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Neophyten - ein Problem für unsere Vielfalt?

Neophyt - Das Wort setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort neo=neu und phyton=Pflanze, bedeutet also: „Neue Pflanze“. Es handelt sich dabei um Pflanzenarten, die in irgendeiner Form durch das Handeln des Menschen von ihrem eigentlichen Siedlungsgebiet und in ganz andere Gegenden der Welt „verschleppt“ worden sind. Meistens passiert das zufällig, aber oft – man muss nur mal an Parks und Gärten denken- wurden „fremde“ Arten auch gezielt zu irgendeinem Zweck angesiedelt. Es ist aber absolut falsch zu sagen, dass alle gebietsfremden Arten ein Problem darstellen! Nein, zum Glück ist es nur ein sehr kleiner Teil, denn die allermeisten Arten sterben in einer fremden Umgebung sofort ab oder sind zu schwach, um sich flächenhaft auszubreiten.

Aber die, die sich hier bei uns wohl fühlen und geeignete Standortbedingungen vorfinden, können schon eher zum Problem werden. Meist haben solche Arten eine hohe Reproduktion, also vermehren sich einfach, schnell und viel. Auch durch starkes Wachstum oder besonders schwer zu entfernendes Wurzelwerk, welches immer wieder austreibt, wird ihre massenhafte Verbreitung begünstigt. Dazu kommt oft, dass sie in der neuen Umgebung keine natürlichen Feinde haben.

Invasive Neophyten

Diese und andere Faktoren haben dazu geführt, dass wir es bisher mit einer Handvoll so genannter „Invasiver Arten“ oder „Invasiver Neophyten“ zu tun haben – auch am Flussufer! Sie zeichnen sich im wesentlichen dadurch aus, dass sie

  • einheimische Arten gefährden oder verdrängen
  • heimische Ökosysteme verändern
  • wirtschaftliche Schäden verursachen oder
  • die Gesundheit des Menschen gefährden.

Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass sich etwa ein Tausendstel aller eingebrachten Arten zu problematischen „Invasiven Neophyten“ entwickeln.

Zwei davon, die gerne in Ufernähe wachsen, sind bei uns das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) und der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica).

Springkraut am Fluss Foto von Maja Dumat/pixelio.de
Datei:Staudenknöterich MajaDumat.jpg
Trieb eines japanischen Staudenknöterichs Foto von Maja Dumat/pixelio.de
Datei:Bärenklau GabiSchoenemann.jpg
Bärenklau im Gegenlicht Foto von Gabi Schoenemann/pixelio.de


Indisches Springkraut

Das Indische oder auch „Drüsige Springkraut“ stammt ursprünglich aus dem Himalaja-Gebirge in Asien und kam schon im 19. Jahrhundert nach Mitteleuropa. Mittlerweile ist es flächendeckend verbreitet und hat den Status einer „eingebürgerten“ bzw. „etablierten“ Art. Das heißt, es breitet sich schon seit mehreren Generationen von selber aus und bildet stabile Populationen. Sicherlich hat jeder von euch die intensiv riechenden rosa-pinken Blüten und die prallvollen Samenkapseln schon mal gesehen. Das Springkraut besitzt einen interessanten Verbreitungsmechanismus: Die reifen Samenkapseln springen bei Berührung explosionsartig auf. Dadurch werden die Samen meterweit herausgeschleudert. Da es feuchte bis nasse Böden und schattige Standorte liebt, kommt das Springkraut vorwiegend in Flussnähe und Auenwäldern vor. Der Name „Kraut“ ist bei einer Höhe von bis zu 2,5 Metern auch nicht gerade angebracht! Flächendeckende Reinbestände dieser Art können einheimische Arten regelrecht unterdrücken, indem sie diesen den Platz und das Licht wegnehmen. Hinzu kommt, dass die Pflanze einen wohlschmeckenden Nektar für Hummeln und Bienen besitzt, weshalb diese Insekten bevorzugt das Springkraut anfliegen, alle anderen Pflanzen werden uninteressant. Das bedeutet, dass die einheimischen Pflanzen nicht nur ein Platzproblem bekommen, sondern es auch schwerer haben, sich fortzupflanzen. Für unsere Bienen und Hummeln mag es ja nett sein, eine so reichhaltige Nahrungsquelle zu haben, jedoch leiden bestimmte Insekten wie seltene Schmetterlinge oder Falter, die auf spezifische Pflanzen angewiesen sind, darunter: Werden diese Pflanzen von dem Springkraut verdrängt, werden auch die seltenen Insekten weniger.

Im Winter stirbt die Pflanze ab und hinterlässt eine so hohe Streuauflage, dass heimische Arten im Frühjahr am Austreiben gehindert werden können. Damit bedroht das Springkraut die einheimische Biodiversität. Die neue Springkraut-Generation entsteht im April oder Mai aus den vielen Samen, die im Spätsommer „weggeschleudert“ wurden.

Japanischer Staudenknöterich

Der japanische Staudenknöterich kommt ursprünglich aus Ostasien und wurde im 19. Jahrhundert als Zier- und Futterpflanze bei uns in Europa eingeführt. Er ist im Gegensatz zum Springkraut mehrjährig, denn er kann immer wieder aus seinem weit verzweigten Wurzelstocksystem oder sogar aus kleinen Wurzelstücken austreiben. Bei Frost stirbt zwar der oberirdische Teil der Pflanze ab, aber sein Wurzelstock lebt weiter. Gleichzeitig ist er extrem schnellwüchsig, in nur wenigen Wochen kommt er auf eine Höhe von 3 bis 4 Metern. Da der Staudenknöterich besonders robust und schnellwüchsig ist und gerne ausgedehnte Bestände bildet, wird er zu einer Gefahr für die heimische Flora. Er bevorzugt ebenfalls Standorte in Wassernähe, allerdings meist in höher gelegenen Uferabschnitten, da er Hochwasser nicht gut verträgt.

Riesenbärenklau oder Herkulesstaude

Beim Riesenbärenklau läuft es ähnlich, wie bei den bereits genannten Neophyten, allerdings kommt hier noch die Gefahr für den Menschen hinzu. Obwohl es natürlich zahlreiche Wildkräuter, Baum- und Gräserarten gibt, die nach Deutschland gebracht wurden, ohne dass sie die einheimische Artenvielfalt bedrohen – im Gegenteil, diese Pflanzen können die einheimische Vielfalt bereichern -, stellt gerade die Herkulesstaude ein Problem dar, welches erkannt werden muss. Der besonders für Kinder gefährliche Riesenbeerenklau hat hier nichts verloren!

Bekämpfung

Eine Bekämpfung von invasiven Neophyten ist meist schwieriger als man denkt, handelt es sich doch um Arten, die gerade wegen ihrer Fortpflanzungs- und Ausbreitungsstrategien so viel Erfolg haben. Dass man einmal etablierte Arten wieder los wird, ist fast schon eine Illusion. Viel wichtiger ist heute die Prävention, also das Verhindern oder die Eindämmung einer weiteren Ausbreitung bzw. die Kontrolle der Populationen an den Stellen, an denen sie eine Bedrohung für schützenswerte Pflanzengesellschaften darstellen. Dafür gibt es meist noch keine „Ideallösungen“, oft muss man je nach Standort eine geeignete Strategie entwickeln, um dieser hartnäckigen Pflanzen Herr zu werden. Der Staat sieht sich bei der Umsetzung der größtenteils sehr zeit- und arbeitsintensiven (und deshalb teuren!) Maßnahmen vollkommen überfordert. Deswegen kann es gar nicht schaden, mal selber mit anzupacken! Schaut mal bei der Aktionsidee „Unkraut jäten am Flussufer“ nach…

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Aktionsideen

Quelle