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Jahrhunderthochwasser

oder Jahrtausendhochwasser

"Jahrhunderthochwasser" und gar "Jahrtausendschwemme" sind in den Medien gebräuchliche Begriffe. Als Jahrhunderthochwasser hat man früher ein statistisch einmal in 100 Jahren vorkommendes Hochwasser definiert ("Hundertjährigkeit"), ein Jahrtausendhochwasser sollte alle 1000 Jahre kommen. Man spricht auch von einem "100 -jährigen Abfluss".

Diese Begriffe kommen aus dem Deichbau, man wollte damit zeigen, für wie wahrscheinlich man einen Deichbruch hielt. So ist es zum Beispiel meist nicht volkswirtschaftlich sinnvoll gewesen, Deiche für 1000-jährige Hochwasser zu bauen. Um 1000-jährige Hochwasser abzuhalten müsste man einen Deich von großer Höhe mit sehr viel Geld bauen. Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit der 1000-jährigen Hochwasser hat man oft die Zusatzkosten für einen so starken Deich als zu hoch angesehen. 25-jährige Hochwasser waren allerdings gut zu verhindern, wenngleich auch dies teuer war. Das ist eine Sache der Kosten/Nutzen-Rechnung. Daher gibt es viele auf 10- und 25-jährige, weniger auf 100-jährige und fast kaum auf 1000-jährige Hochwasser ausgelegte Deiche.

Aber heute sind die Maßstäbe aus vergangenen Jahrzehnten verrückt. Das liegt vor allem an dem erhöhtem "Input", den Wassermengen, die vom Himmel fallen. Wenn Fernsehsender und Politiker und selbst Behörden angesichts der Wassermassen schnell von der "Jahrhundertflut" sprechen, stimmt das insofern nur bedingt.

Würde man in Erwägung ziehen, dass die Hochwasser stärker wurden und auch schneller kommen müsste man die Begriffe längst neu definieren. Ein überregional bedeutsames "Jahrhunderthochwasser" und ein "Jahrtausenhochwasser" kam seit der Gründung der BRD in Deutschland einige Male. Andere ziehen auch die Hochwasserereignisse aus den frühen 90ern an Rhein und Mosel hinzu. Damit wären außergewöhnliche Ereignisse in den letzten Jahrzehnten gehäuft aufgetreten!


Verwendung des Wortes

Wenn das "Jahrtausend- Jahrhunderthochwasser" gar keins ist - warum hört man es so oft?

Eine erstaunlich große Menge von Verantwortlichen und Journalisten haben diese Begriffe fest in ihrem Repertoire. Dafür gibt es zwei `psychologische Gründe´. Einerseits hört sich "Jahrtausendhochwasser" für die Hochwasser des Sommers 2002 passender an, wenn man die betroffenen Menschen und ihr persönliches Schicksal nur in dieser höchsten Kategorie beurteilen möchte - das ist sozusagen ein Ausdruck für die große Mitbetroffenheit mit den Opfern. Das ist sicherlich angebracht und menschlich verständlich.

Aber es steckt auch ein perfideres psychologisches Motiv dahinter, die nicht wirklichkeitsgetreuen Begriffe zu verwenden: sie sind deshalb auch gerne gewählt, um die Menschen zu beruhigen nach dem Motto: "Jahrhundertereignis- Dieses eine Mal und dann 90 Jahre nicht mehr".

Grade Politiker sind schnell dabei, möglichst von einem "Jahrtausendereignis" zu sprechen, hilft es doch, zunächst sein öffentliches Mitgefühl im Superlativ zu verstreuen, gleichzeitig hintenherum zu beruhigen und danach schnell wieder weiterzumachen wie bisher. Einem Umdenken und einer Anpassung steht eine solche Fehlleistung entgegen. Daher ist der auch von Journalisten gerne gebrauchte Begriff "Jahrhundert" oder "Jahrtausendhochwasser" nicht besonders hilfreich zur Aufklärung.

Zwar sind die Medien meist sehr intensiv dabei, wenn es um bundesweit bedeutende Hochwasser geht. Wochenlang gab es eine Art "Flut-TV", Spezialausgaben nahezu aller Magazine und Zeitungen informierten - zu Recht - über das Thema. Die Qualität der Beiträge ist meist recht hoch, dennoch hört man immer wieder Sprüche wie "Krieg gegen das Wasser".

Leider spielt Hochwasser bei dem Großteil der Medien nur im Format der Katastrophenberichterstattung eine Rolle. Ist das Wasser weg, die Spenden an die üblichen Organisationen verteilt, die News-Agenda längst woanders, kümmert man sich in den Redaktionen oft nicht mehr nachhaltig um das Thema ( Ausnahmen, wie z.B. die 1-Jahr-Serie des ZDF über Flutopfer, gibt es). Hier sollte sich vielleicht auch in den Köpfen der Journalisten mal etwas ändern. Hochwasser sind nicht nur Katastrophen, sondern werden dazu gemacht: In Ministerien und Planungsämtern (technisch) oder hin und wieder (ideologisch) in Redaktionen.

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