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Kläranlage

Abwassersysteme in früheren Zeiten

Im Mittelalter war Abfallentsorgung einfach: Ab aus dem Fenster. Dieser Dreck zog Seuchen an und verpestete die ganze Stadt.

Erst vor zweihundertfünfzig Jahren kam dann die Kanalisation ins Spiel. Mit durchschlagendem Erfolg: Cholera oder andere Krankheiten wurden aus den Ballungsräumen vertrieben, die Hygiene zog ein. Das Abwasser wurde in oberirdischen oder unterirdischen Kanalisationen gesammelt, nicht selten so groß, dass man als Mensch bequem in ihnen hätte stehen können, wäre da nicht diese Sch....e überall. Später konnte man für die Ver- und Entsorgung Pumpstationen einsetzen, wie diese in Berlin, von der nur noch der Torbogen übrig ist. Heute sind leider viele Kommunen nicht in der Lage, ihre Wasser- und Abwasserleitungen angemessen zu warten und zu renovieren, was dazu führt, dass Rohrbrüche und Lecks häufig einen nicht unbeträchtlichen Teil vom sauberen Wasser schlicht versickern lassen.

Einmal raus aus der Stadt, kamen früher bei der Klärung des Wassers die Rieselfelder ins Spiel. Hier ließ man das Abwasser über mehrere Becken systematisch reinigen. Diese einfache und sehr natürliche Klärtechnik wurde aber mit Waschpulver, Öl und Chemikalien nicht fertig und war damit Mitte des 20. Jahrhunderts erledigt. Nichtsdestotrotz wurden die Rieselfelder (z.B. in Münster) zu sehr wichtigen Biotopen. Und das System ist keinesfalls aus der Mode. Neue Abwasserkonzepte verbinden verschiedene biologische Flächen-Klärsysteme zum Beispiel zur Aufbereitung von Brauchwasser oder zum Nachklären der Substanzen.

Wie eine Kläranlage funktioniert

Das Wasser, das nach unserer Benutzung in die Kanalisation fließt, ist viel zu schmutzig, um es einfach in die Flüsse zu leiten. Es muss in Kläranlagen gereinigt werden.

Vorraussetzung der Abwasserbehandlung ist die Sammlung des dreckigen Wassers in einem Kanalnetz, in dem die Abwässer zur Kläranlage fließen. Dieses Kanalnetz liegt unter der Erde, denn das Schmutzwasser würde sonst zum Himmel stinken.

30 Prozent der Schmutzstoffe, die im Wasser enthalten sind, können schon in der ersten Reinigungsstufe der Kläranlage entfernt werden, der Mechanischen Abwasserreinigung. Dort fließt das schmutzige Abwasser durch einen Rechen, der den groben Unrat wie Papier, Äste und sogar Flaschen zurückhält. Im Sandfang sinken Kies und Sand zu Boden und im Vorklärbecken wird das Wasser etwa zwei Stunden zurückgehalten. Dort setzen sich feine Schwebstoffe als Schlamm am Boden ab. Dieser wird später abgesaugt, eingedickt und in einen Faulraum befördert.

Die zweite Reinigungsstufe ist die Biologische Abwasserreinigung. Das Abwasser wird in ein Becken eingeleitet, dem ständig Sauerstoff zugeführt wird. So werden günstige Lebensbedingungen für Kleinstlebewesen - hauptsächlich Bakterien - geschaffen, die in der Lage sind, gelöste organische Abwasserstoffe als Nahrung aufzunehmen und in anorganische Verbindungen (also Kohlendioxid, Wasser und Salze) umzuwandeln. Bei dieser Stoffumwandlung entsteht wiederum Schlamm. Das so entstandene Wasser-Schlammgemisch wird in ein Nachklärbecken geleitet, wo die Schlammflocken zu Boden sinken. Wiederum wird der Schlamm abgesaugt und eingedickt. Nach der zweiten Reinigungsstufe ist das schmutzige Wasser jetzt zu 90 Prozent von biologisch abbaubaren Stoffen gereinigt.

Da die Abwässer aber noch Pflanzennährstoffe enthalten, z.B. Phosphate und Stickstoffverbindungen (aus Waschmitteln oder Ähnlichem), müssen sie noch eine weitere Reinigungsstufe durchlaufen. Das noch phosphathaltige Schmutzwasser fließt in eine "Fällmitteldosierstation". Dort wird unter starker Durchmischung ein Fällmittel in Form von Eisensalzen beigesetzt, das sich an den Schmutz heftet, ihn schwerer macht und ihn schließlich ausflocken lässt. Der abgefangene Schmutz wird wiederum abgesaugt und dem Faulturm zugeführt.

Der Schlamm in dem Faulturm wird von der Luft abgeschlossen. Die Fäulnisbakterien gären und erzeugen bei 35 Grad Celsius ein Fäulnisgas, das aus Methan und Kohlendioxid besteht. Dieses Gas kann in einem Behälter gespeichert werden und den Energiebedarf der Kläranlage decken. Nach etwa vier Wochen ist der Schlamm ausgefault, geruchlos und kann durch Filter oder Zentrifugen entwässert werden. Der Schlamm kann in der Landwirtschaft verwendet oder auch in Wärmekraftwerken verbrannt werden.

Und was passiert jetzt mit dem gereinigten Wasser? Das wird aus der Kläranlage in die Flüsse und Bäche geleitet. Dieses geklärte Abwasser mag zwar "sauber" sein, aber trinkbar ist es trotzdem nicht. Deshalb ist es ganz wichtig, gerade im Haushalt darauf zu achten, kein Wasser zu verschwenden!

Übrigens: Kläranlagen reinigen das Wasser soweit, dass die gröbsten Schmutzpartikel herausgefiltert werden. So können diese Abfallstoffe nicht in die Flüsse oder Meere gelangen. Es gibt aber immer noch Städte, die keine Kläranlage haben. Kannst du dir vorstellen, dass die Hauptstadt Europas - Brüssel - immer noch keine Kläranlage hat? In Brüssel gelangen die Abwässer unbehandelt in den Fluss Senne, die im Stadtzentrum zur Vermeidung von Gestank und Krankheiten schlicht zubetoniert wurde. Die Senne, mehr Kloake als Fluss, mündet in die Schelde, die wiederum in die Nordsee fließt. Möchtest du dort an den Küstengewässern Urlaub machen? Wahrscheinlich nicht. Erst 2005 wird in Brüssel mit dem Bau einer Kläranlage begonnen und erst in vier bis fünf Jahren können die Abwässer von geklärt werden.

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(Karin Klaus)