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Pflanzen in der Stadt

Nachtkerze Foto von Karl-Heinz Liebisch/pixelio.de

Ohne die Aktivitäten der Menschen wäre Mitteleuropa mit Ausnahme der Gewässer und der höchsten Bergregionen fast vollständig mit einer Pflanzendecke überzogen. Das kann man sich in der heutigen Zeit doch kaum vorstellen!! Aber wer von euch schon mal genauer seine Umwelt betrachtet hat, wird festgestellt haben, dass sich auf vegetationsfreiem Boden innerhalb kurzer Zeit eine nahezu geschlossene Pflanzendecke bildet. Ebenso verhält es sich mit den auf den ersten Blick lebensfeindlichen Asphaltdecken und Steinmauern. Auf diesen Standorten geht die Besiedelung zwar nicht so schnell vonstatten, aber auch dort lassen sich nach einiger Zeit Pflanzen finden.

Die urbanophilen Arten sind oft so sehr an die speziellen Standortfaktoren der Stadt angepasst, dass sie auch nur selten in außerstädtischen Bereichen "Wurzel" fassen können. Zu ihnen zählt man die Gewöhnliche Nachtkerze und die Mäusegerste. Sie finden im Siedlungsraum ideale Bedingungen, denn sie mögen es vor allem gerne warm und Städte sind grundsätzlich ein paar Grad wärmer als ihr Umland.

Wie Pflanzen und Insekten das Pflaster erobern kannst du hier nachlesen.

Industrie- und Bahngelände

Standorte von besonderem Interesse sind Flächen der Großindustrie und Eisenbahngelände. Richtig gelesen! Diesen Flächen, an die man sonst als letztes denken würde, kommt eine große Bedeutung zu.

Näheres findest du hier.

Industrie

Alte großindustrielle Anlagenkomplexe enthalten oft großflächig unversiegelte Flächen. Es lässt sich ein breites ökologisches Spektrum mit einem großen Anteil verschiedenster Extremstandorte feststellen. Zu den Extremstandorten zählen durch Schwermetalle konterminierte Böden. Sie haben z.B. mit Bodenverdichtung, sowie extremer Staunässe und Trockenheit zu kämpfen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass diese Flächen sehr artenreich sind und man oft auch gefährdete Arten findet.

Bahngelände

Bahngelände gehören zu den botanisch wohl bestuntersuchtesten Habitaten (Lebensräume) der Stadt. Für Pflanzen ist es nicht so einfach, diesen Lebensraum zu erobern, da genutzte Bereiche regelmäßig mit Herbiziden behandelt werden. Auch auf aufgegebenen Standorten sieht es nicht besser aus, da die Rohböden an den Gleiskörpern oft sehr trocken und die umgebenden Aufschüttungen extrem alkalisch sind. Auf jedem Bahnhof gibt es allerdings auch Flächen, die nicht regelmäßig gespritzt werden. Auf diesen bilden sich artenreiche Vegetationskomplexe, die über mehrere Jahre ungestört bleiben.

Die Pflanzenwelt zwischen den Gleisen kannst du hier erforschen.

Die Stadt ist also nicht die unbelebte Betonwüste, sondern ein lebendiger und blühender Flickenteppich, aus verschiedensten Standorten!


Nicht alle Pflanzen leben gerne in der Stadt

Besiedeln Pflanzen also alle möglichen Standorte? Ein klares Nein! Pflanzen haben verschiedene Ansprüche an die sog. Standortfaktoren. Damit sind Luft, Boden und Wasser gemeint. Allgemein lässt sich sagen, dass Pflanzen empfindlich gegenüber Schwermetallen, bestimmten Salzen und Säuren sind. Pflanzen haben es inder Stadt also grundsätzlich schwer. Aber wie sieht die Vegetation in einer Stadt dann aus? Unter natürlichen Bedingungen ist letztendlich die zwischenartliche Konkurrenz für die Zusammensetzung der Vegetation verantwortlich. Die Pflanzen einer Stadt kann man in stadtfliehend-urbanophobe, in Stadt und Umland verbreitete-urbanoneutrale und stadtbevorzugende-urbanophile Pflanzenarten unterteilen. In unseren Städten findet man keine Arten, die empfindlich auf Tritt, Überschüttung und Hacken reagieren; zu diesen urbanophoben Arten gehören Orchideen, die meisten Liliengewächse und viele Sauergräser. Zu den urbanoneutralen Arten gehören z.B. Weißer Gänsefuß und Kleinblättriges Knopfkraut, ebenso die Trittpflanzengesellschaften, in denen der Breitblättrige Wegerich und der Vogelknöterich vorkommen.

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