Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Wasservögel in der Stadt

Ganz gleich ob künstlich geschaffen oder natürlichen Ursprungs – unsere gefiederten Freunde haben auch dieses Terrain erobert. Gewässer in der Stadt bieten einen wichtigen Lebensraum für Vögel in der Stadt. Häufig wurden Stadtgewässer irgendwann vom Menschen zum Zwecke der Erholung oder des Fischfanges künstlich angelegt. Die vielen nicht von Menschenhand geschaffenen Gewässer wie Flüsse und Bäche sind oftmals stark überformt.

Stadtgewässer: Wertvoller Erholungsraum für den Menschen

Stadtgewässer haben einen sehr hohen erlebnispädagogischen Wert. Sie dienen der Erholung, der Bildung, und sie sind ein wichtiges Kulturgut. Viele Menschen suchen gerade in solch einem Terrain Ruhe, Erholung und Ausgleich. Hier bekommen sie einen intensiveren Kontakt mit der Natur als in bebauten und versiegelten Stadtteilen. Dazu tragen nicht zuletzt die Wasservögel bei, die im Gegensatz zu anderen Tiergruppen schon alleine durch ihre Größe auffallen. Spaziergänger jeder Altersgruppe erfreuen sich an ihrem Formen- und Farbenreichtum sowie an ihren Rufen und Gesängen, die man oftmals sehr weit hören kann.

Einfluss des Menschen auf die Wasservogelwelt

Leider unterliegen Stadtgewässer im Gegensatz zu Gewässern der freien Landschaft den charakteristischen Einflüssen von Siedlungsballungsräumen. Dies wirkt sich neben anderen Teilen der belebten Umwelt im und am Gewässer auch auf die Wasservogelwelt negativ aus.

Zu vielen Städten gehören die allseits beliebten Parkteiche, die meistens in der Vergangenheit künstlich angelegt wurden. Auf diesen ästhetischen Kleinodien findet man oftmals eine hohe Anzahl an Wasservögeln. Desinteressierte Bürger oder „ungeübte“ Beobachter könnten meinen, hier sei für die Natur alles im Gleichgewicht. Wenn man sich die durchaus hübschen Vögel aber einmal genauer anschaut, sind es meistens nur ganz wenige Arten. Am häufigsten findet man hier Stockenten, Bleßrallen, aber auch die prächtigen weißen Höckerschwäne. Diese Arten sind sogenannte Ubiquisten, das heißt, anspruchslose Arten. Sie haben sich an den Menschen und die Einflüsse, die von seiner Existenz und seinem Handeln ausgehen, gewöhnt.

Doch was sind die Gründe für diese Artenarmut?

Eine reichhaltige Wasservogelwelt benötigt einen ausreichend breiten und gut strukturierten, abwechslungsreichen Röhrichtgürtel. Solch ein Verlandungsbereich bietet verschiedenen Arten – und vor allem vergleichsweise anspruchsvolleren und selteneren Arten – Nistgelegenheiten.

Durch Uferbebauung und einem zu hohen Besatz an Stockenten und Bleßrallen werden diese Bereiche immer weiter zurückgedrängt. Das Füttern von Vögeln wie Enten, Bleßrallen und Höckerschwänen führt dazu, dass sich diese Arten in hoher Anzahl ansiedeln. Negative Folgen sind die Zerstörung der Ufervegetation durch Vertritt und Verbiss. Gerade für andere Vogelarten wie Teich- und Drosselrohrsänger, Beutelmeise, Reiherente oder Zwergtaucher sind aber Röhrichte im und am Gewässer essentielle Elemente. Nicht zuletzt trägt das Füttern zur Vermehrung der ohnehin häufigeren Arten bei, was eine stärkere Konkurrenz gegenüber selteneren Arten bedeutet, die dadurch letztendlich an Lebensraum verlieren und verschwinden.

Ein zu hoher Fischbesatz, die Einleitung von Abwässern, eingebrachtes organisches Material durch Fütterungen und der Kot unverhältnismäßig großer Ansammlungen von Wasservögeln bringen eine hohe Nährstoffanreicherung mit sich. Dies kann zur Algenblütenbildung führen, zur Sauerstoffzehrung und zu einer Verarmung der Wasserflora. Letzteres wirkt sich negativ auf Vogelarten aus, die beispielsweise Schwimmblattfloren bevorzugen wie die Knäkente und die Löffelente.

Aktionsideen

  • Ihr könnt euch dafür einsetzen, die Fütterung von Wasservögeln zu unterbinden. Hinweisschilder und anderweitige Aufklärungen über die negativen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt sind dabei hilfreich.
  • Ihr könnt Bedingungen schaffen, damit sich ein breiter Röhrichtgürtel um das Gewässer entwickelt. Dieser dient den Vögeln als Versteck- und Brutareal.
  • Ihr könnt im Gewässer eine künstliche Insel schaffen. Die Röhrichtbestände, die sich dort entwickeln, tragen wieder zu einem höheren Angebot an Nistmöglichkeiten bei. Außerdem fühlen sich die Vögel auf diesem gänzlich von Wasser umgebenen Areal sicherer, da sie nicht so unmittelbar mit dem Menschen in Kontakt kommen. Der Bruterfolg auf einer Insel kann deshalb um ein Vielfaches höher liegen. Raubtiere wie Hunde, Katzen und Marder haben kaum eine Chance, die Tiere aufzuschrecken oder ihre Nester zu plündern.
  • Ihr könnt Alternativen zur Einleitung von Abwässern in Stadtgewässer suchen, da sich diese negativ auf die Pflanzenwelt und somit auch auf die Wasservogelwelt auswirken (siehe oben). Sollten die Abwässer dennoch in den Teich geleitet werden, ist es auch möglich, eine Vorkläranlage zu errichten. Solch eine Einrichtung muss nicht unbedingt ein teures technisches Bauwerk sein. Das Anlegen eines oder mehrerer Schilfbecken ermöglicht die Bindung der pflanzenverfügbaren Nährstoffe in der Biomasse des Schilfes.
  • Ihr könnt euch für einen naturnäheren Fischbesatz einsetzen.
  • Ihr könnt Ruhezonen schaffen, in denen Vögel im Frühjahr ungestört brüten können.
  • Ihr könnt Öffentlichkeitsarbeit leisten und den Bürgern, Stadtplanern usw. die ökologischen Zusammenhänge sowie die Wertigkeit des Ökosystems näher bringen. Denkbar sind das Entwerfen und Anbringen von Schautafeln, das Verfassen von Zeitungsartikeln und das Durchführen von Exkursionen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Hilfe zur Verfassung von Texten bekommt ihr hier. Wie man eine Pressemitteilung schreibt kannst du hier nachlesen und weitere Grundlagen zur Öffentlichkeitsarbeit stehen hier.

Links zum Weiterlesen