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Der Kranich

Die außerordentliche Wachsamkeit, Schönheit und der spektakuläre Balztanz des Kranichs (Grus grus) faszinieren den Menschen schon seit jeher. In der griechischen Mythologie stand der elegante Flieger für Klugheit und wurde als „Vogel des Glücks“ bezeichnet. Heute wird der fliegende Kranich als Markenzeichen für moderne Verkehrsmittel verwendet.

Der Kranich gehört zur Ordnung der Rallen- und Kranichvögel (Gruifomes) und ist neben dem in Zentraleuropa bereits ausgestorbenen Jungfernkranich (Anthropoides virgo) die einzige weit verbreitete Art in unserer Region. Charakteristisch für die hellgrauen Altvögel mit den langen Beinen und dem langen Hals sind das weiße Band, das vom Auge bis zum Hals läuft, und die verlängerten Schulterfedern, die einen buschigen „Schwanz“ bilden. Teilweise kann man aus der Nähe den auffälligen federlosen Scheitelfleck erkennen. Die Jungvögel sind eher bräunlich grau gefärbt und an Kopf, Hals und Beinen zimtbraun. Der Kranich wird etwa storchengroß, seine Spannweite beträgt bis zu 240 cm.

Im Sommer leben und brüten die monogamen Tiere in Niederungsgebieten wie z.B. Sümpfe, Moore, Feuchtwiesen, Bruchwälder und Verlandungszonen. Den kunstvollen Balztanz des Männchens, bei dem es mit den Flügeln schlägt, sich verbeugt und die typischen trompetenartigen Rufe ausstößt, kann man mit viel Glück und noch mehr Ausdauer und Tarngeschicklichkeit im Morgengrauen auf einem Rastplatz beobachten. Nach etwa einem Monat legt das Weibchen bis zu 3 Eier in ein umfangreiches Nest am Boden, bevorzugt auf kleinen Inseln, aus denen nach einem weiteren Monat die Jungen schlüpfen, die nach spätestens 30 Stunden das Nest verlassen haben und mit ihren Eltern auf Nahrungssuche gehen. Kraniche sind Allesfresser, bevorzugen im Sommer aber vor allem tierische Nahrung.

Zug

Ab September finden sich Tausende Vögel auf großen Sammelplätzen ein, wo sie sich auf den Zug in den Süden vorbereiten: Auf abgeernteten Feldern suchen sie in großen Gruppen nach Saatkörnern und Maisresten, die Nächte verbringen sie in seichten Gewässern um vor Feinden wie z.B. dem Fuchs geschützt zu sein. Je nach Witterung brechen die meisten europäischen Kraniche im Oktober oder November in ihre bis zu 10.000 km entfernten Winterquartiere in Südspanien, Nordostfrankreich und Nordafrika bzw. in der Türkei und Ostafrika auf. Die Vögel halten sich auf ihrem Weg an einen schmalen Korridor (ca. 100 km breit) und orientieren sich auf ihrem Flug an Leitlinien und Landmarken, die sie meist von ihren Eltern übernommen haben. Der Rückzug erfolgt im zeitigen Frühjahr und geht sehr viel eiliger vonstatten.

Kraniche im Klimawandel

Der letzte äußerst milde Winter veranlasste circa 7.500 bis 10.000 Kraniche, auf ihren Sammelplätzen in Deutschland zu bleiben und dort den Winter zu verbringen. Diese ungewöhnlich hohe Zahl kommt laut Günter Nowald, dem Leiter des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf bei Stralsund, auch aufgrund der widrigen Windverhältnisse zustande, die den Kranichen den Aufbruch erschwerten. Aber vor allem, da sie in deutschen Niederungen noch ausreichend Nahrung fanden. Die allgemeine Tendenz, dass infolge der Klimaveränderungen Zugvögel eher in ihre Brutgebiete zurückkehren, ist z.B. durch die frühzeitige Rückkehr einiger deutscher Kraniche schon im Januar 2007 zu erkennen.

Bestandsentwicklung

Der Bestand der deutschen Kraniche ist bis in die 60er Jahre hinein durch die Trockenlegung vieler Feuchtgebiete und Auenwälder soweit zurückgegangen, dass es nur noch rund 370 Paare in Ost- und 12 Paare in Westdeutschland gab, er wurde in der Roten Liste als Vom Aussterben bedroht eingestuft. Durch die gute Anpassungsfähigkeit des Kranichs an den Menschen und intensive Schutzmaßnahmen erholt sich die Art seit Mitte der 70er Jahre wieder. Die hauptsächlich in Nordostdeutschland beheimateten Vögel besiedeln immer mehr Gebiete auch in den Randzonen ihres Verbreitungsgebietes und haben ihren Lebensraum so inzwischen um bis zu 100 km nach Westen erweitert. So konnte sich der Bestand der Kraniche in den letzten 20 Jahren verdoppeln. Immer problematischer wird aber das zunehmende Interesse der Touristen am Herbstzug der Tiere und die damit einhergehenden Störungen der Vögel, die einen Fluchtradius von mehr als 300 m haben und sich leicht beim Fressen gestört fühlen. Auch das Verhalten der Landwirte erschwert den Kranichen die Nahrungssuche während der Herbstrast: Die abgeernteten Maisfelder werden immer schneller umgepflügt und neu eingesät. Dadurch bleibt für den Kranich weniger Nahrung und sie sind gezwungen, auf die Flächen mit der Wintersaat auszuweichen. Was den Bauern natürlich auch nicht recht ist. Zur Beruhigung des Konfliktes werden in der Nähe mancher Informationszentren Ablenkfütterungen gestreut.

Dorit Protze

Links zum Weiterlesen

Quellen

Roland Weiß (2003): Kranichzeit auf Rügen, Roland Weiß, 2. aktualisierte Auflage Christopher Perrins (1987): Pareys Naturführer Plus Vögel, Verlag Paul Parey Lars Jonsson (1993): Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes, Verlag Franckh-Kosmos, 2. Auflage

Mark Beaman und Steve Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung, Europa und Westpaläarktis, Verlag Eugen Ulmer greenpeace magazin 5.07

http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/natur/vogelzug_aid_122348.html http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/cstuecke/31452/index.html http://de.wikipedia.org/wiki/Kranich_(Art) http://www.natur-lexikon.com/Texte/SM/001/00016/SM00016.html http://www.kraniche.de/ http://www.ribnitz4kids.de/kranich.htm