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Städtische Wärmeinseln

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Im Sommer kann das Barfuß laufen auf dem Beton sehr schmerzhaft werden Foto von Yannik Markworth/jugendfotos.de

In mitteleuropäischen Großstädten ist die Temperatur im Durchschnitt ein Grad höher als im Umland. Besonders hoch sind diese Unterschiede in der Nacht; dann kann es in der Stadt schon mal bis zu 10 Grad wärmer sein.

Eine Stadt hebt sich durch ihre erhöhten Temperaturen von ihrer Umgebung ab. Dieses Phänomen nennt man den "Wärmeinseleffekt". Das mag für die Stadtbewohner im Winter angenehm sein, weil sie nicht so viel heizen müssen, aber im Sommer sieht das ganz anders aus. Selbst in den Nächten kühlen die Temperaturen manchmal nicht auf unter 27 Grad ab und die Städter liegen schwitzend in ihren Betten. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Abgesehen davon geht auch der Stromverbrauch rasant in die Höhe: überall werden im Sommer die Klimaanlagen angeschmissen.

Wie kommt es zum Wärmeinseleffekt?

Die Bebauung der Städte und die dabei verwendeten Materialien beeinflussen den Wärmeinseleffekt entscheidend. Die Oberfläche einer Stadt ist durch Häuser, Mauern, Straßen und andere Gebäuden so weit vergrößert, dass sie mehr Sonneneinstrahlung einfängt. Diese Wärmeenergie speichert sich besonders in Asphalt, Beton und den Dächern der Häuser und wird nur sehr langsam wieder abgegeben. Das kannst du am eigenen Leib spüren, wenn du versuchst, im Sommer barfuss über eine Asphaltdecke zu gehen. Du wirst dir ganz schnell die Füße verbrennen! Wenn du mit deinen nackten Füssen aber über eine Grasfläche gehst, merkst du den Unterschied: sie ist nicht erhitzt, weil über den Boden Wärme abgegeben werden kann. Genau deshalb ist es in den Dörfern und Gemeinden der Umgebung ein bisschen kühler: hier gibt es wenig versiegelte Bodenflächen. Die unbebauten Flächen, die nur einen Teil der Wärme speichern, geben die meiste Wärme wieder ab. Neben der höheren Wärmeaufnahme und langsameren Wärmeabgabe sind auch die Luftverschmutzung und ein langsamerer Wind mitverantwortlich für den Wärmeinseleffekt. Durch die Luftverschmutzung, die größtenteils von den Auto- und Industrieabgasen herrührt, werden die Sonnenstrahlen gebrochen und länger am Boden gehalten. Die aufsteigenden warmen Luftmassen werden nicht abtransportiert: in Städten weht der Wind langsamer als im städtischen Umland.

Lieber Schnee als Regen?

Wohin fährst du im Winter, um mal wieder einen richtigen Schneemann zu bauen? Dafür musst schon mindestens ins benachbarte Umland reisen, denn die Schneetage in der Stadt sind sehr selten. Dort ist der Schnee meist auch matschiger und liegt nicht so lange. Auch das hat mit der höheren Temperatur in den Städten zu tun und der erhöhten Wärmespeicherung der Asphaltdecken. Stadtkinder müssen im Winter eher die Regenschirme als die Schlitten rausholen. Was auf dem Land als Schnee leise herunterrieselt, fällt bei uns in Strömen als Regen zu Boden. Überhaupt scheint es in Städten sehr häufig zu regnen. Wie kommt das, wo doch hier die Luftfeuchtigkeit deutlich niedriger ist?

Schnelle Verdunstung und geringe Luftfeuchtigkeit

Durch die erhöhte Temperatur in den Städten kommt es zu einer schnelleren Verdunstung des Wassers, das sich dann in großen Wolken in Stadtnähe sammelt und meistens dort auch wieder abgegeben wird. Dabei spielt die Luftverschmutzung auch hier eine große Rolle: Die Schmutzpartikel in der Luft verstärken die Wolkenbildung, die sich vor allem im Sommer in großen Wärmegewittern auf die Städte entleeren. Neben der schnellen Verdunstung gibt es noch einen Grund, warum die Stadtluft trockener ist. Durch die Versiegelung der Böden kann hier das Regenwasser nicht aufgenommen und gespeichert werden. Stattdessen wird der Regen direkt in Siele und Kanäle geleitet, damit es nach einem Regenschauer nicht zu Überschwemmungen kommt.

Links zum Weiterlesen

Quellen

  • Sukopp/ Wittig (Hrsg.), Stadtökologie, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Stuttgart, Jena, Lübeck, Ulm; G. Fischer, 1998
  • Fezer, F., Das Klima der Städte, Gotha, Verlag Perthes, 1995
  • Kuttler, W., Das Stadtklima. In R. Guderian (ed): Handbuch der Umweltveränderungen und Ökotoxikologie. Band 1B: Atmosphäre. Springer