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Kulturfolger

oder Hemerophile (griechisch hemeros = kultiviert, philos = Freund)

Definition

Unter Kulturfolgern versteht man Tiere und Pflanzen, die sich neue Lebensräume in Städten erobern. Da ihre ursprünglichen Habitate von Menschen so stark verändert wurden, bietet ihnen die Stadt so viele Vorteile, dass sie ihre alten Lebensräume aufgeben. Siehe auch Artikel über Pflanzen in der Stadt.

Geschichte

Noch vor 160 Jahren gab es z.B. außer Sperlingen, Tauben und Turmfalken keine freilebende Vogelvielfalt in der Stadt. Damals war die Grenze zwischen Stadt und Land so schroff, dass diese eine zu große Barriere für die Vögel war. Doch im Laufe der Zeit veränderte sich das Bild der Städte; die Stadtmauer bildete nicht mehr die unmittelbare Grenze, sondern es entstanden fast fließende Übergänge zwischen Stadt und Land. Vororte mit Gärten wurden gebaut, die den Landtieren den Zugang in die Städte ermöglichten. Heute bilden Städte für viele Tierarten schon eine Art Arche Noah, da ihre Lebensbedingungen auf dem Land so geändert wurden, dass die Stadt die letzte Zufluchtsstätte bildet.

Vor- und Nachteile

In den Städten herrscht ein milderes Klima, es gibt ein ausreichendes Nahrungsangebot und vor allem gute Versteck- und Brutmöglichkeiten. Einige Wildarten konnten sich sogar erst durch unsere Siedlungen in Deutschland richtig ausbreiten! Allerdings haben auch viele Tierarten, darunter der Haussperling, Fledermausarten, Rauch- und Mehlschwalben, sowie Weißstorch und Schleiereule, eine so starke Bindung an den Menschen und seine Gebäude entwickelt, dass wesentliche Veränderungen in der Bau- und Lebensweise ein örtliches Aussterben dieser Arten bedeuten können. Doch die größte Gefahr für alle Tiergruppen bildet der Autoverkehr. Wie oft habt ihr schon überfahrene Igel, Vögel, Ratten oder auch Füchse auf der Straße gesehen?

Lebensraum Stadt

Neben den oben genannten Tieren findet man weitere Arten wie Steinmarder, Mauersegler, Füchse, Kröten und Frösche in den verschiedenen Kleinbiotopen. Aber auch Ringelnattern, Rehe und sogar Wildschweine sind immer häufiger in den städtischen Randgebieten zu finden. Die Stadt ist nicht nur ein Ballungsraum für uns Menschen, sondern auch für Tiere! Wer von euch selbst mal auf Erkundungstour gehen möchte, findet in den frühen Abendstunden zum Beispiel an stillgelegten Schienenstrecken ideale Beobachtungsposten, um Füchsen bei der Jagd nach Wildkaninchen zuzuschauen. Wie Elstern und Krähen auf dem Schotterbett der Gleise nach Eidechsen schnappen oder Waldkäuze gegen Mitternacht lautlos nach Mäusen und Kröten jagen, das alles und vieles mehr könnt ihr an solchen Plätzen beobachten!
Der Haussperling Foto von Kurt Bouda/pixelio.de

Links zum Weiterlesen

Aktionsideen

Quellen

  • Dröscher, Tiere in Ihrem Lebensraum
  • Steinbach, Wir tun was... Für mehr Natur in Dorf und Stadt