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Mauer

NAJU Niedersachsen

Auf der Mauer auf der Lauer sitzt ´ne kleine… PFLANZE – Bunte Vielfalt im Siedlungsbereich

Mauern sind artenreiche und damit ökologisch wichtige Biotope mit kleinräumigen und vielfältigen Strukturen. Im Gegensatz zum geplanten Stadtgrün werden Mauern spontan besiedelt. In Abhängigkeit von Baumaterial, Art und Struktur des Bauwerks, Alter und Exposition (Ausrichtung) folgen verschiedene Sukzessionsstadien (Entwicklungsstadien) aus Algen, Flechten, Moosen, Farn- und Blütenpflanzen. Innerhalb von wenigen Jahren kann sich somit, bei ungestörter Entwicklung, ein teppichartiger Mauerbewuchs einstellen.

Gäste aus dem sonnigen Süden

Auffallend ist, dass die meisten Pflanzenarten auch in südeuropäischen Hochgebirgen und im Mittelmeerraum zu finden sind. Der Grund, warum sie sich bis in unsere Breiten vorgewagt haben, liegt an der großen Wärmespeicherkapazität und dem felsigen Aussehen von Mauern. Damit die Pflanzen an diesem so ungemütlichen Standort auch überleben können, haben sie bestimmte Überlebensstrategien entwickelt. Der Weiße Mauerpfeffer speichert das lebenswichtige Wasser in seinen dickfleischigen Blättern. Die Dach-Hauswurz besiedelt die niederschlagsreiche Mauerkrone, auf der sie mit Hilfe dichtstehender Blätter das Regenwasser lange halten kann. Und auch das Mauer–Zimbelkraut, hat im Laufe der Vegetationsperiode eine immer größere Trockenheitsresistenz entwickelt.

Mörtel – so basisch wie Seife

Obwohl Mauern in unseren Städten allgegenwärtig sind, zählen Mauerpflanzengesellschaften in Mitteleuropa zu den Besonderheiten der Vegetation. Gründe dafür sind:

• Typische Pflanzengesellschaften siedeln sich nicht auf Steinen oder Beton, sondern ausschließlich in Mauerfugen an. Moderne Gebäude sind jedoch meistens fugenlos.

• Frischer Mörtel hat in der Regel einen extrem hohen pH-Wert (11) und ist damit unbesiedelbar. Erst Umwelteinwirkungen führen im Laufe der Jahre zu einer Senkung des pH-Wertes. Forscher haben festgestellt, dass Mauern erst nach 40 Jahren besiedelt werden können!

• An historischen Gebäuden werden die bestehenden Pflanzengesellschaften oft bei Restaurierungsmaßnahmen entfernt, da ihre Bedeutung wenigen bekannt ist.

Tiere auf der Mauer

Doch neben all den Pflanzen sind auch die kleine Wanze und ihre tierischen Mitbewohner nicht zu vergessen! Neben Eidechsen, die sich zum Aufwärmen auf die Mauer legen, findet man auch Spinnen, die in den Mauerritzen auf Beute lauern. Zwischen den Blüten der Pflanzen schwirren Bienen herum, um ihre tägliche Portion Nektar und Pollen zu sammeln, und Grabwespen legen ihre Nistplätze zwischen den Steinen an.

Wie du merkst, wird selbst der ungemütlichste Standort als Lebensraum genutzt. Doch leider fallen die Mauervegetationen oft dem allseits bekannten deutschen Ordnungssinn zum Opfer und werden restlos entfernt. Wenn du also so eine Aktion zufällig beobachten solltest, sprich die Leute doch einfach mal freundlich an und klär sie auf. Vielleicht stößt du auf offene Ohren!

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Aktionsideen

Quelle

Die Entsiegler, Aline Foschepoth