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Inhaltsverzeichnis

Schutz vor Hochwasser

Der Hochwasserschutz der Zukunft ist integrierter ökologischer Hochwasserschutz!

Hochwasserschutz ist besonders teuer. Der sog. konventionelle Hochwasserschutz ist sehr teuer - das war schon immer so. Ökologischer Hochwasserschutz (z.B. durch Auenprogramme) ist genauso teuer. Häufig kann ein Typ nicht den anderen ersetzen.

So ist z.B. bei einer ökologisch und hochwassertechnisch sinnvollen Rückanbindung von Altarmen mit einer Deichrückverlegung eine Doppelbelastung, die häufig gemieden wird. Statt einer Deicherhöhung auf alter Linie (konventionelle Lösung) kommt nämlich bei der größeren Variante noch die Summe für den Rückkauf der Auflächen und die zusätzlichen Deichmeter hinzu. Häufig wird kurzfristig gedacht und dann nur die Minimallösung durchgezogen: Deicherhöhung auf alter Linie. Das ist billiger - unökologisch unsolidarisch gegenüber anderen Gemeinden und kann später ganz schön teuer werden.

Datei:Retentionsfläche hochwasserspecial.jpg
Retentionsfläche in Süddeutschland - kein Problem mehr mit Sommer- oder Winterhochwassern

Eine Mischung aus Nicht-Versiegelungs- bzw. Entsiegelungs-Politik, Klimaschutz, passiven ökologischen Überflutungsflächen (also vor allem natürlichen Auen) und ingenieurwissenschaftlichen Lösungen bringt es. Während die ersten die meisten kleineren Hochwässer natürlich abfangen und attraktive Lebensräume sowie 1a-Erholungsgebiete für den Menschen bilden können, können mit vom Menschen bedienbaren Überflutungsflächen (Entlastungspolder mit Schleusen) die Hochwasserspitzen ("peaks") abgefedert werden. Allerdings ist die ingenieurwissenschaftliche Lösung ähnlicher einer Arznei, die (s.o.) in hohen Dosen wie ein Gift wirkt und Hochwasser verschiebt. Klimaschutz und vernünftiger Flächenschutz fangen übrigens bei jedem selber an, also auch bei DIR! Hier sind auch Privatleute wie auch Kommunen gefordert, die nicht an potenzielle Hochwassergebiete grenzen und von Überflutungen betroffen sind.

Wie sollte man auf Hochwasser persönlich reagieren oder sich darauf vorbereiten?

Obwohl Hochwasser mit einer gewissen Vorhersagbarkeit ablaufen, wäre es unseriös spezifische Tipps an dieser Stelle zu geben, was wann zu tun wäre, denn kein Hochwasser ist so wie das andere, nicht einmal an der selben Stelle. Beobachte und verfolge daher aktuelle Entwicklungen aufmerksam und frühzeitig!

Tipps zur Prävention

Wichtigstes Instrument ist eine "Checkliste", die wichtige Aufgaben, Handlungsabläufe sowie Informationen bündelt. (Hier sollte in jedem Fall auch die Telefonnummer der Hochwassermeldebehörde sowie Sammelpunkte drin stehen.) Checklisten sollten alle Punkte enthalten, die wichtig sind und alle Fragen, die sich im Einzelfall stellen könnten. Checklisten schaffen Routine und helfen, einen Überblick über die wichtigsten Aufgaben zu haben. Manche Betroffene, Fachbuchautoren und auch Internetseiten geben für klassische Überschwemmungsgebiete den Rat, sich ein "Hochwasser-Set" oder eine "Hochwasser-Box" zu packen, die einmal pro Halbjahr auf Vollständigkeit gecheckt werden soll. In dieses Set sollen ausschließlich Dinge gelangen, die nur im Fall des Hochwassers genutzt werden können - Begründung: anderweitig genutzte Gegenstände (wie z.B. Werkzeug) könnten im Notfall doch wieder irgendwo gelandet sein oder (wie Taschenlampen) im Notfall unbrauchbar sein. Der Begriff "Set" ist umfassender gemeint- es kann auch eine bestimmte Lagerstätte sein, die allen Bewohnern bekannt ist (und die am besten nicht sofort mit überschwemmt wird).

Rheinhochwasser

Ansonsten kann man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, was passiert, wenn der Keller bzw. die unteren Geschosse voll laufen. Keller und Erdgeschoss sind heute durchaus so ausbaubar wie jede andere Wohnfläche und haben oft sehr teure Güter (Heimkinoanlage/Partykelleranlage/ Gefriertruhen/Maschinen/Werkbank) oder in Verbindung mit Wasser gefährliche Substanzen (lösliche Chemie, Ölreste). Bitte nur das im Keller lagern, was A) eine Überschwemmung überstehen könnte oder B) leicht und schnell abgebaut werden kann. Der klassische Problem-Fall ist die Ölheizung und der Öltank, der bei einem Hochwasser aufgeschwemmt wird und das Öl die gesamte Wohnung und die Umwelt langfristig unbewohnbar macht bzw. verseucht. Während eine normale Überschwemmung bei gesicherten Öllagerstätten gibt es zwar Feuchteschäden, aber keinen "privaten Chemieunfall". Die Druck- und Auftriebskräfte auf Behälter werden oft unterschätzt. (Kleines Rechenbeispiel: Auf einen 3.000 Liter-Öltank, der fast leer ist wirken bei vollständiger Überschwemmung ein Druck von etwa 3 Tonnen minus das Eigengewicht der Anlage! So kommen schnell 2 Tonnen Auftrieb zusammen, die von einfachen Verankerungen kaum gehalten werden.) Ein Fachmann berät hier gerne, wie man ein Aufschwemmen verhindern kann. Wertgegenstände, Dokumenten (insbesondere schwierig zu transportierende, wie Bilder/Kunstgegenstände) sollten nicht im Keller gelagert werden. Immer ggf. Kopien an anderen Orten lagern, sofern möglich. Autos und bewegbare Gegenstände sowie ggf. Tiere in Sicherheit auf höheres Gebiet bringen, sofern Zeit bleibt. Dabei darauf achten, dass kein Zugangsweg versperrt wird.

Bei einem Hochwasser schwimmt alles weg, was nicht durch Räume gesichert oder angebunden ist. Beispielsweise Holzbalken, Container oder auch ander schwimmfähige Gegenstände müssen angebunden oder gesichert werden. Technisch lösbar ist auch das Problem des Rückschlags von Wasser durch die Kanalisation (häufiger Schadensfall!), hier kann ein Rückschlagventil bei allen unterhalb der nächsten Kanalöffnung liegenden Abflüssen sinnvoll sein. Macht Hochwasser zum Thema in der Familie/ Hausgemeinschaft auch in der Nachbarschaft, in der Kommune- möglicherweise gibt es bereits "Fachleute"?! Ein detaillierter privater Notfallplan ist zwar nicht unbedingt nötig, aber vielleicht eine Checkliste, die man abhaken kann.

"Und wenn ich in Urlaub bin?" Böse Überraschungen lassen sich vermeiden, wenn geklärt ist, wer bei Abwesenheit das Haus wie betreten kann, um bei drohendem Hochwasser zumindest einige Werte zu retten. Die beste Hochwasserpumpe nutzt nichts, wenn der Nachbar sie weder finden noch bedienen kann.

Wie wird gewarnt?

A) Auch bei Normalwasserstand werden von den zuständigen Ämtern die Pegelstände veröffentlicht. In der Bundesrepublik existieren (ohne Gewähr) für viele traditionelle Flussniederungen folgende Info-Möglichkeiten:

  • Automatische Fernsprechansage durch die Telekom
  • Anrufbeantworter an örtlichen Pegeln, die Nummer ist häufig für viele Flussgebiete gleich (z.B. für Rhein,Mosel,Saar&Lahn jeweils 19429 im Ortsnetz)
  • Videotext des öffentlich-rechtlichen Fernsehanbieter der Region
  • Internetseite der jeweiligen Behörde - einsehbar unter www.hochwasserzentralen.de
  • teilweise sogar WAP-Service für WAP-fähige Handys
  • weitere Infomedien (Anschläge etc.) entnehme man den zuständigen Behörden

B) Zusätzliche Warndienste bei kritischem Wasserstand oder erwartetem Anstieg:

Je nach Lage gibt es in der Regel einen bestimmten Hochwasserpegel ab dem ein öffentlicher Warndienst eingerichtet bzw. eingestellt wird. Ist dieser Pegel überschritten, läuft eine amtliche Routine an. Dazu wird mit und in lokalen Medien (hier v.a. dem Radio) zeitnah eine Meldung veröffentlicht. Ist ein besonders schwerwiegendes Hochwasser erwartbar, so gibt es im Radio Sondermeldungen im Sinne des Katastrophenschutzes, also: Radio hören. Neben den Pegelständen wird auch (viel wichtiger) über die Entwicklung eine Prognose von bis zu 24 h abgegeben. Die unter A) genannten Möglichkeiten bestehen übrigens weiter.

Tipps während eines akuten Hochwassers

Pegel und Abfluss

Bei Hochwassern wird meist auf den Pegel geschaut - weil dort am einfachsten ablesbar scheint, ob das Wasser steigt oder nicht.

Es gibt für die meisten Länder und Landkreise sowie für größere Städte Behörden, die die Flusspegel kontrollieren. Eine bundesweite Liste der Hochwasserzentralen (incl. europäischer Anrainerstaaten) gibt es unter www.hochwasserzentralen.de. Die Ämter müssen bei bestimmten Pegeln eine öffentliche Hochwasserwarnung (in mehreren Stufen) herausgeben. Zusätzlich sind die Wetterdienste wie der Deutsche Wetterdienst gute bis mäßig gute Infoquellen*

  • Kritische Anmerkung: Das Problem bei den letzten "Jahrhunderthochwassern" war, dass sie von relativ unscheinbaren Bächen ausgegangen sind an denen kaum Messstationen lagen und die nicht so aufmerksam beobachtet werden. Die größeren Flüsse werden extremer wirtschaftlich genutzt, z.B. für die Schifffahrt, daher werden diese sehr genau beobachtet. Sensibilität ist jedoch auch bei kleinen Bächen mit großem Einzugsgebiet und/oder starkem Gefälle (Bergregion) nötig.

Helfen können neben amtlichen Informationen die Erfahrungsberichte anderer Betroffener und aktuelle Meldungen der Medien.


Irgendwann fällt einem auf, dass der Pegel z.B. von Köln höher ist als der von Rees, was Kilometer weiter unten liegt. Hintergrund ist, dass ein Pegel immer nur den Stand eines bestimmten Standorts, einer bestimmten Messmethode wiedergibt.

Daher ist der Blick auf den Abfluß (genannt HQ) - denn der zeigt den zu einem Zeitpunkt innerhalb einer Sekunde am Messort durchfließenden Wassers. Dieser ist besser geeignet als der Pegel. Hintergrund ist, dass ein Pegel immer nur den Stand eines bestimmten Standorts, einer bestimmten Messmethode wiederspiegelt. Da das Flussbett sich verändert, kann man nicht davon ausgehen, dass flussabwärts die Pegel höher sind, obwohl (z.B. durch Zuflüsse) mehr Wasserinput hereinkommt.

Aber auch hier lauert ein Problem: Steigt ein Pegel zunächst um 10 cm und am nächsten Tag noch einmal um 10 cm, heisst das nicht, dass sich der Wasserdurchfluss jeweils gleich erhöht hat. Denn weil der Fluss ein schräges Profil hat, muss bei höherem Pegel überproportional mehr Wasser durch fließen.

Stichwort Grundwassereinbruch

Beachtung sollte auch ein scheinbar durch einen Deich "gebanntes Hochwasser" finden, dass hinter einem naheliegenden Deich bleibt, denn über den erhöhten Grundwasserspiegel kann schleichend Wasser eindringen und der Keller volllaufen! Insbesondere bei längerem Hochwasser kann dieser Prozess langsamer und später als das sichtbare Hochwasser auf der Öberfläche auftreten und auch weggehen.

Auf das Wetter achten

Es gibt auch hier keine Faustformel, aber meist geht dem Ereignis ein besonders starkes Regenaufkommen voraus aber dies kann durchaus am späteren Überschwemmungsgebiet wenig bemerkbar sein, wenn das Fließgewässer besonders viele oder entfernte Zuflüsse hat. Besonders bei der Kombination von Regen und gefrorenem Boden kann schnell eine Flut entstehen.

Aktuelle Informationen helfen, richtige und zeitnahe Entscheidungen zu treffen! Man sollte sich ständig über die offiziellen Pegel- und Wetter-Prognosen und deren Entwicklung informieren - am besten ist ein netzstromunabhängiges Radio (Handys und Telefone sind meist abgeschaltet und/oder überlastet, TV zu überregional). Was man zur Sicherung von Hab und Gut sowie der Bewohner tun kann, soll man tun. Bitte auch auf Nachbarn achten, die möglicherweise (durch Alter/körperliche Behinderung) sich selber nicht evakuieren können. Nicht Deutsch sprechende Nachbarn verstehen möglicherweise Warnungen (z.B. Radiomeldungen) nicht, also im Zweifel kurz vorbei schauen. Kontrollieren Sie vor Verlassen des Hauses alle anderen Wohnungen (auch auf Haustiere).

Bei Überflutung

Scheint es wahrscheinlich, dass man vollständig überflutet und abgeschnitten wird, sollte man sich darauf einstellen, mehrere Tage weder Strom noch Trinkwasser zu bekommen - grad trinkbares Wasser ist später ein Problem, das oft zu Beginn vergessen wird. Strom und Wasser können tödliche Stromschocks auslösen, liegt ein Teil oder alle Stromleitungen in überfluteten Bereichen, sollte man die Hausversorgung vor Eindringen des Wassers abschalten - Hauptsicherung ziehen! Eine alternative Stromversorgung (per Notstromaggregat) kann trotz abgeschaltetem Strom noch Pumpen betreiben. Möglicherweise können durch lange oder starke Wassereinwirkung Erde/Dämme/Erdfundamente weich werden. Bitte auf Hinweise der Erosion/Durchsickerung achten, feuchte Erde kann nicht mehr so belastet werden und kann abrutschen.

Kontrollierte Flutung?

Entscheide, welche Räume eher volllaufen können als andere. Eine kontrollierte Flutung (ggf. mit sauberem Leitungs-Wasser) ist besser als ein plötzliches Nachgeben der Schutzwände oder gar von Gebäudeteilen! Tritt bereits Wasser ein, den Bereich unterhalb der Wasserlinie nur dann betreten, wenn kein plötzlicher Wassereinbruch (z.B. durch Bruch einer Abdichtung) zu befürchten ist. Wenn z.B. der Aufstieg aus einem Keller nicht mehr möglich ist, kann dies tödliche Folgen haben. Bei Sicherungsarbeiten nie alleine arbeiten!

Gesundheit

Vor allem Öltanks/Chemikalien/wasserlösliche Gefahrstoffe sichern oder umlagern, sonst verschlimmert sich der Schaden für Mensch und Umwelt (z.B. ist das Haus durch chemische Verseuchung oder Öl unbewohnbar). Chemische Verunreinigungen können von Chemiewerken oder/und von Privatquellen her kommen, erstere sind meist bekannt und werden per Radio gemeldet, letztere sind häufig nicht bekannt und daher tückischer. Es sei auch auf die Infektionsgefahr durch Fäkalien hingewiesen, das Tragen von Schutzkleidung bzw. ggf. eine Hepatitis-A-Immunisierung sind für Hochwasser-Helfer meist vorgeschrieben oder zumindest empfohlen (lt. Hinweis des Landes Brandenburg). Das Wasser kann sowohl bakteriell wie auch chemisch verseucht sein, also durch mitgeschwemmte Chemie belastet sein. Kontakt zu angeschwemmten Gegenständen (insb. zu Tierkadavern, Fässern) vermeiden bzw. minimieren. Nur sauberes/desinfiziertes Wasser trinken. Dies sind empfohlene Vorsichtmaßnahmen, für Panik in Bezug auf Infektionen besteht kein Anlass: in den letzten Hochwasserkatastrophen gab es keine große Infektionswelle obwohl von der Lufttemperatur dafür ideale Verhältnisse geherrscht hätten. Hinzu kommt die große Verdünnung - welche allerdings bei am oder in der Nähe des Einsatzortes liegenden Verunreinigungen nicht zum Tragen kommt.

Man sollte den Anweisungen der Polizei/Feuerwehr/THW oder anderen Einsatzkräften des Zivilschutzes unbedingt folgen! Oft zeigt sich: Das Wasser kann man in der Regel nicht mit eigenen zur Verfügung stehenden Mitteln aufhalten, was man tun kann, ist den Schaden begrenzen.

Tipps nach einem Hochwasser

Für das nächste Mal dokumentieren!

Auch jenseits von Schadensersatzforderungen: Eine ausführliche Dokumentation hilft bei einem weiteren Ereignis, genauer und besser zu reagieren, wird aber meist vergessen oder geht im Streß unter. Jeder muss auch überlegen, welche Konsequenzen er für das nächste Mal aus dem Hochwasser zieht! Man sollte alle Schäden aber auch den Verlauf/das Ausmaß der Überschwemmungen dokumentieren (Foto, Bericht, Markierungen etc.) und sich bei Behörden & Versicherungen möglichst schnell melden.

Schäden beseitigen

Zur Beseitigung von Schlamm ist nur zu sagen, dass Schlamm in trockenem Zustand betonhart werden kann, er sollte im noch feuchten Zustand herausgespült oder abgetragen werden. Schlamm enthält übrigens höhere Konzentrationen von Schwermetallen/Schadstoffen, sofern er kontaminiert ist. Ob ein sofortiges Abpumpen des Wassers für ein Gebäude nützlich ist oder den Schaden vergrößert - darüber gibt es unterschiedliche Meinungen (bei Fachleuten oder ggf. in Internetforen informieren) und ist abhängig von der Bauart des Gebäudes und der Dauer der Überschwemmung. Gefährlich ist vor allem das Abpumpen von Wasser in einem Gebäude, wenn außen das Wasser noch gegen die Mauern drückt, weil durch den enormen Druck Wände reissen können. Auch über die Frage, wie langsam oder schnell man ein Gebäude trocknen sollte, kann nicht pauschal geantwortet werden. Nach einem Hochwasser haben die Reinigungskräfte oft viel zu tun. Bitte achtet darauf, dass der Müll auch ordnungsgemäß getrennt wird und nicht Sondermüll und Hausmüll gemischt wird.

Grundsatz bei Hochwassern

Menschenleben vor Hab & Gut!

Im Sommerhochwasser 2002 starben Menschen, weil sie trotz Warnung/angeordneter Evakuierung noch ihr Hab und Gut sichern wollten. Niemand sollte bei angeordneter Evakuierung sich widersetzen, denn er gefährdet nicht nur sich, sondern auch die Einsatzkräfte, die ihn ggf. bergen müssen. Menschenleben geht vor Sicherung von materiellen Gütern.

Hochwasserangepasste Architektur

Früher gab es in traditionellen Hochwassergebieten noch wenig Deiche. In den Gebäuden waren Hochwasser schon eingeplant (z.B. in den Elbniederungen). Man hatte keine Pumpen aber auch keinen Keller, das untere (oft gekachelte) Geschoss wurde geräumt und dann nach dem Hochwasser wieder vom Schlamm befreit.

Andere Lösungen sind die "Warften" der friesischen Halligen. Bis vor wenigen Jahren ohne Damm und Eindeichung liegen die Häuser z.B. auf Langeneß alle auf Erdhügeln und bleiben trocken. Weil wir das Problem Hochwasser vergessen und verdrängt haben, sind diese alten Bauformen kaum noch praktiziert worden, erst durch das Hochwasser 2002 wurden auch architektonische Lösungen verstärkt angedacht. Dennoch gibt es neue Ansätze, vor allen Dingen an der Mosel oder größeren Flüssen. Dort sind z.B. die unteren Stockwerke so gebaut, dass sie schneller trocknen und es kaum Risse gibt. Außerdem ist die Ölheizung (sofern überhaupt vorhanden) und die Energieversorgung oben am Haus angebracht oder überflutungsfähig. Bei den Menschen in traditionellen Überschwemmungsgebieten kann man auch eine entsprechend gelassenere Einstellung bemerken.

Hier gibt es ebenfalls wenig Angriffsfläche für Hochwasser- allenfalls der Eingang ist noch gefährdet und das (allerdings bewegbare) Automobil

Die Hochwasserschutzstrategien sind zunächst das klassische Widerstehen gegenüber Fluten (z.B. durch Flutsperren am Hauseingang), das elegante "Umgehen" des Problems (z.B. durch Höherlegen des Eingangs) aber auch das kontrollierte "Nachgeben" (z.B. das Fluten von Kammern, um ein Aufschwemmen des Gebäudes zu verhindern). Es wäre an der Zeit, einen Architektenwettbewerb zu weniger Versiegelung und passivem Hochwasserschutz auszurufen.

Hochwasserschutz-Architektur kann allerdings nur da sinnvoll sein, wo bereits Siedlungen in hochwassergefährdenden Bereichen existieren. Hochwasserschutz am Bau macht ein Haus meist viel teurer (Experten gehen von etwa 10% der Rohbausumme zusätzlich aus), daher sollte man allein aus finanziellen Gründen Flussauen meiden, denn Hochwasserangepasste Architektur kann kein Ersatz für fahrlässige Bebauungspläne in Retentionsflächen bedeuten!

Im weiteren Sinn wäre Architektur Hochwasserschutz-Architektur, die Energie spart Versiegelung vermeidet und Regenversickerung bzw. Regenwassernutzung ermöglicht. Diese kleinen Maßnahmen können an jedem Standort erfolgen und sparen auch für den Eigentümer auf Dauer große Kosten.

Aktionsideen

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