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Stadtbrache

EINE BRACHE ALS CHANCE FÜR DIE NATUR-WIDERSPRUCH ODER ZUKUNFT?

Verlassenes Fabrikgelände Foto von Marco Barnebeck/pixelio.de

Jeder von uns kennt Brachen, seien es stillgelegte Industrieflächen und Eisenbahngelände oder “brach”liegende Bauruinen. Die Zunahme dieser ungenutzten Flächen lässt sich durch den Strukturwandel erklären, der eine Verlagerung vom Industriellen- zum Dienstleistungssektor mit sich brachte. Brachen wurden lange Zeit als vergeudete Flächen angesehen, die man eher als Mülldeponien nutzte, als dass man ihnen einen naturschutzfachlichen Wert zusprach. Außerdem wirken sie auf viele mit ihrem scheinbar zufälligen Grün, das jedes Jahr blüht und vergilbt, immer leicht schmuddelig. Dass artenreiche Natur aber nicht in den gepflegten Park- und Gartenanlagen zu finden ist, dieses Vorurteil muss endlich aus der Welt geräumt werden.

Lebensräume für wilde Pflanzen und Tiere

Brachen sind zwar vom Menschen künstlich geschaffene Flächen, aber diese Sekundärbiotope bieten Lebensräume für seltene und bedrohte Tiere und Pflanzen. So stellen verwilderte Flächen ideale Brutgebiete für viele Vogelarten dar, da wild wachsende Gebüsche einen besseren Schutz vor Feinden bieten, als die kultivierten Sträucher der Parkanlagen. Aber auch Säugetiere wie der Rotfuchs und der Feldhase, die normalerweise nur in freien Landschaftsräumen zu finden sind, siedeln sich auf sich selbst überlassenen Arealen an. Neben den Vögeln und Säugetieren nutzen auch viele seltene Amphibien und Reptilien die neuen Lebensräume, die sog. Ruderalstandorte.

Ruderalstandorte

Ruderal kommt vom lateinischen Wort Rudus und bedeutet Schutt-, Ruinen- oder Mörtelmasse. Ruderalstandorte sind vom Menschen stark veränderte Standorte. Werden diese Standorte sich selbst überlassen, durchläuft die Vegetation verschiedene Entwicklungsstadien:

1. Initial- oder Pionierstadien

2. Folgestadien (Staudenvegetation)

3. Dauerstadien (Gehölzstadien)

Zu Beginn siedeln sich Pionierarten (einjährige Pflanzen mit großer Samenproduktion) an, die die Ausgangsmaterialien wie Schlacke und Geröll mit organischen Substanzen überziehen. So bildet sich die erste dünne Humusschicht, die Ausgangspunkt für die folgenden Pflanzen ist. Es setzen sich immer mehr ausdauernde Arten, wie Gräser und Stauden durch. Diese verdrängen die Pioniervegetation und mit der Zeit bildet sich eine immer dickere Erdschicht. Dadurch ist das Überleben dieser Staudenvegetation auf längere Zeit gesichert. Nach und nach siedeln sich Gehölze an und das nächste Entwicklungsstadium ist erreicht, das Dauerstadium. Sträucher und Bäume beherrschen jetzt die ehemaligen Deponien, Halden und Lagerstätten. Wie das letzte Stadium aussieht, weiß man allerdings noch nicht, da brachliegende Areale erst seit wenigen Jahrzehnten in den Städten zu finden sind. Und für viele Brachen wird das Dauerstadium nur ein Traum bleiben, da sie nach einiger Zeit von Spaziergängern, spielenden Kindern und Motocrossfahrern als Freizeitdomizil entdeckt werden oder bald wieder bebaut werden.

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