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Klimawandel – Wenn die Welt zum Treibhaus wird

Immer öfter wird uns durch Naturkatastrophen vor Augen geführt, welche katastrophalen Auswirkungen der Klimawandel mit sich bringen kann. Neu ist das Problem keineswegs. Schon seit Jahren diskutieren Politiker darüber. Doch getan hat sich bisher leider wenig.

Wenn die Wärme, die von der Erde abgestrahlt wird, die Atmosphäre erreicht, wird ein Teil von ihr dort gespiegelt und wieder auf den Erdboden zurück geleitet. Diesen natürlichen Treibhauseffekt hat es schon immer gegeben, er schützt unseren Planeten davor, zu Eis zu erstarren.

Klimafaktor MENSCH

Der Mensch hat seit Beginn der Industrialisierung stark in dieses System eingegriffen. Zahlreiche Fabriken und Industrieanlagen stoßen jeden Tag Unmengen an Schadstoffen in die Atmosphäre. Auch Abgase von Verkehrsmitteln, besonders von Autos und Flugzeugen, gefährden das Klima. Treibhausgase wie Kohlendioxid, Lachgas, Fluorchlorkohlenwasserstoffe, Methan und Ozon führen dazu, dass immer mehr Wärme reflektiert wird. Dadurch erwärmt sich das Klima der Erde. Besonders auf der Nordhalbkugel, die von Megastädten nur so übersäht ist, wird es ziemlich warm werden.

Wüsten…

Eine Folge des Treibhauseffektes dürfte jedem klar sein: wenn es wärmer wird, wird das Wasser knapper. Für uns Industrielandbewohner mag das ein unbekanntes Problem sein, wir sind daran gewöhnt, durch die Leitungen jederzeit mit dem kühlen Nass versorgt zu werden. Doch gerade in den armen Ländern dieser Welt leiden bereits heute Millionen Menschen unter akutem Trinkwassermangel. Diese Situation wird sich durch den Treibhauseffekt extrem verschärfen. Auch die Pflanzen bekommen die Trockenheit zu spüren, was zur Folge hat, dass sich die Wüstengebiete der Erde weiter ausbreiten werden. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten werden vom Aussterben bedroht sein.

… und Hochwasser

Was sich auf den ersten Blick auszuschließen scheint, ist bei genauerem Nachdenken ganz logisch. Denn durch die höheren Temperaturen werden Gletscher und Polarkappen weiter abschmelzen. Man geht davon aus, dass der Meeresspiegel durch diese enormen Wassermassen um bis zu 90cm ansteigen kann. Viele Inselstaaten, aber auch Küstenländer wie die Niederlande, die teilweise unter dem Meeresspiegel liegen und schon jetzt durch Deiche geschützt werden müssen, sind damit wortwörtlich dem Untergang geweiht.

Mehr zum Thema Hochwasser findest du hier.

Gibt es immer mehr Hochwasser?

Eine heikle Frage - zwei Antworten:

Die Frage, ob es mehr katastrophale Hochwasser gibt als früher, kann man getrost mit Ja und Nein beantworten.

Antwort für Optimisten

"Nein, es gibt nicht mehr Hochwasser"!: Katastrophale Hochwasser und Überschwemmungen gab es schon immer, wie unsere kleine Auswahl historischer Fluten zeigt. Insofern sind über längere Zeit betrachtet, Hochwasser eigentlich immer eine Bedrohung. Egal, welche Vorbereitungen wir treffen - jedes Hochwasser ist anders und es "gibt keinen hundertprozentigen Schutz". Das sagen sowohl alle Ämter wie auch Versicherungen. Unsere Hochwasser- und Wetterdaten reichen meist bis etwa 1880, danach nimmt die Zuverlässigkeit ab. Somit haben wir etwa 100 Jahre statistische Beobachtung - nicht besonders lang, sagen Skeptiker, um von einer Vermehrung von Katastrophen zu sprechen. Umgekehrt bedeutet dies aber auch: Wenn unsere Statistik nicht ausreicht, um eine Warnung zu geben kann auch keine Entwarnung gegeben werden. Aber es bestehen sehr berechtigte Zweifel, ob die Hochwasser-Katastrophen in der letzten Zeit nur zufällige Häufungen sind.

Antwort für Realisten

"Ja, es gibt mehr Hochwasser"!: Auch über eine längere statistische Sicht ist auch das Hochwasser vom August 2002 eine Ausnahmeerscheinung, vergleichbar mit einem der Hochwasser im 15. Jahrhundert, die von ihrer Höhe bisher unübertroffen waren. Mit anderen außergewöhnlich großen Hochwassern teilt es sich die letzten 20 Jahre. Diese Häufung mag Zufall sein, argumentieren Optimisten. Mit jedem neuen Regenrekord und mit jedem weiteren Hochwasser wird aus der Spekulation, ob Hochwasser mehr werden, Tatsache. Bei einigen Mosel- und Rheinhochwassern der letzten zehn Jahre war der Anstieg und die Schnelligkeit des Ansteigens atemberaubend - so etwas wurde noch nie gemessen, ein Indiz für die "neuartigen Hochwasser".

Antwort für alle anderen

"Vielleicht nicht mehr Ereignisse aber auf jeden Fall mehr Katastrophen!" Selbst wenn es nicht mehr Hochwasser gibt - sie richten mehr Schaden an. Insofern gibt es mehr Hochwasser-Katastrophen mit Schwerpunkt auf Katastrophe. Denn die Menschen haben mehr Wertsachen und verhalten sich so, als ob es Hochwasser nicht geben würde.

Fazit: Es gab immer schon Hochwasser wie unser Rückblick zeigt. Aber es gibt wahrscheinlich mehr katastrophale Hochwasserereignisse und dies ist sehr wahrscheinlich keine natürliche Schwankung oder Häufung alleine. Die Zunahme von Hochwassern (und parallel die der Schäden) ist auch dem Menschen zuzuschreiben.

Klimaveränderung als Grund für Hochwasser-Katastrophen?

Zunächst: Die Klimaveränderung ist die "heißeste These" in der Wissenschaft, sowohl von der Tragweite wie auch von dem Aufwand der Forschung - und die gleichzeitig am schwersten konkret zu beweisende. Warum?

Braunkohleförderung durch die Rheinbraun AG: Nur ein Beispiel für die Nutzung von fossiler Energie und die damit verbundene Emission von Klimagasen wie CO2. Weil es bei der Klimaforschung um die Berechnung und Interpretation vieler Daten über einen langen Zeitraum und auf dem größten Forschungsfeld geht, das uns zur Verfügung steht: Der Erde. Zwangsläufig müssen sich unterschiedliche Thesen (von "neuer Eiszeit" bis "global warming") ergeben, verschieden Ursachen, andere Lösungswege. Man nehme einmal die Vorhersagewahrscheinlichkeit für das Wetter, das Klima ist noch einmal eine andere Kategorie. Wir möchten hier keine Endzeitstimmung verbreiten, aber es gibt leider in den Jahrzehnten der Forschung bis heute kein Grund zur Entwarnung. Es gibt im Klima Prozesse, die sich immer weiter erwärmen, gleichzeitig auch die umgekehrten Prozesse, die massive Kälteeinbrüche bringen könnten. Seit dem überhaupt ein Wissenschaftler eine Veränderung von Gasen in der Atmosphäre mit dem Klima in Verbindung brachte, verdichten sich die Hinweise, dass es einen menschlichen Klimaveränderung gibt. Die Hauptrolle spielt dabei sicher das Klimagas CO2, aber auch Butan, Wassertropfen, Ozon oder Staubteilchen.

Zwar ist es fraglich, ob es in Mitteleuropa mehr regnen wird, jedoch ist sicher, dass Regengüsse vielleicht nicht in der gesamten Menge, aber in der Ballung auf wenige extreme Wetterereignisse häufiger werden. Selbst wenn also die gesamte jährliche Regenmenge gleich bleibt, sie kommt mitunter in einem Guß. Die Klimaforscher des IPPC, einem internationalen Klimaforschungsbündnis unter dem Dach der UNO, gehen davon aus, dass durch die Klimaveränderung (die vor allem eine Erwärmung ist) die Zahl der weltweiten "extremen Wetterereignisse" sich bereits erhöht hat und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter erhöhen wird. Grund ist, stark abgekürzt, dass durch die Erwärmung mehr Energie auf der Erde befindet, mehr Wasser verdunstet und dadurch Klimaprozesse wie in einem Karussell heftiger werden. Nach dieser "Extremisierungs-These" können alle möglichen Erscheinungen zu den Ereignissen gezählt werden - Verstärkung von Phänomenen wie "El Nino", Stürme, Dürren oder auch extreme Niederschläge. Indiz für den Zusammenhang ist, dass von Seiten der Ämter in letzter Zeit immer häufiger Temperaturrekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnung an Orten gemessen werden. Umgekehrt sind die großen Hochwasser-katastrophen IMMER in Verbindung mit solchen punktuellen Rekorden an Niederschlägen verbunden.

Und was bedeutet das für Mitteleuropa und Hochwasserkatastrophen?

Wenn es ein aufgrund der Veränderung verschnellertes Klimachaos gibt, können besondere Konstellationen öfter auftreten, die Extremhochwasser auslösen können z.B.:

Beispiel 1: Wenn sich nach einer längeren Frostperiode die Temperatur schnell stark erhöht und starker Niederschlag fällt. Dann (was selten passiert) kann es auch bei unverdichtetem Boden zum 100%igen Versiegelungseffekt kommen, es fällt weder Schnee (der liegen bleiben könnte) noch kann das Wasser vom Boden aufgesogen werden, weil er gefroren ist. Beispiel 2: Eine besondere Tiefdrucksituation, die das "Jahrtausendhochwasser 2002" auslöste, gehört auch zu einem solchen Ausnahmeereignis. Diese sogenannten "5b-Wetterlage" ist recht selten. Eine warme Wetterlage nimmt über dem Atlantik sehr viel Wasser auf und regnet diese bei Auftreffen auf kalte Luft sehr schnell ab.

Fazit der Klimaforschung bis heute: Obwohl kein Forscher genaue Vorhersagen über das Wesen der Veränderung in Europa machen möchte und kann, ist es mittlerweile Konsens, dass die Häufung von Hochwassern auch auf eine Klimaveränderung hindeuten, vor allem weil Hochwasserereignisse bisher immer mit Regenrekorden zeitlich zusammenfielen.

Wie zu jeder Theorie gibt es auch hierbei Skeptiker, die behaupten, dass es keine menschlich verursachte Klimaveränderung gibt bzw. wenn es eine gäbe, diese keinerlei Auswirkung und Zusammenhang mit Hochwasserkatastrophen habe. Doch diese "Klima-Skeptiker" sind weltweit eher in der Minderheit und haben dazu mindestens so wenig stichhaltige Beweise wie die Klimaveränderungs-Fachleute.

Sowohl das Pfingsthochwasser 1997 in Bayern als auch das sog. "Jahrtausendhochwasser" im August 2002 waren unmittelbar mit mehreren Regenrekorden (seit Beginn der Wetter-Aufzeichnung) verbunden - dies ist ein deutliches Indiz für den Zusammenhang von Klima und Hochwasser im Sinne der "Extremisierungs-Theorie".

Außerdem wird sich die Politik von heute morgen fragen lassen müssen, warum sie diese Zeichen nicht wahrgenommen hat.

Katastrophale Zukunft

Ganz so schrecklich wie in „The Day after Tomorrow“ wird es wahrscheinlich nicht kommen. Doch Fakt ist, dass wir in Zukunft öfter von Stürmen, Erdbeben, Überschwemmungen und ähnlichen Phänomenen heimgesucht werden. Die Anzahl großer Naturkatastrophen hat sich in den letzten vierzig Jahren verdreifacht. Ereignisse wie die Flutkatastrophe in Südostasien und das Jahrhunderthochwasser an der Elbe werden bald keine Seltenheit mehr sein. Darum sollen wir langsam mal aufwachen! Wir müssen uns bemühen, den Schadstoffausstoß von Autos, Industrien und sonstigen Umweltkillern zu verringern und auf umweltfreundlichere Alternativen umsteigen. Nur so kann verhindert werden, dass der Treibhauseffekt sich ins unermessliche steigert und bald eine Katastrophe die nächste jagt. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir anfangen, auf unsere Natur zu achten! Denn ohne sie können wir nicht leben!

Klimapolitik

Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, die lokales Handeln erfordert. Dabei ist der Klimawandel so heimtückisch wie eine Atomreaktorkatastrophe. Ein ökologischer Supergau, den man – ähnlich wie radioaktive Verseuchung - im persönlichen Alltag nicht auf Anhieb sehen, riechen oder schmecken kann. Der Klimawandel hat aber längst begonnen - und wir alle sind mittendrin. Die Weltgemeinschaft beschäftigte sich bei der Weltumweltkonferenz in Stockholm 1972 erstmals mit internationalen Vereinbarungen zum Schutz des Klimas. Seitdem treffen sich die Vertreter der Vereinten Nationen (UN) regelmäßig zu Klimakonferenzen. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist der 1988 gegründete zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderung. Das Expertengremium trägt weltweit alle Forschungsergebnisse zum Thema Klimaveränderung zusammen und wertet die Ergebnisse aus. Bislang wurden vier Berichte veröffentlicht: 1990, 1995, 2001 und 2007. Die Berichte machen deutlich, dass für den verheerenden Anstieg der Treibhausgase in erster Linie der Mensch verantwortlich ist.

Der Gipfel von Rio und das Protokoll von Kyoto sind Meilensteine in der internationalen Klimaschutzpolitik: Auf dem Gipfel von Rio 1992, an dem 178 Staaten mit 10 000 Delegierten teilnahmen, wurde die Klimarahmenkonvention - United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) – beschlossen. Sie bildet seitdem den Rahmen für die internationalen Klimaschutz-Bemühungen. Ziel des Übereinkommens ist die Stabilisierung der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau, mit welchem die gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert/noch rechtzeitig gestoppt wird.

Mit dem Kyoto-Protokoll von 1997 verpflichten sich die Industriestaaten, die Emissionsmenge der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 und 2012 unter den Wert von 1990 zu senken. Die Ziele sollen mittels sogenannter flexibler Mechanismen erreicht werden: Handel mit Emissionsrechten, gemeinsame Umsetzung von Klimaschutzprojekten zwischen Industriestaaten (Joint Implementation, JI) und mit Entwicklungsländern (Clean Development Mechanism, CDM). Klingt gut. Doch wie es nach 2012 weitergehen soll, ist noch völlig offen. Entwicklungs- und Schwellenländer wie China und Indien akzeptieren keinerlei Emissionsbegrenzungen. Das größte Problem ist allerdings, dass die USA, ein der mit Abstand größten Klimaverschmutzer, dem Kyoto-Protokoll nicht beigetreten sind.

EU-Richtlinien

Von Januar bis Juni 2007 hatte Deutschland den Vorsitz im EU-Rat, einem der wichtigsten Entscheidungsorgane der EU. Umweltverbände setzten große Hoffnungen auf die umweltpolitischen Ziele der Bundesregierung. Insbesondere im Bereich Klimaschutz und Energiepolitik. Die Umweltverbänden fordern von Deutschland eine Vorreiterrolle in diesen Bereichen. Vor allem sollen die Vorgaben des Kyoto-Protokolls umgesetzt und die CO2 Emissionen gesenkt werden. Erneuerbare, umweltfreundliche Energieformen wie Wind- und Sonnenenergie gilt es stärker zu fördern. Doch was genau haben Angela Merkel und die Bundesregierung sich für ihre Ratspräsidentschaft vorgenommen?

Gegen den Widerstand vieler Umweltminister der EU-Staaten hat der Ratsvorsitz eine Verringerung der Treibhausgas-Emissionen um 20% bis 2020 durchgesetzt. Sollten andere Industrienationen sich ebenfalls auf Emissionsminderungen in dieser Größenordnung einigen, so wären für die Umweltminister sogar 30% als Ziel vorstellbar. Weniger erfreuliche Ergebnisse gab es beim Streit um erneuerbare Energien. Hier wurde zwar beschlossen den Anteil an erneuerbaren Energien bis 2020 um 20% zu erhöhen, dies wurde jedoch nicht verbindlich festgelegt. Der Beschluss ist damit wenig wirksam. Enttäuschend sind bislang auch die Bemühungen der Bundesregierung um CO2-Grenzwerte für Pkw: Eine ursprünglich geplante Höchstgrenze von 120g CO2 pro Kilometer bis zum Jahre 2012 wurde unter Mitwirkung von Angela Merkel auf 130g abgeschwächt, ein Kompromiss für die Automobil-Lobby.

Umweltverbände fordern insgesamt höhere Zielvorgaben, damit die EU eine weltweite Vorreiterrolle im Klimaschutz einnimmt. Dazu zählt auch eine Reduzierung der CO2 Emission von 30% bis 2020. Bis 2050 soll im nächsten eine weltweite Reduktion der Treibhausgase von 50% erreicht werden. Um so eine Erwärmung von mehr als 2°C zu vermeiden. Für die Industrieländer würde dies eine Reduktion um 60-80% bedeuten. Außerdem fordert u.a. der NABU, auf der Selbstverpflichtung der Automobilindustrie zu bestehen. Diese soll eine Senkung der CO2-Emissionen von Pkws beinhalten. Schon jetzt ist allerdings abzusehen, dass diese Selbstverpflichtung nicht eingehalten wird.

Die Verhandlungen gehen weiter.

Alexander Balmert

Quellen

www.bundesregierung.de/ www.wwf.de/unsere-themen/politik/deutsche-eu-ratspraesidentschaft/ www.nabu.de/m06/m06_04/05814.html

Links zum Weiterlesen

http://www.aktion-klimaschutz.de/show_article.cfm?action=preview&id=3707 http://www.zeit.de/wissen/klima/forschung

Aktionsideen

(Jessica Franzen)