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Grünschneisen – damit der Wind für die Stadt günstig steht!

Ihr wisst sicher, dass es in der Stadt stets wärmer ist als im Umland und dass die Luftzirkulation in der bebauten Fläche schlecht ist. Oft hört man, dass Grünschneisen dieses Problem verringern. Wir wollen euch nun erklären, was es damit auf sich hat.

In der Stadt gibt es viele hohe Gebäude, die dicht beieinander stehen. Der Wind kann nicht einfach, wie auf dem Land, über diese Fläche wehen. Er wird gezwungen, an den Häuserfronten aufzusteigen und über die Bebauung hinweg zu wehen. Zusätzlich wird die Luft durch die rauen Betonflächen abgebremst. Diese Faktoren führen dazu, dass die Windgeschwindigkeiten in der Stadt um 10 bis 20% geringer sind als im Umland.

In manchen Ecken zieht’s gewaltig

Auch sehr windige Ecken sind in der Stadt keine Seltenheit. Denn wenn die Luftmassen über und um ein hohes Haus strömen, bilden sich in den benachbarten Straßen Wirbel und Ausgleichsströme, die große Geschwindigkeiten erreichen können. Der Wind, der durch die Stadt weht, wird außerdem gezwungen, sich den Straßen anzupassen. Während sich die Luftteilchen auf offenem Gelände noch beliebig verteilen konnten, werden sie nun in sehr großer Anzahl und hoher Geschwindigkeit durch eine enge Straßenschlucht gedrückt. Dadurch entsteht der bekannte „Kanalisationseffekt“.

Luftnachschub aus dem Umland

Weil sich die Stadt stark erwärmt, entstehen besonders nachts hohe Temperaturunterschiede zum Umland. Durch diese Differenz bildet sich ein Wind, der von der Flur in das bebaute Gebiet hineinweht. Diese Flurwinde spielen für die Stadt eine ganz wichtige Rolle, denn sie bringen Frischluft ins Stadtzentrum.

„Lieferbahnen“ mit guter Luftqualität gefragt

Bei der Planung oder weiteren Bebauungen einer Stadt muss daher auch die Frage gestellt werden, woher die Luft kommt, mit der die Menschen versorgt werden. Es macht natürlich wenig Sinn, wenn dabei eine Schneise in Richtung Autobahn entsteht. Sehr gute Leitbahnen sind dagegen Gewässer, Grünflächen und Parkanlagen. Dort werden die Schadstoffe aus der Luft gefiltert. Sie tragen somit auch zur Verbesserung der Luftqualität bei. Außerdem senken die mit Bäumen bepflanzten Areale die hohen Temperaturen: der größte Teil der Strahlung wird bereits vom Kronendach und im Stammraum absorbiert und die Blätter werfen Schatten. Dadurch kann sich der Boden nicht so stark erhitzen und die heiße Stadtluft wird etwas abgekühlt.

Zirkulation durch grüne Inseln

Da die Grünflächen eine niedrigere Temperatur aufweisen als die umgebende Bebauung, kommt es zwischen diesen zu einem Luftaustausch. Ist der Park von einer geschlossenen, hohen Häuserfront umgeben, zeigt sich die Wirkung nur in unmittelbarer Nähe des Parks. Dies nennt man „Oaseneffekt“. Treffen sich an der Grünfläche jedoch mehrere Straßen, so kann die Luft tief in das bebaute Gebiet eindringen. Je größer die bewachsene Fläche, desto weiter ist die Reichweite des von ihr ausgehenden Windes.

Links zum Weiterlesen

Quellen

  • Sukopp, H. und Wittig, R. (Hrsg.) (1998): Stadtökologie – Ein Fachbuch für Studium und Praxis. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart.
  • NABU (Hrsg.) (1996): Lebensraum Stadt. Stadler und Stetter GmbH & Co., Ludwigsburg.


(Jessica Franzen)