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Tiefsee

Die Tiefsee gilt als einer der unwirtlichsten Lebensräume der Erde. Dort unten ist es dunkel und kalt. Die Temperatur ist gleich bleibend niedrig bei -1°C bis 4°C. Kaum vorstellbar, dass dort Leben überhaupt möglich ist. Dieser Lebensraum ist nicht nur der unbekannteste, sondern auch der weltweit größte.

Definition

Abtauchen in die Tiefe/najuversum.de
Als Tiefsee werden alle Wasserwelten bezeichnet, die unterhalb einer Tiefe von 800m liegen. Somit sind 70% der Weltmeere Tiefsee. In diesen Bereichen des Meeres kommt kein Licht mehr an, so dass es auch fast keine Pflanzen und folglich keine Primärproduktion gibt. Das heißt, dass keine Biomasse produziert wird. Denn dazu wird Licht und chemische Energie benötigt.

Einzig durch die hydrothermalen Quellen, Schwarze Raucher genannt, wird Bewegung ins Dunkel gebracht. Trotz der lebensfeindlichen Bedingungen konnte sich eine artenreiche Tierwelt dort unten ihren Platz erobern. Die Nahrungskette besteht aus Räubern und Aasfressern. Es gibt außerdem Tiere, die sich mit Hilfe von symbiotischen Bakterien ernähren. Das heißt, dass Bakterien und Tiere in der Art zusammenleben, dass sie einander nutzen.

Erforschung

Mit einer Tauchausrüstung, also Taucheranzug und Sauerstofflasche kann man höchstens 40 Meter tief tauchen. Denn der Druck unter Wasser erhöht sich alle zehn Meter um ein Kilogramm pro cm2. Das bedeutet, dass ab einer Tiefe von 10.000 Metern ein Druck von einer Tonne auf der Haut lastet. Weil der Druck lebensgefährlich sein kann, benötigt man ab 40 Metern eine spezielle Ausrüstung, um tiefer tauchen zu können. Am Tiefsten ist bisher der Tiefseetaucher Jacques Piccard mit seinem U-Boot getaucht. Er tauchte vor fast 50 Jahren 10.916 Meter tief in den Marianengraben im pazifischen Ozean. Einen neuen Weltrekord stellte der Engländer Mark Ellyatt im Jahr 2003 auf. Er tauchte im Taucheranzug ganze 313 Meter tief. Dafür wurde von einem Boot ein langes Seil in das Meer herabgelassen, an dem sich der Taucher langsam abseilen konnte. In einem späteren Interview berichtete er, dass er sich nach 60 Metern durch eine dicke Schicht von Quallen kämpfen musste. Ab 200 Metern wurde es dann richtig finster und die Wassertemperatur lag bei nur noch vier Grad. Um eine lebensgefährliche Taucherkrankheit zu verhindern, durfte er sich nur sehr langsam wieder an die Wasseroberfläche bewegen. Somit brauchte er für den Aufstieg fast sieben Stunden. Da das eine ganz schön lange und sehr anstrengend Zeit ist, wurde ihm auch Essen und Trinken in die Tiefe mitgegeben. Der Taucher berichtete, dass das Essen aus Bananen und Schokolade bestand, weil es sich unter Wasser am besten aufessen lässt.

Lebewesen

Ab einer Tiefe von 300 Metern können keine Pflanzen mehr wachsen, da das lebensnotwendige Licht nicht mehr ausreichend ist. Die Tiere dagegen haben sich der Dunkelheit gut angepasst, was ihnen oft eine gruselige Gestalt gibt. Einige Fische haben gar keine Farbe und sind durchsichtig, andere sind knallrot, denn diese Farbe macht die Fische in der Dunkelheit unsichtbar und schützt sie somit besser vor Feinden.

Verrückte Kreaturen aus der Meerestiefe/pixelio.de

Ihre Augen können riesig sein, um letzte Lichtreste einzufangen. Manche besitzen aber auch keine Augen, weil sie in der Finsternis keine mehr benötigen. Dafür sind sie dann mit sehr sensiblen Wahrnehmungsorganen ausgestattet, um ihre Beute erhaschen zu können. Manche Fische haben auch ganz besondere Tricks entwickelt, um in der Tiefsee zu überleben. Der Anglerfisch zum Beispiel hat an seinem Kopf eine stielartige Verlängerung, die wie eine Angel aussieht. Die leuchtet an der Spitze mit Hilfe von Bakterien und lockt die Beute an, sodass der Anglerfisch nur noch zuzuschnappen braucht. Der Pelikanaal besitzt einen dehnbaren Kehlsack wie ein Pelikan. Damit kann er sogar Beute schlucken, die größer ist als er. Der größte Tiefseebewohner ist wohl der Pottwal. Er kann bis zu einer Tiefe von 3000 Metern tauchen und ist somit das einzige Säugetier der Welt, das soweit hinab tauchen kann. Zu seiner Beute zählt der Riesenkalmar, ein riesiger Tintenfisch der - wie auch der Pottwal - 20 Meter lang werden kann. Man hat schon Pottwale gefunden, die Narben von Kämpfen mit solchen Riesenkalmaren tragen.

Schwarze Raucher

1977 auf dem Meeresboden vor den Galápagos Inseln entdeckten Forscher unterseeische Hydrothermalquellen. Das heißt, dass heißes Wasser am 2000m tiefen Meeresboden aufsteigt. Diese Quellen heißen Schwarze Raucher.

Das Wasser verdampft nicht einfach, es bleibt flüssig. Der Grund dafür ist der enorm hohe Druck, der in der Tiefe herrscht. Das Wasser dehnt sich aus und steigt auf. Während es aufsteigt löst es Metalle und Mineralien aus dem umliegenden Gestein und kühlt sehr rasch wieder ab auf 100°C. Die gelösten Mineralien und Metalle können nun wieder ausflocken. Durch die Reaktion des schwefelhaltigen Wassers mit den Metallen Kupfer, Zink und Eisen aus dem Krustengestein kommt es zu einer wolkigen, schwarzen Trübung des Wassers. Nach und nach lagern sich die ausgefällten Mineralien und Metalle um die Austrittsstelle ab und bilden hohle, schornsteinartige Schlote, die bis zu mehrere Meter im Jahr wachsen können.

In der Nähe der Quellen, bei Temperaturen um die 30°C hat sich eine Vielzahl lebendiger Organismen angesiedelt. Am Anfang der Nahrungskette in den lichtlosen Tiefseeregionen stehen Bakterien. Sie dienen u. a. Krebstieren, Röhren- und Bartwürmern, Muscheln, Schnecken, Seespinnen, Quallen und Seeanemonen als Nahrungsgrundlage.

Solche und andere heiße Wasserquellen tragen zu 25 Prozent zum gesamten Wärmefluss der Erde bei. Ein Schwarzer Raucher kann bis zu 100 Jahre aktiv sein, irgendwann erkaltet er oder stürzt ein.

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