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Inhaltsverzeichnis

Stadt und Natur

Vorwort

von Aline Foschepoth

Die Entsiegler_NAJU

Ohne die Aktivitäten der Menschen wäre Mitteleuropa mit Ausnahme der Gewässer und der höchsten Bergregionen fast vollständig mit einer Pflanzendecke überzogen. Das kann man sich in der heutigen Zeit doch kaum vorstellen!! Aber wer von euch schon mal genauer seine Umwelt betrachtet hat, wird festgestellt haben, dass sich auf vegetationsfreiem Boden innerhalb kurzer Zeit eine nahezu geschlossene Pflanzendecke bildet. Ebenso verhält es sich mit den auf den ersten Blick lebensfeindlichen Asphaltdecken und Steinmauern. Auf diesen Standorten geht die Besiedelung zwar nicht so schnell vonstatten, aber auch dort lassen sich nach einiger Zeit Pflanzen finden.

Nicht alle Pflanzen leben gerne in der Stadt

Besiedeln Pflanzen also alle möglichen Standorte? Ein klares Nein! Pflanzen haben verschiedene Ansprüche an die sog. Standortfaktoren. Damit sind Luft, Boden und Wasser gemeint. Allgemein lässt sich sagen, dass Pflanzen empfindlich gegenüber Schwermetallen, bestimmten Salzen und Säuren sind. Pflanzen haben es inder Stadt also grundsätzlich schwer. Aber wie sieht die Vegetation in einer Stadt dann aus? Unter natürlichen Bedingungen ist letztendlich die zwischenartliche Konkurrenz für die Zusammensetzung der Vegetation verantwortlich. Die Pflanzen einer Stadt kann man in stadtfliehend-urbanophobe, in Stadt und Umland verbreitete-urbanoneutrale und stadtbevorzugende-urbanophile Pflanzenarten unterteilen. In unseren Städten findet man keine Arten, die empfindlich auf Tritt, Überschüttung und Hacken reagieren; zu diesen urbanophoben Arten gehören Orchideen, die meisten Liliengewächse und viele Sauergräser. Zu den urbanoneutralen Arten gehören z.B. Weißer Gänsefuß und Kleinblättriges Knopfkraut, ebenso die Trittpflanzengesellschaften, in denen der Breitblättrige Wegerich und der Vogelknöterich vorkommen. Die urbanophilen Arten sind oft so sehr an die speziellen Standortfaktoren der Stadt angepasst, dass sie auch nur selten in außerstädtischen Bereichen "Wurzel" fassen können. Zu ihnen zählt man die Gewöhnliche Nachtkerze und die Mäusegerste. Sie finden im Siedlungsraum ideale Bedingungen, denn sie mögen es vor allem gerne warm und Städte sind grundsätzlich ein paar Grad wärmer als ihr Umland.

Industrie- und Bahngelände: ganz besondere Standorte

Standorte von besonderem Interesse sind Flächen der Großindustrie und Eisenbahngelände. Richtig gelesen! Diesen Flächen, an die man sonst als letztes denken würde, kommt eine große Bedeutung zu. Alte großindustrielle Anlagenkomplexe enthalten oft großflächig unversiegelte Flächen. Es lässt sich ein breites ökologisches Spektrum mit einem großen Anteil verschiedenster Extremstandorte feststellen. Zu den Extremstandorten zählen durch Schwermetalle konterminierte Böden. Sie haben z.B. mit Bodenverdichtung, sowie extremer Staunässe und Trockenheit zu kämpfen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass diese Flächen sehr artenreich sind und man oft auch gefährdete Arten findet.

Eldorado Bahngelände

Bahngelände gehören zu den botanisch wohl bestuntersuchtesten Habitaten (Lebensräume) der Stadt. Für Pflanzen ist es nicht so einfach, diesen Lebensraum zu erobern, da genutzte Bereiche regelmäßig mit Herbiziden behandelt werden. Auch auf aufgegebenen Standorten sieht es nicht besser aus, da die Rohböden an den Gleiskörpern oft sehr trocken und die umgebenden Aufschüttungen extrem alkalisch sind. Auf jedem Bahnhof gibt es allerdings auch Flächen, die nicht regelmäßig gespritzt werden. Auf diesen bilden sich artenreiche Vegetationskomplexe, die über mehrere Jahre ungestört bleiben.

Die Stadt ist also nicht die unbelebte Betonwüste, sondern ein lebendiger und blühender Flickenteppich, aus verschiedensten Standorten!

Mehr zum Thema findet Ihr unter Bahngleise.

Natur und Erholung

Grünanlagen

  • Die Lebensqualität in den Städten wird wesentlich von den Grünanlagen mitgeprägt
  • Sie dienen der Stadtgliederung und -gestaltung, sowie als Erholungs- und Kommunikationsraum
  • Außerdem haben sie eine wichtige Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt, da die Grünanlagen oft die einzigen Lebens- oder Rückzugsgebiete sind
  • Doch ein Problem das viele Grünanlagen kennzeichnet ist, dass Straßen die Anlagen oft in kleine Gebiete/Inseln unterteilen und viele flugunfähige Tiere auf ein Gebiet beschränkt sind. Dadurch ist der Austausch von Erbmaterial verhindert und viele Populationen gehen aufgrund von inzestuösen Krankheiten zurück oder verschwinden ganz
  • Manche Alleen, die nicht versiegelt sind, gewinnen eine immer größer werdende ökologische Bedeutung, da sie von vielen Insektenarten als Wanderstraßen genutzt werden.
  • Alleen und Bahngleise sind Verbindungswege zwischen den einzelnen Grünanlagen und dem städtischen Umland

Bäume in Städten

  • Viele Bäume in den Städten lassen schon frühzeitig ihre Blätter. Der Grund hierfür ist "Stress"
  • Der Grund für den Stress sind parkende Autos, Trittbelastung oder Bodenaufschüttungen bei Straßenarbeiten die den Boden so stark verdichten, dass feinen Wurzeln die Sauerstoffzufuhr abgeschnitten wird und sie dadurch faulen und absterben.
  • Außerdem wird die Wasserversorgung unterbrochen, und die Blätter verdunsten mehr Wasser als die Wurzeln noch aufnehmen können
  • Auch das Problem der Bodenversiegelung taucht bei der Versorgung der Bäume mit Wasser auf.
  • Das Regenwasser verschwindet in der Kanalisation und der Grundwasserspiegel sinkt. Somit kommen die Wurzeln der Bäume nicht an genügend Wasser und beginnen zu wachsen um doch noch an den lebensnotwendigen Stoff zu gelangen.
  • Auch ein Problem das die Bäume nicht in Ruhe lässt, sind die Auftausalze die im Winter auf die Straßen gestreut werden. Die Salze gelangen mit dem Schmelzwasser in den Boden und werden im nächsten Frühjahr von den Bäumen aufgenommen. Die Salze gelangen dann bis in die Blätter und verätzen das Blattgewebe.
  • Zu finden sind solche Schäden bei Rosskastanien, Ahornarten und Linden, bei denen sich zuerst die Blattspitzen braun färben und die Blätter dann schon im Spätsommer abfallen .

Mehr zum Thema findest du hier.

Was kann man für die Bäume tun?

  • Die kleinen Grünflächen um die Bäume werden Baumscheiben genannt
  • Um die Baumscheiben schöner und vor allem für den Baum effektiver zu gestalten, kann man folgendes machen:
  • Baumscheiben bepflanzen: Das sieht nicht nur schön aus, sondern verhindert auch noch, dass Autos oder Fußgänger die Baumscheibe betreten uns so das Wurzelraum verdichtet wird.
  • Vorhandenen Bewuchs stehen lassen: Die schon vorhandenen Wildpflanzen und Kräuter bieten einen umfassenden Lebensraum für viele Insekten und andere Organismen.
  • Gießen: An heißen Tagen leiden die Bäume am sog. Trockenstress, wenn sie nicht genug Wasser aufnehmen können. Mit ein paar Eimern Wasser kann man helfen.
  • Hundekot beseitigen: Wenn man einen eigenen Hund hat, muss den Kot beseitigen. Nicht nur weil es nicht schön aussieht, sondern weil der Boden überdüngt und die Baumrinde vom Urin verätzt wird

Siedlungskleinbiotope

Lebende Mauern

NAJU Niedersachsen
  • Viele Mauern sind von einem grünlichen oder schwarzen Bewuchs bedeckt
  • Meistens sind das Flechten, Grünalgen, Fadenpilze und Stickstoffbakterien, die ihre Nährstoffe aus den angewehten Stäuben entnehmen.
  • Flechten sind oft die Lebensgrundlage für höhere Pflanzen wie, Moose, Farne und Blühpflanzen, da sie Bodenspuren sammeln und so einen Ankerplatz darstellen.
  • Weitere Pflanzen die man finden kann sind: Efeu, Brennnessel, Löwenzahn, Ehrenpreis, Weiße Taubnessel, Duftende Veilchen und die Mauerraute
  • Auch für viele Tiere bieten Mauern Lebensraum. So sind sonnenbeschienene Wände ein Sammelpunkt für Käfer, Spinnen, Bienen, Wespen, Fliegen und Ameisen.
  • Unter den Moospolstern findet man eher lichtscheue Tiere, wie Springschwänze, Milben, Asseln, Ohrwürmer und kleine Schnecken.
  • Aber auch große Tiere finden sich gerne an bewachsenen Mauern ein, da sie dort ein reiches Nahrungsangebot vorfinden.

Mehr zum Thema Mauern als Lebensraum findest du hier.


Was man in seinem Garten tun kann?

  • Kleine Steinhaufen, Quader oder Schutt bieten vielen Wildpflanzen einen Lebensraum, die wiederum für Tiere einen Unterschlupf darstellen.
  • Diese kleinen Biotope brauchen keinerlei Pflege. Man kann alles der Natur überlassen.

Weitere Tipps findest du in dem Artikel über Gärten.

Raschelnde Wiesen und Rasen

  • Größere Grünflächen laden im Sommer zum relaxen, picknicken und spielen ein.
  • Amseln, Stare und Singdrosseln trifft man auf den Wiesen ebenfalls, da sie nach Regenwürmern Ausschau halten.
  • Andere Kleintiere sucht man vergebens, da die wöchentlich gemähten Wiesen keine Nahrung für sie enthalten.
  • Würde man die gärtnerischen Aktivitäten reduzieren, könnten sich auf vielen Flächen eine große Anzahl verschiedenster Pflanzen- und Tierarten ansiedeln.
  • Zwischen den hohen Gräsern, können sich viele Tiere verstecken. Eine hohe Pflanzenvielfalt kommt den Tieren zugute. Schmetterlinge, Wespen, Wildbienen und Insekten finden optimale Lebensräume, die in den gepflegten Wiesen nicht zu finden sind.
  • Bunt blühende Wiesen findet man nur auf nährstoffarmen Böden. Doch fast alle städtischen Grünflächen sind stark gedüngt und so findet man dort vor allem stickstoffliebende Pflanzen: Ackerkratzdistel, Lanzettkratzdistel und Brennnessel.
  • Diese eher unauffälligen Pflanzen bieten vielen Tieren, darunter auch viele Schmetterlinge ( Landkärtchen, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral), einen Lebensraum.
  • Über 40 Insektenarten nutzen die Ackerkratzdistel als Nahrung, Kinderstube, Schutz und Sammelpunkt
  • Distelfinken und Grünfinken sind ebenfalls zu beobachten, da sie in der Brutzeit ihre Jungen mit Insekten und Raupen füttern, die sie z.B. auf den Disteln finden.

Im NAJU-Wiki werden verschiedene Typen von Wiesen beschrieben, die im Artikel über Historische Kulturlandschaftsteile aufgelistet sind.

Brachen

  • Auch Brachen bilden eine wichtige Grundlage für das entstehen neuer Lebensräume.
  • So findet man auf Grundstücken die sich selbst überlassen wurden viele einheimische Bäume und Sträuche: Spitzahorn, Holunder, Weißdorn, Brombeere und Obstbäume.
  • Für Vögel, Käfer, Schmetterlinge und kleine Säugetiere sind diese von der übrigen Welt abgeschnittenen Gebiete das reinste Paradies.

Mehr zum Thema Brachen findet Ihr unter dem Artikel zur Stadtbrache.

Wohnen auf dem Parkplatz

  • Für viele Pflanzen ist das Wirklichkeit. Sie nutzen die kleinsten Risse im Straßenbelag oder der Bepflasterung um ihre Wurzeln in den Boden zu treiben.
  • Es sind meistens sog. Pionier- oder Einjährige Pflanzen, die auf solchen extremen Standorten „Wurzel“ fassen können.
  • Zu ihnen gehören: Geruchlose Kamille, Wilde Möhre, Wegwarte, Hopfenklee oder die Kleinblütige Königskerze
  • Diese Pflanzen müssen nicht nur das Überrollen von Reifen und das Treten von Schuhen aushalten, sondern auch mit wenig Wasser auskommen und ein verdichteten Boden ertragen können
  • Nährstoffe sind in dem Boden nur gering vertreten, aber dafür bringt das Regenwasser genügend Stickstoff mit sich.
  • Diese Pflanzengesellschaften werden allerdings bereits nach kurzer Zeit, ungefähr ein Jahr, von anspruchsvolleren Pflanzengesellschaften abgelöst. Da sie den Boden für andere Pflanzen verbessert hat.

Der Artikel zu Pflasterritzen befasst sich näher mit dem Thema.

Stadt und Luft

Luftverschmutzung

Klima in der Stadt

Klima

Wasser in der Stadt

Wasser

Wasservögel in der Stadt

Wasservögel in der Stadt

Flüsse in der Stadt

Flüsse in der Stadt

Verkehr

Verkehr

Vogelvielfalt in der Stadt

Vogelvielfalt in der Stadt

Stadtplanung

Stadtplanung

Überwinterer im Siedlungsbereich

Überwinterer im Siedlungsraum

Bäume in der Stadt

Bäume in der Stadt