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Wasserstraßen

Flüsse sind seit Menschengedenken wichtige Transport- und Verkehrswege. Das ist auch ziemlich logisch, da es die Flüsse vor den ersten Straßen und Autos gab. Ein besonderer Vorteil ist, dass man für eine Fahrt stromabwärts kaum Energie verbrauchen muss. Diese Chance sollte man nutzen, solange die ökologische Bedeutung dabei nicht in Vergessenheit gerät.

Geschichte

Als Schifffahrt bezeichnet man den Verkehr und Transport von Menschen und Gütern auf dem Wasser mit Wasserfahrzeugen. Auf das Landesinnere bezogen (also nicht auf dem Meer), nennt man das „Binnenschifffahrt“. Die Binnenschifffahrt stellt einen wichtigen Teil der Verkehrsinfrastruktur, aber auch der Volkswirtschaft dar, da wichtige Massengüter auf diesem Wege verschifft werden (wie beispielsweise Brennstoffe, Sand und Container). Früher wurden Boote und Kähne durch Segeln, Rudern, Staken oder so genanntes „Treideln“ fortbewegt, was aber eher langsam vonstatten ging. Nach der Erfindung der Dampfmaschine Ende des 18. Jahrhundert entwickelten sich die Schaufelraddampfer, die heute noch vom Fluss Mississippi in Amerika bekannt sind. Bei der ebenfalls praktizierten Kettenschifffahrt wurden die Schiffe sogar an Ketten entlang die Flüsse hochgezogen. Heutzutage sieht das natürlich ganz anders aus: Die meisten Binnenschiffe werden von 1 bis 3 Dieselmotoren mit einer Leistung zwischen 300 und 6000 PS fortbewegt. Immerhin sind die größten Frachter auf unseren Flüssen 135 mal 16 Meter groß und können bis zu 6.000 Tonnen Fracht transportieren. Da diese Kolosse bis zu 3,50 Meter oder mehr Tiefgang haben, also so tief im Wasser einsinken, müssen die wichtigen Schifffahrtswege bei zunehmender Sedimentation wieder frei gebaggert werden. Die so genannten Wasserstraßen, auf denen sich die Transportschiffe bewegen, hat sich der Mensch mehr und mehr zu Eigen gemacht, indem er künstliche Kanäle angelegt, und Schleusen und Schiffshebewerke an den Stellen eingebaut hat, wo Höhenunterschiede zu überwinden sind. Sinnvoll ist das eigentlich schon gewesen, da das Binnenschiff in Europa zu den wichtigsten Transportmitteln (ca. 5% der Transportleistung) gehört. In Deutschland mit 12,8%, Belgien (14,3%) und Holland (44,2%) liegt der Wert sogar noch viel höher. Ein modernes Binnenschiff ersetzt immerhin 90 LKWs.

Der Dortmunder Emskanal Foto von Didi01/pixelio.de

Wichtigste Flüsse und Kanäle

Die wichtigsten deutschen Flüsse für die Binnenschifffahrt sind Rhein, Main, Donau, Mosel, Neckar, Weser, Elbe und Oder. Zusätzlich von großer Bedeutung sind die extra für die Schifffahrt angelegten Kanäle: Der Mittellandkanal, der Elbe-Havel-Kanal, der Elbe-Seitenkanal, der Main-Donau-Kanal, der Oder-Havel-Kanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal, der Datteln-Hamm-Kanal und der Weser-Datteln-Kanal. Europas größter Kanalknotenpunkt liegt übrigens in Datteln in Deutschland. Die Kanäle machen aber nur 25% der insgesamt 7300 km Binnenwasserstraßen Deutschlands aus, der Rest, also 75%, besteht aus den Flüssen.

Ökologischer Aspekt

Es muss darauf geachtet werden, dass der Fluss ein natürliches Ökosystem darstellt, und nicht nur dazu da ist, der Wirtschaft zu dienen. Der Bundesverband Deutscher Binnenschifffahrt e.V. (BDB) (http://www.binnenschiff.de ) führt zwar als Vorteile der Schifffahrt einen niedrigen Energieverbrauch und beste Umweltverträglichkeit auf, jedoch taucht der Punkt „Umweltschutz“ in der Liste ihrer Ziele nicht mehr auf. Für die Zukunft ist es aber besonders wichtig, dass der Schiffstransport im Einklang mit der Natur geschieht.

Schleusen

Stell dir vor, du fährst mit deinem Schiff über den Fluss, und plötzlich kommt ein drei Meter hohes Wehr. Runter kommen wäre vielleicht noch möglich, aber rauf?

Geschichte

Für Schiffe sind solche natürlichen Höhenunterschiede oder Stromschnellen an Stellen mit hohem Gefälle immer ein Dorn im Auge gewesen. Deshalb wurde schon vor langer Zeit an den ersten Lösungen gebastelt, wie zum Beispiel Rutschbahnen oder Rampen, über welche Schiffe runterrutschen oder heraufgezogen werden konnten. Bei diesen Methoden wurden die Schiffe jedoch regelmäßig beschädigt und bei Trockenheit konnte man sie gleich ganz vergessen, da zu wenig oder gar kein Wasser mehr die Rampen herunter floss. In Deutschland waren außerdem Stauschleusen bekannt: Dabei wurde das Wasser oberhalb eines Wehres gestaut und plötzlich abgelassen. Die Schiffe konnten so auf der Flutwelle den Höhenunterschied überwinden. Die erste richtige Kanalschleuse wurde im Jahr 984 n. Chr. In China erfunden. In Deutschland wurde 1325 die erste Schiffsschleuse gebaut.

Funktionsweise

Die wichtigsten Schleusen gibt es auf den Bundeswasserstraßen, also allen schiffbaren Flüssen und Kanälen. Im Prinzip ist eine Schleuse ein großes Becken, das dadurch entsteht, dass man zwei Tore in den Fluss baut – vor und nach der Gefällstrecke oder des Wehres. Das Becken kann man beliebig mit Wasser vom Oberlauf füllen, dann steigt es an; oder man lässt Wasser auf der anderen Seite herauslaufen, dann senkt sich der Wasserspiegel innerhalb des künstlichen Wasserbeckens. Auf diese Art und Weise ist es heute möglich, Schiffe, die sich innerhalb der beiden Tore auf dem Wasser befinden, bis zu 30 Metern anzuheben oder abzusenken. Die Schiffe können dann ohne Probleme die Fahrt ober- oder unterhalb der einstigen Stufe fortsetzen.

Nachteile

Die natürliche Flussdynamik ist ein wesentlicher Bestandteil des intakten Ökosystems Fließgewässer. Durch natürliche Höhenunterschiede gibt es Stromschnellen, an denen zum Beispiel die Wasseramsel ihr Revier hat, und aufgrund der hohen Wasserkraft unterliegen solche Abschnitte einem besonders dynamischen Wandel. Steine werden unterspült, das sprudelnde Wasser reichert sich mit Sauerstoff an, Sediment wird erodiert und wegtransportiert. Ein Paradies für die verschiedensten Lebewesen- und ein Graus für die Schifffahrt. Schleusen nehmen dem Fluss nicht nur seine Dynamik, sondern stellen noch dazu eine Barriere mitten im Fluss dar und nehmen vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Vergleiche auch mit Wasserkraft#Staudamm.

Auch die Schleuse selbst ist eine Gefährdung. Man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, wenn Tiere und Pflanzen von dem Sog der Schleuse angezogen werden oder in den tosenden Abfluss geraten.

Schleusen sind also für die Ökologie des Flusses als kritisch einzuschätzen. Wo der Bau einer Schleuse nicht verhindert werden kann, sollte man Kompromisslösungen finden. Der Einsatz von Fischtreppen kann beispielsweise den Fischen ermöglichen, ihren Weg abseits der Schleuse fortzusetzen, was für einige Arten auf dem Weg zu ihren Laichplätzen von besonderer Wichtigkeit ist.

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