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Inhaltsverzeichnis

Die Hecke in der Kulturlandschaft

Merkmale

Dichte Aneinanderreihung von Sträuchern. Ältere Bezeichnungen für Hecke sind Hag oder Hagen. Eine auf einem Wall stehende Hecke wird Wallhecke genannt, eine mit einzlnen Bäumen (Überhälter) durchsetzte heißt Baumhecke. Eine Hecke kann sich, wenn keine Sträucher nachgepflanzt werden, zu einer Baumreihe entwickeln.

Kulturgeschichte

Unsere heutige Kulturlandschaft ist das Ergebnis einer jahrtausendelangen Tätigkeit des Menschen in seiner Umwelt. Die gemeinschaftlich bewirtschafteten Äcker wurden seit dem Mittelalter gegen das frei weidende Vieh geschützt. Eine ihrer wichtigsten historischen Funktionen war, Wild und weidendes Vieh von Äckern, Gärten oder Aufforstungen fern zu halten. Hecken sind also lebende Zäune,sie schon vor Jahrhunderten zur Abgrenzung von Parzellen dienten. Die im Spätmittelalter einsetzende Holzverknappung förderte die Heckenanlage gegenüber dem Zaunbau auch zur Gewinnung von Nutzholz. Die Anlage von Hecken statt Zäunen schonte damit den knappen Wald. In Folge von Viehverbiss unbewehrter Straucharten oder durch gezielte Anpflanzungen bewährter Straucharten zu Verteidiungszwecken (Landwehr) konnten Hecken überwiegend aus Weißdorn, Schlehe, Berberitze, oder Heckenrose bestehen. Hecken können weitere Funktionen haben, sie wurden z.B. als Windschutz gepflanzt (z.B. an Äckern zum Schutz gegen Erosion, siehe Unterkapitel 'Winderosion', oder an Wegen gegen Schneeverwehungen) oder in Flussauen, um bei Hochwasser fruchtbare Sedimete auszufiltern. In barocken Parkanlagen fanden u.a.regelmäßig Hainbuchen- und Buchsbaumhecken Verwendung. Hecken sind, damit sie dicht wachsen, auf Pflege durchregelmäßigen Gehölzschnitt angewiesen, weshalb sie nur Laubgehölze und Eiben, nicht jedoch die anderen Nadelholzarten als Heckenpflanzen eignen. Das Schnittgut diente früher als Brennholz.

Vorkommen und Verbreitung

Viele historische Hecken sind den Flurbereinigungen des 20.Jh. zum Opfer gefallen, bei denen Flächen zusammengelegt und Hecken als Hindernis großer Landmaschinen gerodet wurden. Daher sind viel historische Hecken und Heckensysteme nur noch unvollständig erhalten. Insbesondere in Geestlandschaften sind sie aber immer noch typisch. In den letzten Jahrzehnten sind außerdem viele neue Hecken angelegt worden (Landschaftspflege, Naturschutz, Schutz vor Erosion). Erfassung und gesetzlicher Schutz: Hecken werden in ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild durch die Naturschutzbehörden erfasst.

Winderosion

In weiten Teilen Niedersachsen waren Hecken auch wichtig, um die Bodenerosion durch Sandstürme zu vermeiden. Hecken entstanden damit als Begleit-, Hilfs- oder Folgestrukturen der Landbewirtschaftung. In Norddeutschland gibt es mit Wallhecken und Knicks zwei besondere Heckenformen. Wallhecken werden auf vom Menschen errichteten Wällen angelegt. Knicks entstehen im Laufe der Jahrzehnte dadurch, dass die Äste der Sträucher immer wieder umgeknickt und in die Hecke eingeflochten werden.

Lesesteinhaufen

In Hecken verstecken sich viele kleine Lebensräume. Die von den Bauern alljährlich aus dem Acker gesammelten Steine bilden sogenannten Lesesteinhaufen, in denen Eidechsen und Kröten leben und in kleinen Senken sammelt sich Wasser, das als Tränke für viele Tiere dient.

Platz muss sein

Hecken lassen sich in die drei Teilbereiche Heckenkern, Heckenmantel und Heckensaum gliedern. Während im Kern der Hecke größere Sträucher und einzelne Bäume überwiegen, schließt der Heckenmantel mit kleineren Sträuchern die Hecke nach außen ab.

Im Heckensaum finden sich schließlich eine Vielzahl von Blütenstauden und Gräsern. Alle drei Bestandteile sollten zusammen eine Breite von mindestens fünf Metern aufweisen. Nur wenn alle drei Heckenteile vorhanden sind, können Hecken ihre vielen positiven Wirkungen voll entfalten.

Prima Klima

Sicherlich hat jeder schon einmal die Kühle an einer Hecke an heißen Sommertagen oder ihren Windschutz genossen. Wasserverdunstung und Windgeschwindigkeit werden im Einflussbereich von Hecken abgesenkt, Taubildung, Niederschlag und Bodenfeuchte steigen demgegenüber an. Für die Landwirtschaft sind dies günstige Faktoren, die von Hecken kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Staubsauger

Bei trockenem Boden hat der Wind leichtes Spiel. Er trägt die fruchtbare Ackerkrume ab und bläst sie fort. Hecken bremsen den Wind ab und filtern den kostbaren Boden wieder aus. Dadurch sorgen sie dafür, dass der wertvolle Oberboden nicht verloren geht und auch nachfolgenden Generationen noch fruchtbarer Boden zur Verfügung steht.

Rettungsnetz

In unserer ausgeräumten und intensiv genutzten Landschaft bilden Hecken wichtige Refugien, in denen viele Tiere und Pflanzen überleben können. Von den Hecken aus beginnen sie ihre - unterschiedlich weiten - Streifzüge in die angrenzenden Äcker und Wiesen. Sie finden dort besonders gute Lebensbedingungen, wo auf Spritzmittel und intensive Bewirtschaftung verzichtet wird, wie dies beim ökologischen Landbau der Fall ist. Im Schutz der Hecken können sie auch weite Wanderungen unternehmen und so für den nötigen Austausch zwischen einzelnen Lebensräumen sorgen.

Aktionsideen

Links zum Weiterlesen

Quellen

http://niedersachsen.nabu.de/tiereundpflanzen/hecken/lebensraumhecke/04716.html http://niedersachsen.nabu.de/tiereundpflanzen/hecken/heckenpflegen/04719.html

Literaturtipps: Küster (1995), Pott (1988) und (1989)