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Inhaltsverzeichnis

Echte Kamille

Botanische Zuordnung

Foto von knipseline, pixelio.de

Die Echte Kamille ist eine Blütenpflanze aus der Familie der Korbblütler. Diese Familie ist mit ca. 25.000 Arten eine der größten im Pflanzenreich. Ihre Vertreter sind auf der ganzen Welt verbreitet und haben sich in ihrer Lebensweise an die verschiedensten Biotope angepasst. Alle Wuchsformen sind vertreten.

Erscheinungsbild und Erkennungsmerkmale

Die Echte Kamille ist eine einjährige Pflanze, die bis zu 60 Zentimeter hoch werden kann. Ihr aufrecht stehender Stängel ist stielrund und mehrfach verzweigt. An den Enden der Verzweigung sitzt jeweils ein Blütenstand in Form eines Blütenköpfchens. Die Blätter der Echten Kamille sind zwei- bis dreifach gefiedert und stehen wechselständig am Stängel. Die Blütenköpfchen der Echten Kamille sind gelb-weiß: In der Mitte des Blütenbodens sitzen gelbe Röhrenblüten und am Rand weiße Zungenblüten. Da der Blütenboden nur bei der jungen Blüte flach ist, sich dann aber kegelförmig verlängert, erscheinen die Zungenblüten bei älteren Blüten nach hinten geklappt.

Verbreitung

Die Echte Kamille stammt ursprünglich aus den Mittelmeergebieten, in denen sie aufgrund des warmen Klimas gut gedeihen kann. Sie ist in ganz Europa bis etwa 60° nördlicher Breite anzutreffen. Auch in Nordafrika kommt sie vor. Nach Osten erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet über Kleinasien und den Iran bis nach China. In der Neuen Welt war sie ursprünglich nicht angesiedelt, jedoch wurde sie auch in Australien und Amerika eingeführt. Besonders in Südamerika wird sie häufig als Kulturpflanze angebaut.

Lebensraum

Foto von Uschi Dreiucker, pixelio.de

Blütenpflanzen verbreiten sich über Samen, welche an geeigneten Standorten keimen. Die Echte Kamille wächst auf neutralen bis alkalischen, kalkhaltigen Böden. Auf warmen, sonnigen Standorten mit mäßig feuchtem, humus- und nährstoffreichem Sandboden kann sie gut gedeihen. Da die Kamille relativ schnell wächst, entzieht sie dem Boden Nährstoffe, was das Wachstum anderer Pflanzen behindert. In der dicht vom Menschen besiedelten Umwelt hat sie sich sehr gut an ein Gedeihen auf kultivierten Flächen angepasst. Die Kamille erträgt auch nährstoffärmere Standorte, deshalb kann man sie auf brach liegenden landwirtschaftlichen Flächen und Wiesen ebenso vorfinden wie an Wegrändern und auf Äckern und Schutthalden.

Ruderalvegetation

Die Flora der Brachen, Wegränder, Schuttflächen und des Ödlands wird häufig als Ruderalvegetation bezeichnet. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen ab. “Rudus, ruderis” bedeutet Schutt/Mörtel/Ruine. Die Ruderalpflanzen sind, wie die Echte Kamille, meist krautig. Ihr Lebensraums wird als Ruderalfläche bezeichnet. Sie ist davon geprägt, dass sie dauerhaft unter dem Einfluss menschlicher Nutzung (d.h. sie ist anthropogen geprägt) stand oder steht und ursprünglich oder zeitweise pflanzenarm war. Beispiele für solche Flächen sind Bahndämme und Gleisanlagen, stillgelegte Steinbrüche, Weg- und Straßenränder, unbebaute Grundstücke, Schuttlagerplätze, Ackerbrachen usw. Man findet ruderale Standorte in allen Landschaftstypen vor.

Die Pflanzenwelt zwischen den Gleisen kannst du hier erforschen. Wie Pflanzen und Insekten das Pflaster erobern erfährst du hier.


Die Echte Kamille als Kulturpflanze

Weltweit haben sich heute vier Hauptanbaugebiete etabliert: Argentinien, Ägypten, Chile und die Länder des ehemaligen Jugoslawiens kultivieren die Kamille als Heilpflanze. Aber auch in Deutschland wird die Kamille angebaut. Bemühungen führten dazu, dass heute Sorten angebaut werden, die sich durch einen besonders hohen Anteil an ätherischen Ölen auszeichnen sollen. Jährlich werden in Deutschland mehrere 100 Tonnen Kamillen verarbeitet. Die Kamille speichert in ihren Pflanzenteilen Herbizide und andere Schadstoffe. In getrockneten Kamillen konnten Schwermetalle und Pestizide nachgewiesen werden. Daher ist ein natürlicher Anbau der Pflanzen ohne den Einsatz von Schadstoffen besonders wichtig!

Vermehrung

Die Echte Kamille blüht von Mai bis September. Die Färbung ihres Blütenköpfchens, zusammengesetzt aus den vielen Einzelblüten, übt einen starken Lockreiz auf die bestäubenden Insekten aus. Die Bestäubung erfolgt über einen raffinierten Mechanismus, der verhindert, dass der Pollen einer Blüte auf die Narbe derselben gerät: Die Staubbeutel der Einzelblüten sind miteinander verwachsen und bilden eine Röhre. In der Mitte der Röhre befindet sich der Griffel, der anfangs noch kurz ist.

Sind die Staubbeutel reif, entleeren sie den Pollen in die Röhre hinein. Er haftet am Griffel fest, der nun in die Länge zu wachsen beginnt, so dass er den Pollen nach oben trägt, wo er an den Bäuchen von bestäubenden Insekten haften bleiben kann. Erst danach öffnet sich die Narbe an der Oberseite des Griffels, die den Pollen einer anderen Pflanze aufnehmen kann. Die Früchte der Korbblütler werden als Achäne bezeichnet. Sie sind eine Sonderform einer Nuss. Die Verbreitung der Samen der Kamille erfolgt besonders auch dadurch, dass die reifen Samen von Tieren verspeist und andernorts wieder ausgeschieden werden.

Verwendung

Foto von Stefanie Hofschlaeger, pixelio.de

Die Echte Kamille enthält ein breites Spektrum an medizinisch wirksamen Stoffen. Besonders das blau gefärbte ätherische Öl, das durch Destillation aus den Blütenständen gewonnen werden kann, ist von Bedeutung. Es kann zur äußerlichen Behandlung von Entzündungen, Verbrennungen und Wunden und zur Herstellung von Mundspülungen verwendet werden. Auch Reizungen und Erkrankungen der Atemwege sowie der Schleimhäute können durch sie kuriert werden. Außerdem wirken Extrakte und Aufgüsse der Kamille, die ebenfalls aus den Blüten gewonnen werden, gegen Blähungen und können Linderung bei Magengeschwüren bewirken. Des Weiteren werden die Extrakte der Kamille gegen Krämpfe angewendet. Die aus der Echten Kamille gewonnenen Heilmittel wirken sehr schonend und haben kaum Nebenwirkungen.

Nur bei Entzündungen der Augen sollten keine auf Kamillenextrakten basierenden Mittel verwendet werden, da diese zu Reizungen führen können. Die heilende Wirkung der Kamille führte dazu, dass sie heute zu den am häufigsten kultivierten Heilpflanzen gehört. Die Echte Kamille ist neben der Pfefferminze eine der am meisten verwendeten Heilpflanzen in Deutschland.

Historie

Die Echte Kamille ist eine der bekanntesten Arzneikräuter und findet schon seit dem Altertum als Heilpflanze Anwendung. Die alten Ägypter verehrten sie wegen der Gestalt ihrer Blüten als Blume des Sonnengottes. Auch in der griechischen und römischen Antike wurde sie geschätzt. Ihre zahlreichen volkstümlichen Bezeichnungen, wie “Mutterkraut” (der sich auch in der wissenschaftlichen Bezeichnung der Gattung widerspiegelt), “Mägdeblümle” und “Kummerkraut”, lassen auf ihre große Bedeutung in Brauchtum und Hausmedizin schließen.

Gefährdung und Schutz

Intensive Flächennutzung durch Bebauung, Land- und Forstwirtschaft oder auch Freizeitflächennutzung führt zu ständig steigendem Verlust ungenutzter Flächen. Hier verliert auch die Echte Kamille ihren Lebensraum. In der Landwirtschaft ergeht es ihr ähnlich. Die Echte Kamille wird, wie viele andere Pflanzen, auf intensiv genutzten Äckern als “Unkraut” bezeichnet. Bei intensiver Ackerbewirtschaftung sind daher Ackerwildkrautgesellschaften, zu denen auch die Echte Kamille zählt, selten oder ganz fehlend.

In naturbelassenenen Ackerrandstreifen findet die Kamille dagegen ihren Lebensraum. Hier herrschen besondere Lebensbedingungen für Flora und Fauna vor, so dass sich auch seltene und auf solche speziellen Standorte angewiesene Pflanzen verbreiten können. In diesen Schutzstreifen gibt es eine besondere Artenvielfalt. Besonders deutlich wird der Wert von Brachen, Ackerrandstreifen und anderen naturbelassenen Lebensräumen, die der Kamille eine Heimat bieten, wenn sie in sonst ökologisch verarmten Landschaften, wie Siedlungs- und Verkehrsflächen oder in intensiv genutzten landwirtschaftlichen Gebieten, liegen.

Die echte Kamille im Frühling

Foto von Cornerstone, pixelio.de

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben, die Pflänzchen keimen aus und bald lassen sich die ersten Blüten entdecken! Sie locken viele Insekten an und im Juni kann man sie zur Verwendung für Tees und anderen Anwendungen sammeln.

Schon gewusst, dass…

  • die Echte Kamille, wie alle Korbblütler, einen ganz besonderen Blütenaufbau hat? Was auf den ersten Blick wie eine einfache Blüte aussieht, sind sogenannte Blütenstände, die aus vielen Einzelblüten zusammengesetzt sind.

Links zum Weiterlesen

Dieser Text entstand im Rahmen des Erlebten Frühlings 2004.