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Pflasterritze

M.Balzer_pixelio.de

Eldorado in der Ritze- Wie Pflanzen und Insekten den Raum Pflaster erobern

In unserer hektischen Zeit nehmen wir immer weniger von unserer Umwelt wahr und schon gar nicht die Fläche, auf der wir tagtäglich laufen. Jetzt denkt der ein oder andere vielleicht: Ist doch sowieso alles zugepflastert (siehe auch Artikel zum Flächenverbrauch)!

Pflanzen

Aber wenn man mal genauer hinschaut, fallen einem vielleicht die kleinen grünen, nein, nicht Männchen, sondern Pflanzen auf! Selbst unter den ungünstigen Bedingungen wie Tritt, Trockenheit und Nährstoffmangel finden Pflanzen in den Pflasterritzen einen Lebensraum! Der Grund hierfür liegt in ihrer Anpassung an den so feindlichen Wohnort. Sie sind sogenannte "Neophyten". Sie sind nicht nur äußerst klein und verzweigen sich nahe der Bodenoberfläche, sondern sind auch elastisch, wodurch sie das Biegen durch die Tritte der Passanten gut überstehen. Mit ihren relativ tiefen Wurzeln kommen sie an die nötigen Nährstoffe und genügend Wasser. Auf besonders lückenlos gepflasterten Flächen findet man beim genaueren Hingucken zwei unscheinbare, kleine Pflanzen: Das moosähnliche Niederliegende Mastkraut oder das grünsilbrige Silbermoos. Diese Pflanzen sind so winzig, dass ihre Pflanzenteile nicht über die Pflastersteine herausragen und so einer Beschädigung entgehen können. Außerdem ertragen sie am besten das tagtägliche Getrampel der Fußgänger. Sobald die mechanische Belastung zurückgeht, finden sich auch andere Pflanzenarten ein, wie das Einjährige Rispengras oder der Vogelknöterich. Verbessern sich die Lebensbedingungen weiterhin, findet man bald den Breitwegerich, den Löwenzahn, die Strahllose Kamille oder das Hirtentäschelkraut. Allgemein kann man sagen, dass der ausschlaggebende Faktor für den Fortbestand dieser Pflanzengesellschaften das Betreten und Befahren ist. Fällt dieser aus irgendwelchen Gründen einmal weg, setzt schnell eine Sukzession in Richtung höherer Pflanzen ein.

Insekten

Aber nicht nur Pflanzen, sondern auch einige Insekten haben den Lebensraum Pflasterritze erobert! Unter gepflasterten Flächen finden vor allem Stechimmen (Aculeata) ein neues Habitat. Besonders sandbewohnende Arten können den ungewöhnlichen Lebensraum perfekt nutzen. Sie graben sich durch die Pflasterritzen bis unter die Steine, wo sich der Bausand befindet, und legen dort ihre Eier ab. Dies bringt ihnen noch einen Vorteil gegenüber ihren Artgenossen, die auf die herkömmliche Weise nisten, ein. Dadurch, dass sich die Straßenbepflasterung sehr schnell erwärmt, können sich auch die Eier unter den Steinen schneller entwickeln. So kann es sogar passieren, dass statt einer, zwei Generationen von Stechimmen in einem Jahr schlüpfen können!!

Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt, lohnt es sich, das, was wir mit Füßen treten mal näher ins Auge zu fassen, denn zu entdecken gibt es immer etwas, und sei es nur den kleinen Löwenzahn.

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