Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Graureiher, lat.: Ardea cinerea

der Graureiher Foto von Ralf Meilen/pixelio.de
Dem Graureiher wurde im Laufe der Jahrhunderte einiges aus der Welt der Sagen und Legenden zugeschrieben. Es hieß unter Seeleuten, der Graureiher könne einen Sturm und seine Richtung genau voraus ahnen. In Mecklenburg sagte man ihm nach, zum Krieg aufgerufen zu haben.

Aussehen

Der Graureiher (Ardea cinerea), auch bekannt als Fischreiher, gehört wie der Storch zur Ordnung der Schreitvögel (Ciconiiformes). Typisch für diese Vogelart ist ein langer, meist gerader, dolchartiger Schnabel, der scharfe Kanten zum Festhalten schlüpfriger Beute besitzt. Der Graureiher erreicht mit seinen bis zu 80cm Körperhöhe fast Storchengröße und verfügt über einen langen Hals, den er im Flug s-förmig trägt. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Storch.

Tipps zur Beobachtung: Wer einen Graureiher in seinem natürlichen Umfeld beobachten möchte, macht sich am besten in den Abend- oder Morgenstunden auf die Suche. Zu diesen Zeiten kann man den Vogel beim Fischen an Wiesenbächen, flachen Seeufern oder Fischteichen beobachten. Tagsüber ist das elegante Tier häufig an ungestörten Stauseebuchten oder Altbaumgruppen zu sehen.

Lebensraum

Der Graureiher ist perfekt an das Leben in Flussauen oder auch in der Nähe von Seen angepasst. So gehören zum Lebensraum des Graureihers Flusstäler mit Nebenbächen, locker bewaldete Tümpel, Seen- und Weihergebiete. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt an den Tieflandflüssen der milderen Regionen Europas und Asiens, sowie im gesamten afrikanischen Raum (mit Ausnahme der Wüsten, Steppen und Tundren). In Deutschland sind die Graureiher zumeist Standvögel, das heißt, sie bleiben auch im Winter in ihrem Brutgebiet. Sie können aber auch den Standort wechseln oder bei extrem kalten Temperaturen in wärmere Regionen fliegen.

Fortpflanzung

Graureiher nisten in Kolonien auf hohen, oft in der Nähe des Wassers stehenden Altbäumen und ziehen etwa zwei bis drei Junge groß.

Abflug! Foto von Georg Haberecht/pixelio.de

Vorkommen

Auch außerhalb der Brutzeit versammeln sich Graureiher in bestimmten Schlafbäumen, obwohl sie den Tag über eher alleine jagen. Oft in enger Nachbarschaft mit Kormoranen, kann eine solche Kolonie mehrere dutzend Nester umfassen und ist eigentlich sehr auffällig: Nicht nur, dass die krächzenden Rufe der Reiher kaum zu überhören sind, anhand der weißlichen Kotspuren kann man sehr bald erkennen, wo sich Reiher länger aufgehalten haben.

Ihre Horste bauen die Graureiher in den Wipfeln hoher Bäume. Die Nester bestehen aus Reisig und sind nicht sehr stabil gebaut. Fehlen geeignete Horstbäume, brüten die Tiere auch in Schilf oder niedrigen Büschen. Heute besiedeln die Graureiher teilweise sogar städtische Gebiete.

Ernährung

Der umgangssprachliche Name „Fischreiher“ leitet sich von der Hauptnahrung, dem Fisch, ab. Bereichert wird sein Speiseplan durch Mäuse, Molche, Maulwürfe, Schlangen, Frösche, Wasserratten, Insekten und Weichtiere.

Daher kann man sie hin und wieder auf Wiesen und Feldern bei der Ansitzjagd auf Mäuse beobachten. In der Dämmerung oder auch kurz nach Sonnenuntergang findet man den Graureiher an Gewässern bei der Fischjagd vor. Der Graureiher jagt überwiegend in flacheren Gewässern, wo er regungslos im Wasser steht. Sobald ein Fisch in Reichweite kommt, sticht er blitzartig zu.

Feinde

Während in den letzten Jahrhunderten noch über 1.000 Brutpaare eine Kolonie bildeten, bezeichnet man heutzutage den Zusammenschluss von 100 Reiherpaaren bereits als groß. Diese Kolonien siedeln sich in nahrungsreichen Gebieten wie Flusstälern und Küstenstrichen an. Im Mittelalter gehörte der Graureiher der „Hohen Jagd“ an. Das heißt, es war ein Privileg des Adels, diese schönen Tiere zu jagen. Deshalb waren die Graureiher und ihre Kolonien durch strenge Gesetze geschützt. Im 19.Jahrhundert änderte sich die Einstellung gegenüber dem Graureiher und er wurde als Fischereischädling verfolgt.

Links zum Weiterlesen

Quellen

  • http://www.hochwasser-special.de/leben_am_fluss/wasservoegel.htm
  • Utschick, H. (1992): Der Graureiher Eine diebische Schönheit zwischen Wissenschaft und Praxis, Petri Verlag
  • Schulze, A. (1986): Vogelschutz für jedermann, Ehrenwirth Verlag
  • Haas, D., Havelka, P., Mittmann, H.-W. (1998): Beiheft 11 Neusiedler in menschlichen Siedlungen: Wasservögel auf städtischen Gewässern, Carolinea