerichtet ist. Es gibt viele Ursachen, warum Hochwasser so teuer sind.

Falsche Politik auf kommunaler und Länderebene

Bisher verkauften und verkaufen Kommunen aufgrund ständiger finanzieller `Klammheit´ ihre gefährdeten Grundstücke in den Auen. Auch Wirtschaftsbetriebe expandieren in die meist noch unbebauten Auen. Bei Privatleuten steht der verständliche Wunsch, mit Blick auf das Wasser zu wohnen, der potenziellen Gefahr von Überschwemmung entgegen.

Seit Jahren weisen Kommunen Bauland aus, das auch in den Bereichen liegt, die früher gemieden wurde. Kein Wunder: Früher wussten die Leute von den Eltern und Großeltern, wo wann eine Überschwemmung war. Heute ist die Fluktuation und der Siedlungsdruck erheblich gewachsen. Kommunen sind hochverschuldet - daher sind Angebote in Flussniederungen keine Seltenheit. Mit Hochwasser rechnen die Käufer nicht - auch nicht finanziell.

3 unangenehme Fakten:

  • Im Schadensfall zahlt weder die Kommune, noch die Standard-Versicherung noch das Land automatisch für Schäden. Es besteht keinerlei Anrecht auf staatliche Entschädigungen!
  • Hochwasserschäden sind prinzipiell zunächst der Schaden des Eigentümers!
  • Sollte nach einem Hochwasser das Baugebiet als "hochwassergefährdetes Gebiet" (im Sinne des § 31b Abs. 2 Satz 1 des Wasserhaushaltsgesetzes) neu ausgewiesen, wird der de-facto Wert (Marktwert) einer Immobilie bzw. eines Grundstücks sehr wahrscheinlich gemindert.

Eine Versicherung ist auch nicht immer günstig und belastet von vorneherein das Budget sowohl beim Bau wie auch später. Bevor man sich also für ein Bauen am Fluss entscheidet, sprechen Sie nicht nur mit der (zunächst am Verkauf interessierten) Kommune bzw. Immobiliengesellschaft, sondern auch mit älteren Bewohnern. Auch gut: Ab ins Stadtarchiv und etwas selber recherchieren. Es bringt hin und wieder auch Verkaufsleiter ins Schwitzen, wenn z.B. der Fluss, an dem Sie wohnen wollen, schon häufig überschwemmt wird und sie das beweisen können.

Die beste Möglichkeit: Halten Sie sich von den auf den ersten Blick attraktiven aber risikoreichen Auniederungen fern und bauen Sie lieber woanders. Auch hochwasserangepasste Architektur hilft nicht gegen große Hochwasserkatastrophen. Sonst könnte bald so aussehen, was lange Zeit als privilegierte Lage am Fluss galt:


Fehlende Einstellung und "Erinnerungskultur" zu Hochwassern bei den Betroffenen

Wer in einer Flussaue ein Einfamilienhaus baut, hat oft keine Erfahrungen mit Hochwassern. Daher werden Keller ausgebaut, teure Geräte und Wertsachen vornehmlich im unteren Stockwerk oder auch im Keller gelagert, Hausanschlüsse wie üblich im Keller angebracht. Insbesondere die Waschmaschine ist traditionelles Kellergut und mittlerweile praktisch in jedem Kellergeschoß zu finden. Die meisten Deutschen haben im Erdgeschoß weitere "Schätze", Computer, Telefonanlage, Spülmaschine.... Neben dieser konkreten Information fehlt eine "Erinnerungskultur". Eine Generationen übergreifende Weitergabe von Erinnerung an- und damit Bewusstsein von Hochwasserereignissen fehlt oft. Nach vielleicht zehn Jahren kommt das Hochwasser dann und trifft die Hausbesitzer völlig unvorbereitet. Kaum ist der Schaden behoben, ist es auch schon wieder verdrängt oder vergessen. Das Haus wird vielleicht nach 12 Jahren verkauft und niemand möchte beim Verkauf natürlich darauf hinweisen, dass die Gefahr besteht, in einem Hochwasser unterzugehen. Dann steht der neue Besitzer irgendwann unvorbereitet im Wasser....es beginnt von vorne. Selbst Kommunen und ihre Sachbearbeiter haben oft keine Erinnerungskultur an alte Hochwasser. Die einzigen, die aus guten Gründen eine fundierte Risikoanalyse machen, sind die Versicherungen (v.a. die Rückversicherer) und hier und dort Bürgeriniativen.

Fehlende Versicherung

Eine Hochwassergefahr besteht oft nicht konkret - auch außerhalb von traditionellen Gefahrgebieten kommt es aber zu Mini-Wasser-Schäden. Egal ob von Oberflächenwasser oder von übertretenden Kleingewässern - Versicherungen werden oft nicht abgeschlossen und dennoch nicht privat vorgesorgt, um Schäden zu minimieren. Versicherungen schließen auf der anderen Seite für bestimmte Gebiete ihrerseits schon gar keine Policen mehr ab, weil das Risiko zu hoch ist (z.B. in einigen Kölner Stadtteilen oder an der Mosel). An einigen Stellen wird es also immer wieder Hochwasserschäden geben, die aus diesen beiden Gründen unversichert sein werden. Grade daher werden die Hochwasser auch teurer, wenn sie vermehrt auftreten. Wie teuer solche Ereignisse wirklich sind, ist schwer abzumessen, denn aufgrund der fehlenden Versicherungsleistungen hat man kaum angemessene Bewertungszahlen für die tatsächlichen Schäden. Die ausgefallenen Arbeitsstunden im Beruf, die zusätzlichen Transport- und Reinigungskosten und die meisten längerfristigen Folgekosten (erhöhter Heizbedarf, Spätfolgen) sind oft nicht eingerechnet.

Man muss allerdings auch sagen: Schäden werden Naturkatastrophen immer hervorbringen, selbst wenn die oben genannten Punkte beachtet werden würden.

Die Frage ist nur, ob wir nur von einem Hochwasser zum nächsten denken oder uns eine Politik der Prävention leisten, die ökologisch verträglich und im Sinne des Schutzes sinnvoll und nachhaltig ist.

Die "Psychologische Waage"

Zur Psychologie der öffentlichen Wahrnehmung

Wenn wir uns anschauen, wie Hochwasserereignisse in der Öffentlichkeit und Politik generell ablaufen, erkennen wir eine ungleiches Verhältnis, wir haben es als "Psychologische Waage" aufgezeichnet.

Hochwasser Ereignisse sind kurz und heftig . Das macht sie interessant für die Öffentlichkeit und die Medien - allerdings nur für den Moment. Jedes größere Ereignis wird als "Katastrophe" eingeschätzt, es läuft eine Routine professioneller Helfer ab. Spätestens nach einige Tagen rücken Rettungskräfte oder sogar die Bundeswehr an, dann fließen tröstende Politkerworte von den prominenten Tagestouristen (aller politischen Parteien) und Ausgleichzahlungen (meist kaum mehr als Trostpflaster) und bei großen Ereignissen auch Spendengelder. Nachdem das Wasser weggekehrt wurde, ist das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit weitgehend erlahmt. Nur direkt Betroffene interessieren sich noch - meist hauptsächlich für das versprochene Geld. Es herrscht ein hoher Zeitdruck, meist wird baulich versucht, den alten Status quo wiederherzustellen statt langfristige Lösungen anzustreben. Nach einem halben Jahr sind dann die meisten Schäden behoben oder finanziell abgegolten, die entschädigt werden können. Die Öffentlichkeit wird das Ereignis meist kaum noch erinnern. Selbst viele Betroffenen verdrängen das Ereignis - es wird vielleicht in einem staubigen Archiv unter müder Statistik abgeheftet. Die meisten Betroffenen denken nicht ans wegziehen -aus verständlichen Gründen. Das Geld ist meist in die Wiederherstellung des alten Standes geflossen, ob nun offiziell (Deich wird geflickt) oder privat (Keller wird wieder eingeräumt). Nur noch "Experten" und Politiker verhandeln über Retentionsflächen - ohne Öffentlichkeit, meist jahrelang. Wenn nicht gezielt die häufig betroffenen Regionen (also Städte) durch Wiederanbindung alter Flussüberschwemmungsflächen entlastet werden, dreht sich auch mit noch höherem Deich alles wieder genauso. Wenn der Fluss wieder kommt - und das kann Jahrzehnte aber auch nur Monate dauern.

Positive Aspekte

Hochwasser kostet Menschenleben und richtet von allen Naturereignissen in Europa den größten Schaden an. Das ist ein Fakt, den viele kennen. Hochwasser ist aber nicht gleich Katastrophe, sondern wird zu ihr gemacht. In der traditionellen Landwirtschaft (vor Einführung des chemikalischen Düngens) war das Frühjahrshochwasser auf den Wiesen ausdrücklich erwünscht, weil es mit seinen mitgeführten Schwebstoffen den Boden (auf den Wiesen) auf natürliche Art düngt.

Grade der Düngeeffekt ist schon in den frühen Hochkulturen - also am Euphrat und Tigris und am Nil - genutzt worden. Somit bestimmten Flüsse in den Hochkulturen die gesamte Entwicklung, die Politik und die Kultur. Eine der frühen Hochkulturen, die uns die Schrift vermachte wurde nach ihren Flüssen Dreistromland genannt (heute im Irak/Nahost).

Auch bei den Mühlen war viel Wasser durchaus erwünscht. Wassermühlen waren vor allem in der niederschlagsarmen Zeit des Sommers oft kaum ausgelastet. Auch die traditionellen alten Schiffer und Flößer wollten lieber etwas zu viel als zu wenig Wasser. Doch gibt es auch Fälle, in denen Hochwasser Mühlen oder Hafenanlagen beschädigte.

Flößerei: Auch heute wird in Bergregionen bei massivem Unwetter und Regen an den Flüssen mit einer Art großem Drillingshaken und daran befestigter Schnur Holz und Bäume aus dem Fluss gezogen. Hier übernimmt das Wasser das Fällen und den Transport der Stämme, die durch es entwurzelt und/oder weggeschwemmt wurden.

Aktionsideen

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