Wechseln zu: Navigation, Suche
by_Günther-Dotzler_pixelio.de

Inhaltsverzeichnis

Heide

Merkmale

Heide (auch Zwergstrauchheiden) sind Flächen, die ausschließlich oder überwiegend mit Heidekraut bewachsen sind. Hinzu kommen können einzeln stehende Wacholder (Wacholderheise), Kiefer oder Gräser, v.a. Drahtschmiele. Auf trockenen Sandböden dominiert Besenheide, auf feuchten Böden Glockenheide. Diese ist also eine Vegetationsform, die sich durch einen nährstoffarmen und sauren Boden auszeichnet. Zu den bekanntesten Heidelandschaften zählen die Lüneburger Heide in Niedersachsen und die Schorfheide in Brandenburg.

Kulturgeschichte

Durch Übernutzung und Zerstörung der natürlichen Laubwälder schuf der Mensch die Heide. Heiden wären unter natürlichen Voraussetzungen sehr selten. Dass sie bis zum Ende des 19.Jh. Tausende von Quadratkilometern bedeckten, verdanken sie allein menschlichen Tätigkeiten. In der Regel breiten sich Heiden zu Lasten des Waldes und vor allem auf gemeinschaftlichen Flächen aus (Gemeinheit). Die Ursachen waren vor allem Überweidung (z.B. Heidschnucken), Plaggenabbau, Holzraubbau oder das Abbrennen der Vegetation zur Düngung der Felder. Bei ähnlichen Ursachen haben sich auf nährstoffreichen Böden dagegen Magerrasen eingestellt. In typischen Heidegebieten entwickelten sich spezielle Wirtschaftsformen wie die Schafzucht oder die Imkerei. Bis vor 200 Jahren wurde die Heide von Heidebauern bewirtschaftet. Da dies nicht sehr ertragreich war, wurden die Heideflächen später in Ackerland und Wiesen umgewandelt. Das übrig gebliebene Heideland wurde unter Naturschutz gestellt und bietet Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Mineraldunger und Bewässerung machen heute sogar Ackerbau auf ehemaliegn Heideflächen möglich.

Vorkommen und Verbreitung

Heiden beschränken sich meist auf Schutzgebiete und sind dort auf regelmäßige Pflegemaßnahmen angewiesen. Dazu gehört Beweiden, Entfernen der Gehölze oder der gesamten oberen Bodenschicht. Erfassung und gesetzlicher Schutz: Heiden werden in der Regel von den Naturschutzbehörden erfasst. Sie erfüllen die Merkmale besonders geschützter Biotope und sind oft als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet geschützt.

Geschichte der Heide

Ursprünglich war die Heide ein Laubwaldgebiet. Durch übermäßige Nutzung und Rodungen wurden die Waldflächen immer weiter zurückgedrängt. Hügelgräber aus der Bronzezeit beweisen, dass hier schon vor drei- bis viertausend Jahren Menschen lebten. Die Bäume wurden alle zwanzig bis dreißig Jahre gefällt, denn Holz war ein wichtiger Rohstoff, aus dem Brenn- und Baumaterial hergestellt wurde. Wo der Wald verschwand, dehnte sich die Heide aus und mit ihr die Heidebauernwirtschaft. Das in den Wald getriebene Vieh ließ keinen Jungwuchs aufkommen, dadurch dehnte sich die lichthungrige Besenheide aus.

Im Laubwaldboden herrscht ein ausgeglichener Nährstoffkreislauf. Holz- und Laubstreuzersetzung liefern dem Boden einen milden, nährstoffreichen Humus. Wenn Bäume gefällt, der Wald gerodet und Aufwuchs verhindert wird, dann siedelt sich Heide an. Heide liefert eine saure Streuschicht, die ungünstigen Rohhumus bildet. Die Säure löst Mineralien und Nährstoffe, die mit dem fallenden Regen in tiefere Erdschichten versickern.

Heide als Naturschutzgebiet

Heute sind nur noch wenige Heideflächen erhalten. Es gibt aber Pflanzen und Tiere, die sich an den speziellen Lebensraum Heide angepasst haben. Heidelerchen, Bechstein-Fledermäuse oder Kreuzottern kann man hier hin und wieder antreffen. Daneben gehören verschiedene Sträucher, Gräser, Kräuter, Schmetterlinge und eine große Anzahl von Spinnen- und Vogelarten zu den Heide-Spezialisten. Viele Heiden werden heute in geringerem Maße beweidet als noch vor 200 Jahren. So kann eine Verjüngung und damit Erhaltung der Heide nicht mehr gewährleistet werden. Als Folge kommen überall Birken, Vogelbeeren, Eichen und Kiefern auf; eine natürliche Wiederbewaldung hat eingesetzt. So sind die letzten Heideflächen gefährdet: Um ihren Erhalt zu sichern, müssen die Flächen regelmäßig beweidet und von unerwünschtem Baumbewuchs befreit werden. Eine bestimmte Grasart, die Drahtschmiele, kann sich durch die veränderten Umweltbedingungen ansiedeln und verdrängt die Heide. Große Flächen sind bereits vergrast. Die trittempfindliche Heide ist zusätzlich vom Massentourismus bedroht. Menschenmassen zertreten die Bodenstrukturen und schaffen dadurch Voraussetzungen für Erosionsschäden. Die Heide als uralte Kultur- oder Wirtschaftslandschaft ist ein Zeugnis menschlichen Einwirkens auf die Natur. Sie ist aber auch Rückzugsgebiet für Pflanzen- und Tierarten, die in der modernen Wirtschaftslandschaft zu wenig Lebensraum finden. Diese Lebensräume würden durch natürliche Wiederbewaldung verloren gehen. Die Vielfalt der Kleinlebewesen und lichthungrigen Pflanzenwelt wäre in Gefahr. Die Rote Liste gefährdeter Arten würde länger werden. Aber viele Naturfreunde halten die Pflegemaßnahmen für zu brutal: Junge Bäume werden vernichtet, spezielle Plaggemaschinen tragen vergraste Heideflächen samt Humus und Mineralboden ab. Die letzten Heideflächen, als Denkmal einer ehemaligen Kulturlandschaft, können nur erhalten bleiben, wenn der Mensch in die Natur eingreift.

by_Günther-Dotzler_pixelio.de

Heidebauernwirtschaft

Die bäuerliche Nutzung der Heide im Mittelalter verhinderte eine Wiederbewaldung und begünstigte die Ausbreitung riesiger Heideflächen im heutigen Nordwesten Deutschlands. Grundlage der Heidebauernwirtschaft war die Heidschnuckenhaltung. Unter Heidschnucken versteht man eine kleine, anspruchslose Schafrasse. Die Herden weideten die Heidesträucher ab und ließen keinen Jungwuchs von Bäumen aufkommen (Ausnahme war der spitznadelige Wacholder, den selbst die Heidschnucken nicht fraßen). Durch ständigen Verbiss der Heidesträucher sorgten die Heidschnucken für eine Verjüngung der Heide, was Voraussetzung für eine gute Heideblüte war. Diese sorgte wiederum für einen reichen Ertrag von Heidehonig und Bienenwachs. Bienenhaltung war ein wichtiger Bestandteil der Heidebauernwirtschaft. Auf dem Gebiet der heutigen Lüneburger Heide gibt es nur noch sieben Heidschnuckenherden (ca. 20.000 Tiere), also zu wenige, um eine Verjüngung und damit Erhaltung der Heide zu gewährleisten. Auch durch das Plaggen hat man versucht, Heiden zu verjüngen. In mühsamer Arbeit schlugen die Bauern mit der Plagghaue die Heidesträucher mit ihren Wurzeln ab. Plaggen wurde als Einstreu in Stallungen für Haustiere (Schafe, Rinder, Schweine, Pferde) verwendet, um später Dünger für die Äcker zu erhalten.

Links zum Weiterlesen

Aktionsideen

Quellen

Literaturtipps: Jedicke & Jedicke (1992), Pott (1999), Vogtherr (1986)