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Inhaltsverzeichnis

Walnuss

Ein Walnussbaum, Foto von Susanne Schmich, pixelio.de

Vorkommen und Standortbedingungen

Die Walnuss gehört zur Familie der Walnussgewächse, zusammen mit den weiteren Gattungen Hickory- und Flügelnuss, die in Nordamerika bzw. Asien heimisch sind. Sie ist Baum des Jahres 2008. Der deutsche Name Walnuss hat sich aus Welschnuss entwickelt, womit auf die Herkunft der Baumart in Deutschland über Italien aus Frankreich hingedeutet wird: sie wurde im 8. Jahrhundert von den Galliern mitgebracht, die damals Welschen genannt wurden. Weltweit gibt es etwa zwanzig Walnussarten. Die nah verwandte, in Nordamerika heimische und hier gelegentlich angepflanzte Schwarznuss wird in ihrer Heimat als 'King of the forest' (König der Wälder, wegen des hochwertigen Holzes) und als 'Queen of the kitchen' (Königin der Küche, wegen ihrer Früchte) bezeichnet.

Man findet den Nussbaum bei uns eigentlich nur im ländlichen Siedlungsraum und in Weinbaugebieten (gepflanzt oder seltener verwildert), aber nicht im Wald, höchstens an Waldrändern oder gelegentlich einzeln in Auenwäldern. Nennenswerte forstliche Bestände gibt es nur im Südwesten Deutschlands sowie in Frankreich und in der Schweiz. Die ursprüngliche Heimat des Nussbaumes befindet sich noch weiter weg von hier als die der Rosskastanie, nämlich in Südosteuropa auf der Balkanhalbinsel und in Asien. Vor und zwischen den Eiszeiten war die Walnuss auch in Mitteleuropa heimisch. Angebaut wird er heute auf der gesamten Nordhalbkugel in der gemäßigten Zone, auch in Nordamerika (Kalifornien) und in China. Sogar in Südschweden gibt es Walnussbäume, ab und zu auch mal mit reifen Früchten.

Nussbäume sind ein guter Weiser für eine gewisse Wärmesumme im Sommer, weshalb sie in Gegenden mit kühlen, feuchten Sommern und auf Nord- oder Osthängen nicht so gut wachsen. Sie benötigen Weinbauklima. Vom Klimawandel wird die Walnuss also profitieren. Derzeit ist ihre Höhengrenze in Mitteleuropa bei 1.000 m. Zu beachten ist die Frostempfindlichkeit des Nussbaumes, nicht so sehr gegenüber zu tiefen Winterfrösten, sondern vor allem gegenüber Spätfrösten im Frühjahr. Wenn die Bäume dann schon angefangen haben auszutreiben, frieren die jungen Sprosse ab. Daraufhin treiben zwar schlafende Knospen aus und reparieren den Schaden umgehend, aber die Blüte ist hinüber. Auch die Früchte und Keimlinge sind frostempfindlich – am besten etwas Laub drüber tun, das hilft meistens.

Nussbäume sind sehr lichtbedürftig und müssen spätestens mit etwa zehn Jahren frei oder im lichten Bestand stehen, sonst gehen sie wieder ein. Nur in den ersten Jahren ertragen sie Halbschatten. Verpflanzung mögen sie nicht, d.h. man muss auf einen großen Wurzelballen achten und möglichst die Pfahlwurzel intakt lassen, wenn es Erfolg haben soll. Die Standortansprüche an die Nährstoff- und Wasserversorgung sind als mittel zu bezeichnen, d.h. der Boden sollte nur nicht extrem arm und trocken sein. Walnussbäume ertragen wochenlange Überflutung und haben daher keine Probleme im Überflutungsbereich von Auen. Allerdings halten sie nicht so lange wie Silber-Weiden und Schwarz-Pappeln durch. Nach sechs Wochen im Wasser wird es kritisch.

Ein Walnuss-Gourmet, Foto von Birgit Heim, pixelio.de

Tiere und Schädlinge

Einige Schmetterlinge leben als Raupen auf Walnussblättern und fressen daran, Linienbockkäfer-, Weidenbohrer- und Blausieb-Larven wohnen in den Zweigen. Eichhörnchen, Mäuse, Krähen sowie andere Vögel und Kleinsäuger fressen gerne die Nüsse.

Gelegentlich fressen Schmetterlingsraupen an den Blättern oder führen Blattläuse zum Blatteinrollen. Bisweilen treten in Plantagen Bakterien- oder Viruserkrankungen auf und haben Schäden an Blättern zur Folge, z.B. der Kirschen-Blattrollvirus, oder an den Früchten. Hallimasch und der Zottige Schillerporling können zu Holzfehlern führen. Der Verbiss durch Mäuse, Kaninchen, Hasen und Reh- sowie Rotwild hält sich aufgrund von abwehrenden Inhaltsstoffen in Grenzen.

Aufbau, Blätter und Blüten

Nussbäume entwickeln eine kugelförmige Krone. Bei genauerem Ansehen fällt auf, dass man keinen dominanten Wipfeltrieb finden kann. Stattdessen gibt es eine Rangelei, wer in der Oberkrone das Sagen hat – ohne Ergebnis. Das ist zwar bei vielen Laubbäumen ähnlich, aber beim Nussbaum besonders ausgeprägt: er leistet sich zwanzig und mehr Wipfeltriebe. Das Höhenwachstum kann in der Jugend trotzdem ein bis zwei Meter pro Jahr erreichen, also mit anderen schnell wachsenden Baumarten mithalten.

Im Winter fällt seine silbrige Rinde auf, sie kann fast weiß werden. Dagegen sind die jungen Triebe dunkel rotbraun, und die alte schuppige Borke wird auch wieder dunkler. Dadurch entsteht ein markanter Farbkontrast in der Krone. Zudem wirkt der krumme, knorrige Stamm eindrucksvoll. Es gibt fast keinen Walnussbaum mit einem geraden Stamm. Seine maximale Höhe beträgt meist zwanzig Meter im Freistand, im Bestand 25-30 Meter. Sein Höchstalter ist etwa 150 Jahre, kaum mehr. Veredelte Bäume werden oft sogar nur 50 Jahre alt.

Die Blätter des Nussbaumes sind gefiedert, d.h. an einer Blattspindel, dem verlängerten Blattstiel, sitzen 5-9 Fiederblättchen, die alle zusammen das 20-40 cm große Blatt bilden. Da im Herbst zusammen mit den Fiederblättchen auch die Blattspindeln abgeworfen werden, ist die Verzweigung der Walnuss sehr grob. Denn im Grunde genommen fehlt die feinste Verzweigungsordnung, und man kann die Blätter daher auch als "Wegwerftriebe" bezeichnen. So braucht der Baum keinen Aufwand für seinen Frostschutz zu betreiben.

Die Blätter sind beim Austreiben rotbraun gefärbt, daran kann man Nussbäume um diese Zeit gut von weitem erkennen. Sie fühlen sich ledrig und etwas ölig-klebrig an, glänzen oberseits matt und duften aromatisch. Auf der Blattunterseite findet man, zumindest an jungen Blättern, viele kleine Drüsen und in den Nervenwinkeln Gabelhaare, die unter einer stark vergrößernden Lupe (50x) schön anzusehen sind.

Die männlichen Blüten öffnen sich im April/Mai in bis zu 15 cm langen Kätzchen, die vorher nackt überwintern mussten und deshalb vom Spätsommer bis zum Austreiben immer sichtbar, wenn auch noch kompakt sind. Dagegen erscheinen die unauffälligen weiblichen Blüten erst beim Austreiben mit den Blättern an den neuen Jahrestrieben, und zwar am Sprossende zu 1-5 zusammen (meist zu zweit). Die Bestäubung besorgt der Wind, daher kann der Nussbaum auf bunte „Schauapparate“ oder Nektardrüsen zum Anlocken von Insekten verzichten und steckt diesen Aufwand später lieber in seine Früchte. Die ersten Blüten können schon an 5-jährigen Bäumen auftreten, in größerer Zahl ab dem Alter 10.

Walnuss, Foto von Mad Max, pixelio.de

Früchte und Keimung

Genau genommen sind das, was als Walnüsse bezeichnet wird, die beiden gefalteten und fleischigen Keimblätter des Embryos. Diese sind durch eine echte holzige und eine unvollständige hautartige Scheidewand, die beide kreuzartig zueinander stehen und das so genannte Kreuzchen bilden, in vier Abteilungen geteilt. Die Keimung findet im folgenden Frühjahr statt, dazu müssen die Früchte einige Zeit feucht und kalt gelegen haben, was in der Natur automatisch durch den Winter und herab gefallenes Laub geschieht. Dann sprengt der schwellende Embryo die Schale an der Naht auseinander. Die Keimblätter entfalten sich bei der Keimung nicht, sondern bleiben wie bei Eiche und Kastanie auf dem Boden und werden vom Keimling beim Aufwachsen "ausgesogen". Der Keimling entwickelt zunächst eine imposante Pfahlwurzel, bevor er sich um die oberirdischen Organe kümmert. In den ersten Jahren ist die Wurzel meist deutlich länger als der Spross und extrem empfindlich gegen Beschädigung (z.B. beim Verpflanzen). Später nimmt das Wurzelwerk eine herzförmige Form an, und im Alter wurzeln Nussbäume relativ flach. Viele oberflächliche Hauptwurzeln streichen dann weit vom Stamm weg, um ein Vielfaches über die Kronentraufe hinaus.

Am Hang kann die Frucht weit herabrollen, und wenn sie am Ufer in einen Fluss fällt, wird sie weit fort getragen, da sie schwimmt. Eichhörnchen, Mäuse, Krähen und andere Tiere legen sich Verstecke mit Walnüssen an, die sie dann z.T. vergessen – so säen sie Nüsse.

Walnuss-Keimling, Foto von gnubier, pixelio.de

Um das herum, was als Nuss gegessen wird, ist noch eine dickfleischige grüne Schale vorhanden, die kurz vor der Reife im September oder Oktober aufplatzt und den "Kern" freilegt, bevor er herausfallt, oder alles zusammen fällt vom Baum ("Plumpsfrüchte"). Würde die grüne Schale nun mit zur Frucht gehören, wäre es eine Steinfrucht wie z.B. die Kirsche. Neueste Untersuchungen haben nun aber nachgewiesen, dass die fleischige Schale nicht zur Frucht gehört, sondern aus anderen Organen (Blättern) entstanden ist. Deshalb handelt es sich bei Walnüssen also tatsächlich um Nüsse, die wie Bucheckern und Maronen am Baum von einer grünen Fruchthülle umgeben sind.

Ursprünglich waren die Nüsse ziemlich klein, nur 2 cm groß. Nussbäume wurden aber – wie Äpfel, Birnen und Maronen – von unseren Vorfahren schon seit Jahrtausenden auf größere Früchte gezüchtet, so dass wir die Ursprungsgröße kaum noch zu sehen bekommen und uns an die bis zu 5 cm großen Nüsse gewöhnt haben. Rekord ist eine Nuss mit 9 cm Länge und 6 cm Breite, die deshalb auch als Riesenwalnuss bezeichnet wird. Da ihr Inhalt geschmacklich dem aber nicht entspricht, werden solche Nüsse auch Blendernüsse genannt und eher zu Dekorationszwecken verwendet. Der Nussbaum spielt vor allem in wärmeren Regionen Südwestdeutschlands und in den Flusstälern eine bedeutsame Rolle als Fruchtbaum und kann im Freistand bis zu 150 kg Nüsse in einem Jahr produzieren. Es erweckt den Eindruck als trage er nicht jedes Jahr reichlich, sondern meist nur alle zwei Jahre.

Nutzung

Nussbaum ist das Holz der Künstler. Es wird für Furniere, Möbel, Innenausstattungen und kleine Gebrauchsgegenstände verwendet, ferner werden daraus Uhrengehäuse, Musikinstrumente, Parkett, Schachfiguren und Drechslerwaren hergestellt sowie alles, wofür eine dunkelbraune Färbung erwünscht ist. Es war und ist charakteristisch für viele Biedermeiermöbel. Was bei anderen Baumarten als "Holzfehler" zur Entwertung führt, ist bei Walnussholz besonders gesucht (z.B. Krümmungen, Astgabeln, Knollen und Kröpfe). Es eignet sich als Ersatz für hochwertiges Tropenholz wie Palisander, daher wird seine Bedeutung weiter zunehmen.

Der Freund aller Walnussfreunde, Foto von Paul Georg Meister, pixelio.de

Aber noch wichtiger für die Nutzung als das Holz sind die Nüsse. Die Walnuss gehört zusammen mit Haselnuss, Esskastanie und Mandel zum so genannten Schalenobst. Walnüsse fehlen auf keinem Weihnachtsteller. Nusserwerbsanbau wird in Weinbauklimaten Europas (und Asiens, ja sogar Nordamerikas) bei Jahresmitteltemperaturen um 10° C seit rund 2.000 Jahren betrieben und erbrachte im Jahr 1978 weltweit eine Ernte von fast 800.000, im Jahr 2005 etwa 1,5 Millionen Tonnen! Pro Baum und Jahr können bis zu 100 kg Früchte geerntet werden, das sind bis zu 5.000 Nüsse. 40- bis 80-jährige Bäume tragen am meisten, der Pflegeaufwand ist gering. In Deutschland war die Walnuss bis vor 100 Jahren viel häufiger als heute, der Bestand ist dann aber durch Übernutzung und fehlende Nachpflanzungen stark zurückgegangen – in der Schweiz, wo man genaue Zahlen hat, in den letzten 50 Jahren um 75%! Von den vergangenen Zeiten zeugen noch viele Ölmühlen, die früher auch Walnüsse verarbeitet haben.

Zur Lagerung sollte man die Nüsse von der weichen Fruchthülle befreien, mehrere Tage an der Sonne trocknen oder 2-3 Wochen luftig und trocken aufbewahren und wenden. Durch die Trocknung muss sich das Gewicht etwa um die Hälfte verringern. Das ist unbedingt zu beachten, da die Nüsse sonst schimmeln können! Danach kann man sie in luftdurchlässigen Netzen kühl ein Jahr aufbewahren. Die Keimfähigkeit geht allerdings bereits nach sechs Monaten verloren. Längere Lagerung bis zu drei Jahren ist bei Tieffrieren der Samen (ohne Schale) möglich. Unreife Nüsse werden schon im Juli zur Likörherstellung geerntet, sie sind dann noch unverholzt.

Walnüsse sind wegen ihrer Nähr- und Inhaltsstoffe etwas ziemlich Einmaliges: sie enthalten etwa 60% Fett, 20 % Eiweiß, viel Vitamin B1 und C, Spuren von Vitamin B2, A und E sowie reichlich Mineralstoffe (u.a. Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Phosphor). Daher genügen wenige Walnüsse in der Tasche für eine Tagesration als Notanker in Krisenzeiten. Jeden Tag zwei Walnüsse essen soll sich durchschlagend positiv auf das Befinden auswirken. Nüsse von starkwüchsigen Bäumen sind nicht so aromatisch wie solche von langsamer wachsenden, und es gibt große Unterschiede zwischen den Varietäten und Herkünften. Sie werden für Backwaren, Eis, Konfitüren und Mus verwendet, und man kann eines der hochwertigsten Öle daraus herstellen (aus 5 kg Nüssen 1 Liter Öl). Halbreife, bis Ende Juni gesammelte Walnüsse und Nusslaub gehören zu den Vitamin C-reichsten Pflanzenteilen überhaupt (Gehalt bis 1% und damit doppelt so hoch wie bei Orange und Zitrone).

Aus den grünen Fruchthüllen, Blättern und der Rinde werden Gerb-, Beiz- und Färbemittel hergestellt. Oder Nussöl aus den Kernen für die Ölmalerei. Mit Blättern und Fruchthüllen lassen sich Haare braun färben (manchmal werden sie dann allerdings auch schwarz), Walnussschalenextrakt wird für Bräunungscremes sowie für Haut- und Massageöle verwendet.

Die Inhaltsstoffe des Nussbaumes gelten als blutreinigend, wurmtreibend, nervenstärkend, schweißregulierend, leistungssteigernd, heilend und konzentrations-fördernd. Aus den Fruchthüllen kann man ein Haut- und Massageöl herstellen. Der Same wurde aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem menschlichen Gehirn früher gegen Gehirnerkrankungen eingesetzt und genoss als gedächtnisstärkendes Mittel Ansehen. Mit dem Duft zerriebener Blätter wurden Krankenzimmer parfümiert.

Aktionsideen

Quelle