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== Vogelzug ==
== Vogelzug ==
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Der Vogelzug ist wohl die faszinierendste Wanderungsbewegung von Tieren überhaupt und weckt schon seit Jahrhunderten die Neugier der Menschen. Das liegt zum Einen an den enormen Leistungen, die die [[Vögel]] auf ihren Zugstrecken vollbringen. Zum Anderen gibt der Vogelzug den Wissenschaftlern auch heutzutage noch viele Rätsel auf (mehr Infos in den Texten Flugtechnik und Navigation). Auch im Alltag der Menschen sind Vögel immer präsent. Das macht den Zug sozusagen für Jedermann hautnah erlebbar.
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Allerdings stellt der menschliche Fortschritt für die Zugvögel eine zunehmende Gefahr dar mehr dazu. Insbesondere der aktuelle Klimawandel hat großen Einfluss auf die Vögel mehr dazu. Während manche Arten vielleicht von einer Erwärmung profitieren, fallen andere den Veränderungen möglicherweise zum Opfer.
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Hier erfahrt ihr mehr über die Grundlagen des Vogelzugs und die Gefahren durch den [[Klimawandel]]...
=== Gründe für den Vogelzug ===
=== Gründe für den Vogelzug ===
Wieso nehmen [[Vögel]] überhaupt die Strapazen und Gefahren eines langen Fluges in weit entfernte Gebiete auf sich, anstatt einfach nur bequem an einem Ort zu bleiben? Natürlich werden sie dies nicht ohne einen besonderen Grund tun, sondern entscheidende Vorteile aus diesem Verhalten ziehen.  
Wieso nehmen [[Vögel]] überhaupt die Strapazen und Gefahren eines langen Fluges in weit entfernte Gebiete auf sich, anstatt einfach nur bequem an einem Ort zu bleiben? Natürlich werden sie dies nicht ohne einen besonderen Grund tun, sondern entscheidende Vorteile aus diesem Verhalten ziehen.  
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Wichtigster Hintergrund für Zugbewegungen sind die jahreszeitlichen Schwankungen auf unserer Erde. Sie sorgen in vielen Gebieten für einen ständigen Wechsel der Lebensbedingungen. Im Sommer herrschen in unseren Breiten meist warme Temperaturen und ein reichhaltiges Nahrungsangebot vor, während die Winter oft nur sehr wenig Futter für viele Tierarten bieten. In anderen Teilen der Erde kann Saisonalität in anderen Formen auftreten, z.B. im Wechsel von Regen- und Trockenzeiten. Als Antwort auf die [[Jahreszeiten]] sind im Tierreich vielfältige Arten von Wanderungen entstanden. Die Tiere versuchen den für sie eher schlechten Bedingungen im Winter zu entgehen oder günstigere Bedingungen in anderen Regionen zu nutzen. [[Klima]] und [[Wetter]] haben vor allem einen indirekten Einfluss auf das Wanderungen. Die Tiere wandern oft nicht, um der Kälte auszuweichen, sondern weil niedrigere Temperaturen auch weniger Nahrung bedeuten. Bodentiere wie Regenwürmer und Schnecken, ziehen sich im Winter in tiefere Bodenschichten zurück. Auch Fische und Amphibien ([[Frösche]], Molche) flüchten vor den kalten Temperaturen in den Schlamm der Gewässer. [[Maulwürfe]] sowie Schlangen und Eidechsen überwintern ebenfalls im [[Boden]].  
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Wichtigster Hintergrund für Zugbewegungen sind die jahreszeitlichen Schwankungen auf unserer Erde. Sie sorgen in vielen Gebieten für einen ständigen Wechsel der Lebensbedingungen. Im Sommer herrschen in unseren Breiten meist warme Temperaturen und ein reichhaltiges Nahrungsangebot vor, während die Winter oft nur sehr wenig Futter für viele Tierarten bieten. In anderen Teilen der Erde kann Saisonalität in anderen Formen auftreten, z.B. im Wechsel von Regen- und Trockenzeiten. Als Antwort auf die [[Jahreszeiten]] sind im Tierreich vielfältige Arten von Wanderungen entstanden. Die Tiere versuchen den für sie eher schlechten Bedingungen im Winter zu entgehen oder günstigere Bedingungen in anderen Regionen zu nutzen. [[Klima]] und [[Wetter]] haben vor allem einen indirekten Einfluss auf das Wanderungen. Die Tiere wandern oft nicht, um der Kälte auszuweichen, sondern weil niedrigere Temperaturen auch weniger Nahrung bedeuten. Bodentiere wie Regenwürmer und Schnecken, ziehen sich im Winter in tiefere Bodenschichten zurück. Auch Fische und Amphibien ([[Frösche]], Molche) flüchten vor den kalten Temperaturen in den Schlamm der Gewässer. [[Maulwürfe]] sowie Schlangen und Eidechsen überwintern ebenfalls im [[Boden]]. [[Datei:Vogelzug_Peter_Fenge_pixelio.de.jpg|miniatur|300px|Vogelzug Foto von Peter fenge/pixelio.de]]
Die faszinierendsten Wanderungen jedoch gibt es bei den Vögeln. Sie fliegen zum Teil extrem lange Strecken in weit entfernte Gebiete. Viele unserer Zugvögel fliegen bis weit hinein in den afrikanischen Kontinent. Manche [[Weißstörche]] und [[Schwalbe]]n ziehen bis hinunter zum südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap der guten Hoffnung in Südafrika.
Die faszinierendsten Wanderungen jedoch gibt es bei den Vögeln. Sie fliegen zum Teil extrem lange Strecken in weit entfernte Gebiete. Viele unserer Zugvögel fliegen bis weit hinein in den afrikanischen Kontinent. Manche [[Weißstörche]] und [[Schwalbe]]n ziehen bis hinunter zum südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap der guten Hoffnung in Südafrika.
In diesen Gebieten finden die Tiere im Winter ein sehr viel reichhaltigeres Nahrungsangebot als bei uns. Dies gilt insbesondere für Insektenfresser, während viele Körnerfresser (z.B. [[Finken]]) unsere Winter gut überstehen. Im Frühjahr kehren die Zugvögel dann wieder zu uns zurück, um hier ihre Jungen groß zu ziehen.  
In diesen Gebieten finden die Tiere im Winter ein sehr viel reichhaltigeres Nahrungsangebot als bei uns. Dies gilt insbesondere für Insektenfresser, während viele Körnerfresser (z.B. [[Finken]]) unsere Winter gut überstehen. Im Frühjahr kehren die Zugvögel dann wieder zu uns zurück, um hier ihre Jungen groß zu ziehen.  
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Um ihre lange Wanderung zu bestehen, müssen sich die Zugvögel rechtzeitig auf die Strecke vorbereiten und eine ganze Reihe von besonderen Eigenschaften besitzen. Der Körperbau von Zugvögeln zeigt spezielle Anpassungen. So bieten lange, spitze Flügel weniger Luftwiderstand als runde. Das spart Energie beim Flug. Der Hauptflugmotor, der Brustmuskel, ist bei Zugvögeln deutlich größer als bei Standvögeln. Bis zu 35% des Körpergewichts kann dieser Muskel mitunter ausmachen. Energiestoffwechsel und Sauerstoffversorgung erreichen bei Zugvögeln ungewöhnlich hohe Werte verglichen mit dem Rest des Tierreichs. Auf diese Weise werden Hochleistungen ermöglicht, aber nur, wenn der erhöhte Energiebedarf gedeckt ist.
Um ihre lange Wanderung zu bestehen, müssen sich die Zugvögel rechtzeitig auf die Strecke vorbereiten und eine ganze Reihe von besonderen Eigenschaften besitzen. Der Körperbau von Zugvögeln zeigt spezielle Anpassungen. So bieten lange, spitze Flügel weniger Luftwiderstand als runde. Das spart Energie beim Flug. Der Hauptflugmotor, der Brustmuskel, ist bei Zugvögeln deutlich größer als bei Standvögeln. Bis zu 35% des Körpergewichts kann dieser Muskel mitunter ausmachen. Energiestoffwechsel und Sauerstoffversorgung erreichen bei Zugvögeln ungewöhnlich hohe Werte verglichen mit dem Rest des Tierreichs. Auf diese Weise werden Hochleistungen ermöglicht, aber nur, wenn der erhöhte Energiebedarf gedeckt ist.
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[[Datei:Vogelbeere.jpg|miniatur|300px|links|Vogelbeere Foto von Melanie Kluth/pixelio.de]]
Die Vorbereitung auf den Zug beginnt schon am Anfang eines Vogellebens. Die Entwicklung der Jungen und die Mauser in ein robustes Adultgefieder verläuft bei Zugvögeln im Vergleich zu nicht ziehenden Vögeln schneller. Dies ist überlebenswichtig, da die Jungen bis zu Beginn der Zugperiode im Herbst flügge und zugbereit sein müssen. Diese Entwicklungs- und Verhaltensmuster werden bei vielen Arten von angeborenen jahreszeitlichen Programmen ("biologischen Uhren") gesteuert. Kurz vor dem Wegziehen tritt ein weiteres Phänomen auf: die Hyperphagie (hyper=übermäßig, phagie=Nahrungsaufnahme). Um ihre Fettdepots für die lange Reise aufzufüllen, fressen die Vögel in dieser Zeit übermäßig viel. Besonders Früchte werden bevorzugt. Sie enthalten viel Energie in Form von Zucker und vermutlich auch andere wichtige Spurenelemente. Bis zu 10% des Körpergewichtes können Vögel an einem Tag in ihren Fettdepots zulegen. Die Fettspeicherung ist das Hauptmerkmal dafür, dass der Zug kurz bevor steht. Die Vögel werden dann unruhig, viele tagaktive Vögel werden nun nachts munter. In Käfigen und Volieren beginnt ein rastloses Verhalten, das als "Zugunruhe" bezeichnet wird.
Die Vorbereitung auf den Zug beginnt schon am Anfang eines Vogellebens. Die Entwicklung der Jungen und die Mauser in ein robustes Adultgefieder verläuft bei Zugvögeln im Vergleich zu nicht ziehenden Vögeln schneller. Dies ist überlebenswichtig, da die Jungen bis zu Beginn der Zugperiode im Herbst flügge und zugbereit sein müssen. Diese Entwicklungs- und Verhaltensmuster werden bei vielen Arten von angeborenen jahreszeitlichen Programmen ("biologischen Uhren") gesteuert. Kurz vor dem Wegziehen tritt ein weiteres Phänomen auf: die Hyperphagie (hyper=übermäßig, phagie=Nahrungsaufnahme). Um ihre Fettdepots für die lange Reise aufzufüllen, fressen die Vögel in dieser Zeit übermäßig viel. Besonders Früchte werden bevorzugt. Sie enthalten viel Energie in Form von Zucker und vermutlich auch andere wichtige Spurenelemente. Bis zu 10% des Körpergewichtes können Vögel an einem Tag in ihren Fettdepots zulegen. Die Fettspeicherung ist das Hauptmerkmal dafür, dass der Zug kurz bevor steht. Die Vögel werden dann unruhig, viele tagaktive Vögel werden nun nachts munter. In Käfigen und Volieren beginnt ein rastloses Verhalten, das als "Zugunruhe" bezeichnet wird.
Viele Zugvögel starten erst, wenn sie einen bestimmten Fettumfang erreicht haben.
Viele Zugvögel starten erst, wenn sie einen bestimmten Fettumfang erreicht haben.
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Ein Großteil der Faszination Vogelzug macht aus, dass viele [[Vögel]] nicht einfach nur ungefähr ihren Weg finden. Sie landen sogar jedes Jahr an ihrem persönlichen Schlafplatz. Es wurden Störche beobachtet, die in Deutschland jedes Jahr auf dem Dach des gleichen Bauernhofes nisteten und im tausende Kilometer entfernten Afrika Jahr für Jahr ein und denselben Schlafbaum aufsuchen.
Ein Großteil der Faszination Vogelzug macht aus, dass viele [[Vögel]] nicht einfach nur ungefähr ihren Weg finden. Sie landen sogar jedes Jahr an ihrem persönlichen Schlafplatz. Es wurden Störche beobachtet, die in Deutschland jedes Jahr auf dem Dach des gleichen Bauernhofes nisteten und im tausende Kilometer entfernten Afrika Jahr für Jahr ein und denselben Schlafbaum aufsuchen.
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[[Datei:Kompass.jpg|miniatur|300px|Wie ein innerer Kompass... Foto von Maren Beßler/pixelio.de]]
Wie orientieren sich die Vögel auf ihren Wanderungen?
Wie orientieren sich die Vögel auf ihren Wanderungen?
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=== Vogelgrippe ===
=== Vogelgrippe ===
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Seit in Deutschland im Frühjahr 2006 bei einigen toten Wildvögeln auf Rügen zum ersten Mal der Vogelgrippe-Erreger nachgewiesen wurde, ist das Thema aktuell. Befürchtet wird eine weitere Ausbreitung der Seuche in Europa. Unklar ist wie die Erreger nach Europa kamen.
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Seit in Deutschland im Frühjahr 2006 bei einigen toten Wildvögeln auf Rügen zum ersten Mal der Vogelgrippe-Erreger nachgewiesen wurde, ist das Thema aktuell. Befürchtet wird eine weitere Ausbreitung der Seuche in Europa. Unklar ist wie die Erreger nach Europa kamen.  
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Lange Zeit galten die Zugvögel als Hauptverdächtige für die Verbreitung und Übertragung des Virus H5N1, wie das medizinische Kürzel des bekanntesten Vogelgrippe-Virus lautet. Dies ist nach neueren Erkenntnissen jedoch nur zum Teil richtig.
Lange Zeit galten die Zugvögel als Hauptverdächtige für die Verbreitung und Übertragung des Virus H5N1, wie das medizinische Kürzel des bekanntesten Vogelgrippe-Virus lautet. Dies ist nach neueren Erkenntnissen jedoch nur zum Teil richtig.
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Zunächst einmal muss man zwischen zwei verschiedenen Formen von Vogelgrippe-Viren unterscheiden. Es gibt niedrig- und hochpathogene Formen der Viren (pathogen bedeutet krankheitsauslösend). Bei Wildvögeln und vor allem bei [[Wasservögel in der Stadt|Wasservögel]]n kommen vor allem die niedrig-pathogenen Formen vor, und zwar nicht nur des H5N1 Virus sondern auch von anderen ähnlichen Grippeviren. Diese niedrig-pathogenen Viren führen nicht zu einer Erkrankung der Vögel. Sie können aber durch die Zugvögel verbreitet werden und Vögel aus Geflügelzuchten anstecken. In Geflügelbetrieben werden die Vögel meist auf engem Raum zusammengehalten, die Viren werden schnell von Vogel zu Vogel übertragen. Hierbei können sich die Viren verändern, aus niedrig-pathogenen Viren können hoch-pathogene Viren werden. Diese sehr gefährlichen Viren führen immer zum raschen Sterben des infizierten Vogels. Vom Geflügel ist dann wiederum eine Übertragung auf Wildvögel möglich, die zumindest über kurze Strecken den Virus weiter verbreiten können.
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Zunächst einmal muss man zwischen zwei verschiedenen Formen von Vogelgrippe-Viren unterscheiden. Es gibt niedrig- und hochpathogene Formen der Viren (pathogen bedeutet krankheitsauslösend). Bei Wildvögeln und vor allem bei [[Wasservögel in der Stadt|Wasservögel]]n kommen vor allem die niedrig-pathogenen Formen vor, und zwar nicht nur des H5N1 Virus sondern auch von anderen ähnlichen Grippeviren. Diese niedrig-pathogenen Viren führen nicht zu einer Erkrankung der Vögel. Sie können aber durch die Zugvögel verbreitet werden und Vögel aus Geflügelzuchten anstecken. In Geflügelbetrieben werden die Vögel meist auf engem Raum zusammengehalten, die Viren werden schnell von Vogel zu Vogel übertragen. Hierbei können sich die Viren verändern, aus niedrig-pathogenen Viren können hoch-pathogene Viren werden. Diese sehr gefährlichen Viren führen immer zum raschen Sterben des infizierten Vogels. Vom Geflügel ist dann wiederum eine Übertragung auf Wildvögel möglich, die zumindest über kurze Strecken den Virus weiter verbreiten können.[[Datei:Vogelgrippe.jpg|miniatur|300px|links|Foto von Karin Jung/pixelio.de]]
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Die großen "Sprünge" in der Ausbreitung der gefährlichen hochpathogenen Form jedoch gehen größtenteils auf menschliche Aktivitäten zurück. Der Handel (legal und illegal) mit Vögeln und auch Vogelprodukten (Federn, Dünger aus Kot etc.) spielt dabei eine große Rolle. Geflügel, z.B. Küken, werden durch alle Welt transportiert. Auch durch Transport von Geflügelkot, Geflügelprodukten und verunreinigtem [[Wasser]] werden die Viren verbreitet. Da die hoch-pathogenen Erreger vor allem bei Geflügel auftreten, wird die Vogelgrippe oft auch als „Geflügelpest“ bezeichnet.
Die großen "Sprünge" in der Ausbreitung der gefährlichen hochpathogenen Form jedoch gehen größtenteils auf menschliche Aktivitäten zurück. Der Handel (legal und illegal) mit Vögeln und auch Vogelprodukten (Federn, Dünger aus Kot etc.) spielt dabei eine große Rolle. Geflügel, z.B. Küken, werden durch alle Welt transportiert. Auch durch Transport von Geflügelkot, Geflügelprodukten und verunreinigtem [[Wasser]] werden die Viren verbreitet. Da die hoch-pathogenen Erreger vor allem bei Geflügel auftreten, wird die Vogelgrippe oft auch als „Geflügelpest“ bezeichnet.
Ob auch Zugvögel den hoch-pathogenen H5N1-Virus über längere Strecken, z.B. von Asien oder Sibirien nach Europa, verbreiten können, ist noch unklar. Möglicherweise sind so infizierte Tiere überhaupt nicht mehr in der Lage größere Flugstrecken zurück zu legen.
Ob auch Zugvögel den hoch-pathogenen H5N1-Virus über längere Strecken, z.B. von Asien oder Sibirien nach Europa, verbreiten können, ist noch unklar. Möglicherweise sind so infizierte Tiere überhaupt nicht mehr in der Lage größere Flugstrecken zurück zu legen.

Aktuelle Version vom 11:37, 31. Mär. 2011

Inhaltsverzeichnis

Vogelzug

Der Vogelzug ist wohl die faszinierendste Wanderungsbewegung von Tieren überhaupt und weckt schon seit Jahrhunderten die Neugier der Menschen. Das liegt zum Einen an den enormen Leistungen, die die Vögel auf ihren Zugstrecken vollbringen. Zum Anderen gibt der Vogelzug den Wissenschaftlern auch heutzutage noch viele Rätsel auf (mehr Infos in den Texten Flugtechnik und Navigation). Auch im Alltag der Menschen sind Vögel immer präsent. Das macht den Zug sozusagen für Jedermann hautnah erlebbar.

Allerdings stellt der menschliche Fortschritt für die Zugvögel eine zunehmende Gefahr dar mehr dazu. Insbesondere der aktuelle Klimawandel hat großen Einfluss auf die Vögel mehr dazu. Während manche Arten vielleicht von einer Erwärmung profitieren, fallen andere den Veränderungen möglicherweise zum Opfer.

Hier erfahrt ihr mehr über die Grundlagen des Vogelzugs und die Gefahren durch den Klimawandel...

Gründe für den Vogelzug

Wieso nehmen Vögel überhaupt die Strapazen und Gefahren eines langen Fluges in weit entfernte Gebiete auf sich, anstatt einfach nur bequem an einem Ort zu bleiben? Natürlich werden sie dies nicht ohne einen besonderen Grund tun, sondern entscheidende Vorteile aus diesem Verhalten ziehen.

Wichtigster Hintergrund für Zugbewegungen sind die jahreszeitlichen Schwankungen auf unserer Erde. Sie sorgen in vielen Gebieten für einen ständigen Wechsel der Lebensbedingungen. Im Sommer herrschen in unseren Breiten meist warme Temperaturen und ein reichhaltiges Nahrungsangebot vor, während die Winter oft nur sehr wenig Futter für viele Tierarten bieten. In anderen Teilen der Erde kann Saisonalität in anderen Formen auftreten, z.B. im Wechsel von Regen- und Trockenzeiten. Als Antwort auf die Jahreszeiten sind im Tierreich vielfältige Arten von Wanderungen entstanden. Die Tiere versuchen den für sie eher schlechten Bedingungen im Winter zu entgehen oder günstigere Bedingungen in anderen Regionen zu nutzen. Klima und Wetter haben vor allem einen indirekten Einfluss auf das Wanderungen. Die Tiere wandern oft nicht, um der Kälte auszuweichen, sondern weil niedrigere Temperaturen auch weniger Nahrung bedeuten. Bodentiere wie Regenwürmer und Schnecken, ziehen sich im Winter in tiefere Bodenschichten zurück. Auch Fische und Amphibien (Frösche, Molche) flüchten vor den kalten Temperaturen in den Schlamm der Gewässer. Maulwürfe sowie Schlangen und Eidechsen überwintern ebenfalls im Boden.
Vogelzug Foto von Peter fenge/pixelio.de

Die faszinierendsten Wanderungen jedoch gibt es bei den Vögeln. Sie fliegen zum Teil extrem lange Strecken in weit entfernte Gebiete. Viele unserer Zugvögel fliegen bis weit hinein in den afrikanischen Kontinent. Manche Weißstörche und Schwalben ziehen bis hinunter zum südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap der guten Hoffnung in Südafrika. In diesen Gebieten finden die Tiere im Winter ein sehr viel reichhaltigeres Nahrungsangebot als bei uns. Dies gilt insbesondere für Insektenfresser, während viele Körnerfresser (z.B. Finken) unsere Winter gut überstehen. Im Frühjahr kehren die Zugvögel dann wieder zu uns zurück, um hier ihre Jungen groß zu ziehen.

Der Drang zu ziehen ist in den Genen der Vögel gespeichert. Einige Zeit vor Beginn des Zuges werden die Vögel unruhig, sie beginnen erste Proberunden zu drehen, die „ Zugunruhe“ ist ausgebrochen. Solche genetischen Programme, die den Zug sozusagen "von innen heraus" auslösen, helfen den Vögeln, rechtzeitig aufzubrechen. Das ist einerseits wichtig, um in den Brutgebieten nicht vom Wintereinbruch überrascht zu werden, und andererseits, um im Überwinterungsgebiet rechtzeitig aufzubrechen, um im Brutgebiet ideale Brutbedingen vorzufinden. Das Zugverhalten innerhalb von einzelnen Vogelarten kann sich auch in kurzen Zeiträumen ändern. Ein gutes Beispiel ist die Amsel. Bis ins 19. Jahrhundert war sie in Mitteleuropa ausschließlich Zugvogel. Sie lebte zur Brutzeit in unseren Wäldern und zog zum Überwintern in den Mittelmeerraum. Heute sind Amseln bei uns Teilzieher, d.h. nur ein Teil der Vögel zieht in Überwinterungsgebiete. Der andere Teil bleibt ganzjährig hier. In anderen Gebieten wie z.B. auf den Britischen Inseln sind Amseln reine Standvögel geworden, d.h. keines der Tiere zieht zum Überwintern weg. Sollte es zu einer weiteren Klimaerwärmung kommen werden wahrscheinlich immer mehr Vogelarten zu reinen Standvögeln.

Alexander Balmert

Voraussetzungen für den Zug

Um ihre lange Wanderung zu bestehen, müssen sich die Zugvögel rechtzeitig auf die Strecke vorbereiten und eine ganze Reihe von besonderen Eigenschaften besitzen. Der Körperbau von Zugvögeln zeigt spezielle Anpassungen. So bieten lange, spitze Flügel weniger Luftwiderstand als runde. Das spart Energie beim Flug. Der Hauptflugmotor, der Brustmuskel, ist bei Zugvögeln deutlich größer als bei Standvögeln. Bis zu 35% des Körpergewichts kann dieser Muskel mitunter ausmachen. Energiestoffwechsel und Sauerstoffversorgung erreichen bei Zugvögeln ungewöhnlich hohe Werte verglichen mit dem Rest des Tierreichs. Auf diese Weise werden Hochleistungen ermöglicht, aber nur, wenn der erhöhte Energiebedarf gedeckt ist.

Vogelbeere Foto von Melanie Kluth/pixelio.de

Die Vorbereitung auf den Zug beginnt schon am Anfang eines Vogellebens. Die Entwicklung der Jungen und die Mauser in ein robustes Adultgefieder verläuft bei Zugvögeln im Vergleich zu nicht ziehenden Vögeln schneller. Dies ist überlebenswichtig, da die Jungen bis zu Beginn der Zugperiode im Herbst flügge und zugbereit sein müssen. Diese Entwicklungs- und Verhaltensmuster werden bei vielen Arten von angeborenen jahreszeitlichen Programmen ("biologischen Uhren") gesteuert. Kurz vor dem Wegziehen tritt ein weiteres Phänomen auf: die Hyperphagie (hyper=übermäßig, phagie=Nahrungsaufnahme). Um ihre Fettdepots für die lange Reise aufzufüllen, fressen die Vögel in dieser Zeit übermäßig viel. Besonders Früchte werden bevorzugt. Sie enthalten viel Energie in Form von Zucker und vermutlich auch andere wichtige Spurenelemente. Bis zu 10% des Körpergewichtes können Vögel an einem Tag in ihren Fettdepots zulegen. Die Fettspeicherung ist das Hauptmerkmal dafür, dass der Zug kurz bevor steht. Die Vögel werden dann unruhig, viele tagaktive Vögel werden nun nachts munter. In Käfigen und Volieren beginnt ein rastloses Verhalten, das als "Zugunruhe" bezeichnet wird. Viele Zugvögel starten erst, wenn sie einen bestimmten Fettumfang erreicht haben. Im Zusammenhang mit dem Zug werden auch körpereigene Kohlenhydrate und Eiweiße abgebaut, um „Ballast“ abzuwerfen und um Nährstoffe freizusetzen. Diese sind zwar auch energiereich, aber sehr viel schwerer als Fett. Fett ist ein sehr leichter Energieträger und deshalb ein optimaler „Treibstoff“ für lange Zugstrecken.


Zusätzlich zu den körperlichen Anpassungen an den Zug ändert sich bei vielen Arten auch das soziale Verhalten. Die Tiere werden geselliger, sie sammeln sich und bilden Schwärme, in denen sie dann gemeinsam ihren Zug antreten. Formationsflug, wie man ihn beispielsweise bei Gänsen beobachten kann, ist für jedes einzelne Tier von Vorteil. Ein Vogel führt, die anderen sparen im Windschatten des Vordermannes bis zu 20% Energie. Die Führung des Schwarmes wechselt mit der Zeit. Durch soziales Zugverhalten haben Vögel außerdem die Möglichkeit, "Traditionen" zu bilden, also Erfahrungen über Zugstrecken und Rastplätze weiterzugeben.

Katrin Mayntz & Alexander Balmert

Flugtechnik

Wie gerne würden Menschen doch frei und unbeschwert durch die Lüfte schweben. Neidvoll bewundern sie den Vogel, der alle nötigen Eigenschaften besitzt, während sich der Mensch mit Blicken aus Flugzeugen begnügen muss.

Vögel sind prädestinierte Flieger: Sie haben hohle, mit Trinkhalmen zu vergleichende Knochen und sind dadurch besonders leicht. Ihre ausgeprägten Brustmuskeln ermöglichen es, den enormen Kraftaufwand des Flügelschlags zu bewältigen. Bei manchen Vögeln, die besonders viel fliegen, entspricht der Brustmuskel sogar einem Drittel des Körpergewichts. Doch Muskeln alleine reichen nicht aus. Vögel erfreuen sich eines ausgeprägten Luftsacksystems, das sie mit besonders viel Sauerstoff versorgt. Es reicht zum Teil bis in die hohlen Knochen hinein und ermöglicht Vögeln sogar beim Ausatmen Luft einzuatmen. Der aufgenommene Sauerstoff wird außerdem besonders schnell durch diese Luftsäcke transportiert: Das Herz vieler Vögel schlägt im Vergleich zu anderen Tieren deutlich häufiger. Ihr ganzer Körper ist darauf ausgerichtet, den Anstrengungen des Fliegens standzuhalten. Um schließlich in die Luft zu steigen, müssen die Meister des Fliegens aber auch noch ihre Flügel in Bewegung setzen.

Wenn sich der Vogel von seiner Astgabel erhebt, muss er zunächst die Erdanziehung überwinden. Er breitet also seine Flügel aus und schlägt sie nach unten, entgegen dem Boden, der ihn anzieht und wirkt somit der Schwerkraft entgegen. Er stellt seine Federn dabei so, dass sie eine Fläche ergeben und keine Luft durchlassen. Sein Abschlag kombiniert er außerdem mit einer leichten Drehbewegung und aufgestellten Flügelspitzen, wodurch er sich nicht nur aufwärts, sondern auch vorwärts bewegt. Um zu einem neuen Flügelschlag anzusetzen, muss ein Vogel seine Flügel wieder in die Ausgangsposition bringen. Er öffnet beim Aufschlag seine Federn – ähnlich einer Jalousie, deren Lamellen man öffnet - und lässt die Luft durchströmen. Diesen Bewegungsablauf verbringt ein Vogel mehrmals pro Sekunde und kann somit scheinbar mühelos durch die Luft fliegen.

Manche Vögel, die sich auf den Weg in südliche Winterquartiere begeben, betreiben während des Flugs einen enormen Muskelaufwand und verbrauchen sehr viel Energie. Diese müssen sie sich vor Antritt ihrer Zugstrecke anfressen (siehe: "Voraussetzung für den Zug"), eine Verdoppelung ihres Körpergewichtes ist dabei nichts Ungewöhnliches. Einige Vögel verbrauchen auf dem langen Flug mehr Fett, als sie sich anfressen können. Sie fangen an, ihre Organe als Energiespeicher zu reduzieren. Ein gutes Beispiel dafür ist der Fitis: Im Sommer ist er ca. 8 g schwer und sammelt bis September weitere 7 - 8 g Fett an. Nach anstrengenden Zugetappen versucht er, in Rastplatzgebieten die Energiereserven wieder aufzufüllen.


Ein solcher Ruderflug ist allerdings sehr Kraftaufwendig und für einige große und schwere Vögel viel zu anstrengend. Zwar müssen auch diese Vögel sich erst einmal vom Boden erheben. Haben sie allerdings eine gewisse Höhe erreicht, breiten sie ihre Flügel aus und nutzen die Form ihrer Flügel. Während die Flügel von Vögeln, die viel und schnell in der Luft unterwegs sind, kurz, schmal und sichelartig sind, besitzen große, so genannte Segelflieger, Flügel, die sowohl auf der Ober- wie auch auf der Unterseite nach außen gewölbt sind. Solche Flügel lassen entgegenströmenden Wind oberhalb des Flügels schneller passieren als unterhalb, wodurch eine Auftriebskraft entsteht, die den Vogel nach oben, entgegen der Erdanziehungskraft drückt. Dieser Auftrieb kann durch die Verstellung des Flügels beeinflusst werden. Darüber hinaus bedienen sich solche Vögel häufig durch Luft und Wärme entstehender Aufwinde. Wenn die Sonne den Boden erwärmt, steigt warme Luft auf. Mit der aufsteigenden Luft lassen sich Segelflieger, wie z.B. Störche, ohne große Anstrengungen in die Höhe tragen. Bis zu 2000 m Höhe können die Vögel so erreichen. Von da an segeln sie abwärts in Richtung ihres Zugweges. Ohne mit den Flügeln zu schlagen, erreichen sie so bis zu 100 km/h. Nach ca. 6 - 8 Stunden landen sie und nutzen für ihre nächste Etappe die nächste Thermikschleife. Innerhalb kurzer Zeit können sie so ohne große Kraftanstrengung riesige Strecken zurücklegen. Allerdings nutzen nur Großvögel wie Storche und Greifvögel ausschließlich den Segelflug. Segelflugzeuge haben sich diese Technik von den Vögeln abgeschaut: Auch sie sind darauf angewiesen zunächst in eine gewisse Höhe gebracht zu werden und müssen dann auf günstige Thermik hoffen.

Lorenz Thomschke, Alexander Balmert, Dorit Protze

Navigation

"Wo bitte geht´s denn hier nach Süden?"

Ein Großteil der Faszination Vogelzug macht aus, dass viele Vögel nicht einfach nur ungefähr ihren Weg finden. Sie landen sogar jedes Jahr an ihrem persönlichen Schlafplatz. Es wurden Störche beobachtet, die in Deutschland jedes Jahr auf dem Dach des gleichen Bauernhofes nisteten und im tausende Kilometer entfernten Afrika Jahr für Jahr ein und denselben Schlafbaum aufsuchen.

Wie ein innerer Kompass... Foto von Maren Beßler/pixelio.de

Wie orientieren sich die Vögel auf ihren Wanderungen? Vögel besitzen ein sehr komplexes Orientierungssystem, das bis heute noch nicht vollständig erforscht ist. Sehr wichtig ist bei tagziehenden Arten der Sonnenkompass. Die Sonne wandert über den Tag von Osten nach Westen, aber Vögel können mithilfe ihrer inneren Uhr für diese Wanderung kompensieren: sie lassen sich nicht einfach durch die aktuelle Sonnenrichtung leiten. Außerdem benutzen viele Vögel eine Art „Magnetkompass“, mit dem sie das Magnetfeld der Erde wahrnehmen. Dieser Kompass zeigt ihnen die Richtung zu den Polen an, und auch die Stärke des Magnetfeldes kann wahrgenommen werden. Die Art, in der der Vogel auf den „Magnetkompass“ reagiert, d.h. wie weit und in welche Richtung er zieht, ist dem Vogel angeboren. Für eine sehr genaue Orientierung ist das Erdmagnetfeld nicht zu gebrauchen. Die Vögel müssen folglich weitere Orientierungshilfen verwenden. Tatsächlich sind bei Vögeln noch weitere „Kompasse“ nachgewiesen worden. So entdeckte man, dass Vögel sich nach polarisiertem Licht orientieren, Geruchsinformationen verwenden, und selbst die Position der Sterne nutzen können. Was aber weiterhin Rätsel aufgibt sind die Ergebnisse von Versetzungsversuchen: Dabei werden Vögel (meistens Brieftauben) von einem Ort (ihrem Herkunftsort) zu einem entfernt gelegenen anderen Ort (dem Auflassort) gebracht. Dort werden sie freigelassen. Die meisten Brieftauben fliegen dabei zielsicher zu ihrem Herkunftsort zurück, ohne die Strecke vorher zu kennen. Die Vögel können also erkennen, wo genau sie sich befinden und wo sie herkamen. Wie die Vögel das machen ist immer noch eines der vielen Rätsel des Vogelzuges.

Alexander Balmert

Auswikrungen des Klimawandels

Beeinflusst der Klimawandel die Zugvögel?

Diese Frage beschäftigt Naturschützer und Ornithologen schon seit einiger Zeit und sie ist gar nicht so einfach zu beantworten. Fest steht: Der Klimawandel hat einen großen Einfluss auf die Ökosysteme und die biologische Vielfalt auf der Erde. Die steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmuster verändern die Lebensräume der Tiere und damit auch die Nahrungsangebote, die Aufzuchtmöglichkeiten und das Konkurrenzverhalten. Der Klimawandel wird in der Zukunft in großem Maße das Artenvorkommen auf der Erde bestimmen. Dabei wird es wird Gewinner und Verlierer geben.

Bei den Zugvögeln konnten Wissenschaftler schon eine Reihe von Veränderungen durch den Klimawandel beobachten:

Forscher haben festgestellt, dass Zugvögel ihren Heimzug im Frühling in den letzten 40 Jahren im Schnitt um zwei bis elf Tage vorverlegt haben. Einige Zugvögel – insbesondere Kurzstreckenzieher – ziehen im Herbst später Richtung Süden als noch vor einigen Jahren. Immer mehr Arten besiedeln neue, für sie geeignete Überwinterungsgebiete. Die Langstreckenzieher unter den Zugvögeln, deren Verhalten genetisch stärker fixiert ist, können ihren Zug nicht so gut den veränderten Temperaturen und somit der Verschiebung der Jahreszeiten anpassen. Dadurch erzielen sie einen geringeren Bruterfolg.

Durch den Klimawandel ändern sich auch die Konkurrenzverhältnisse zwischen verschiedenen Arten.

Anpassungsfähigere Arten profitieren vom Klimawandel, und dies kann auf Kosten hoch spezialisierter und weniger robuster Arten stattfinden. Insbesondere gilt dies bei dem Verhältnis von Standvögeln gegenüber Zugvögeln. Die Wintersterblichkeit von Standvögeln nimmt durch mildere Winter ab. In Situationen, in denen Stand- und Zugvögel um Brutmöglichkeiten konkurrieren, können so weitere Nachteile für die Zugvögel entstehen:

Wärmeliebende Vogelarten dehnen zunehmend ihr Brutgebiet nach Norden aus (z.B. der Bienenfresser). Auch wenn einige Arten von den Auswirkungen des Klimawandels profitieren werden, so sind insgesamt deutlich mehr Verluste an Arten und Individuen zu erwarten, als eine Zunahme. Arten, die in Schutzgebieten leben und bisher als „gesichert“ betrachtet werden konnten, geraten durch den Klimawandel in Gefahr. Wissenschaftler befürchten, dass weltweit Naturschutzgebiete, Nationalparke und Biosphärenreservate bei einer globalen Erwärmung ihren Schutzzweck nicht mehr erfüllen können.

Speziell zu dieser Problematik bietet der NABU ein spannendes Projekt unter dem Namen "Natur im Klimawandel" an. Weitere Infos dazu gibt´s unter www.natur-im-klimawandel.de.

Annika Dick

Gewinner und Verlierer

Könnten Vögel Karten lesen, sie müssten lediglich in den kürzlich veröffentlichten Klimaatlas blättern und wüssten, wo es sie in Zukunft wohl hin verschlagen wird.

Um herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf das Vorkommen oder den Zug bestimmter Vögel auswirkt, wurde von Wissenschaftler der Universitäten in Durham und Cambridge sowie von der Ornithologengesellschaft Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) ein Klimaatlas entwickelt. Hierzu haben sich die Forscher zunächst angeschaut, welche Arten in welchen Gebieten vorkommen und in welcher Anzahl. Anschließend haben sich die Forscher die entsprechenden Klimadaten der jeweiligen Verbreitungsgebiete vorgeknöpft. Wie kalt ist es dort im Winter, wie warm im Sommer und wie feucht. Herausgekommen ist eine Art Landkarte, der man entnehmen kann, welche Vogelarten wo vorkommen und vor allem: Aufgrund welcher klimatischer Bedingungen.

Anschließend orientierte sich die britische Forschergruppe an den Daten eines mittleren Szenarios des Weltklimarats IPCC. Hiernach steige die globale Durchschnittstemperatur um drei Grad Celsius bis 2100. Darauf aufbauend prognostizierten die Wissenschaftler, in welchen Regionen am Ende dieses Jahrhunderts voraussichtlich günstige Klimabedingungen für bestimmte Vogelarten herrschen und wie sich diese Veränderungen auf ihr Vorkommen auswirken könnte.

Inwiefern der Atlas tatsächlich aussagekräftig ist, sei anhand eines Vergleichs mit bekannten Entwicklungen vergangener Jahre abzuschätzen. So birgt der Atlas zwar einige Fehlprognosen und Ungereimtheiten, eine Tendenz könne ihm aber deutlich entnommen werden: In Deutschland werden zunehmend Vogelarten vorkommen, die eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammen. Die Zwergohreule beispielsweise, eine Eule, die bisher lediglich in südlichen Teilen Europas siedelte, werde sich zunehmend auch in Deutschland niederlassen. Ebenso der Wiedehopf und der Bienenfresser. Dieser exotische Vogel fühlt sich in Deutschland immer wohler. Er liebt und braucht die Wärme und ist von daher eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet. Den farbenprächtigen Vogel zieht das inzwischen mildere Klima in Deutschland an, das reichliche Angebot an Insekten als Nahrung und genügend Brutplätze findet er auch vor. Dem Atlas zufolge wird sich das Verbreitungsgebiet des europäischen Durchschnittsvogels infolge der Temperaturerhöhung um voraussichtlich 550 Kilometer nach Norden und leicht nach Osten verschieben.

Während wir uns allerdings über neue Vogelarten in unserem Umfeld freuen können, müssen wir gleichzeitig auch den Verlust anderer Arten hinnehmen. Dem Kranich könnten beispielsweise auf kurz oder lang die für ihn lebensnotwendigen Feuchtgebiete genommen werden. Folglich wird er Ostdeutschland den Rücken kehren. Norbert Schäffer vom RSPB befürchtet sogar, dass es langfristig mehr Verlierer als Gewinner des Klimawandels geben werde.

Auch der Trauerschnäpper könnte hierzu zählen. Er überwintert im zentralen Afrika und zieht im April und Mai nach Nord- und Mitteleuropa, um dort zu brüten. Die Rückkehr der Tiere fällt in der Regel mit dem Höhepunkt der Insektendichte zusammen. Durch den verfrühten Frühlingsbeginn kommen viele Trauerschnäpper zu spät in Europa an und verpassen den Zeitpunkt der höchsten Insektendichte. Durch das geringe Nahrungsangebot haben sie große Probleme bei der Jungenaufzucht. Der Trauerschnäpper bleibt seiner biologischen Uhr allerdings treu und hat sein Ankunftstermin im Brutgebiet bisher nur um einige Tage vorverlegt. Dies könnte ihm zum Verhängnis werden - einige Populationen in Europa sind bereits um 90 Prozent zurückgegangen.

Vogelgrippe

Seit in Deutschland im Frühjahr 2006 bei einigen toten Wildvögeln auf Rügen zum ersten Mal der Vogelgrippe-Erreger nachgewiesen wurde, ist das Thema aktuell. Befürchtet wird eine weitere Ausbreitung der Seuche in Europa. Unklar ist wie die Erreger nach Europa kamen.

Lange Zeit galten die Zugvögel als Hauptverdächtige für die Verbreitung und Übertragung des Virus H5N1, wie das medizinische Kürzel des bekanntesten Vogelgrippe-Virus lautet. Dies ist nach neueren Erkenntnissen jedoch nur zum Teil richtig.

Zunächst einmal muss man zwischen zwei verschiedenen Formen von Vogelgrippe-Viren unterscheiden. Es gibt niedrig- und hochpathogene Formen der Viren (pathogen bedeutet krankheitsauslösend). Bei Wildvögeln und vor allem bei Wasservögeln kommen vor allem die niedrig-pathogenen Formen vor, und zwar nicht nur des H5N1 Virus sondern auch von anderen ähnlichen Grippeviren. Diese niedrig-pathogenen Viren führen nicht zu einer Erkrankung der Vögel. Sie können aber durch die Zugvögel verbreitet werden und Vögel aus Geflügelzuchten anstecken. In Geflügelbetrieben werden die Vögel meist auf engem Raum zusammengehalten, die Viren werden schnell von Vogel zu Vogel übertragen. Hierbei können sich die Viren verändern, aus niedrig-pathogenen Viren können hoch-pathogene Viren werden. Diese sehr gefährlichen Viren führen immer zum raschen Sterben des infizierten Vogels. Vom Geflügel ist dann wiederum eine Übertragung auf Wildvögel möglich, die zumindest über kurze Strecken den Virus weiter verbreiten können.
Foto von Karin Jung/pixelio.de

Die großen "Sprünge" in der Ausbreitung der gefährlichen hochpathogenen Form jedoch gehen größtenteils auf menschliche Aktivitäten zurück. Der Handel (legal und illegal) mit Vögeln und auch Vogelprodukten (Federn, Dünger aus Kot etc.) spielt dabei eine große Rolle. Geflügel, z.B. Küken, werden durch alle Welt transportiert. Auch durch Transport von Geflügelkot, Geflügelprodukten und verunreinigtem Wasser werden die Viren verbreitet. Da die hoch-pathogenen Erreger vor allem bei Geflügel auftreten, wird die Vogelgrippe oft auch als „Geflügelpest“ bezeichnet. Ob auch Zugvögel den hoch-pathogenen H5N1-Virus über längere Strecken, z.B. von Asien oder Sibirien nach Europa, verbreiten können, ist noch unklar. Möglicherweise sind so infizierte Tiere überhaupt nicht mehr in der Lage größere Flugstrecken zurück zu legen. Bislang haben sich Menschen wohl nur durch engen Kontakt mit krankem Geflügel mit der Vogelgrippe angesteckt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Es besteht aber die Gefahr, dass sich das H5N1- Virus verändert, zum Beispiel indem es sich mit menschlichen Grippeviren mischt. Die neu entstandenen Erreger könnten von Mensch zu Mensch übertragbar sein. Momentan sollte man in Deutschland beim Umgang mit Wildvögeln (z.B. beim Füttern) zwar vorsichtig sein, das Risiko einer Ansteckung ist allerdings äußerst gering.

Alexander Balmert


Zugvögel

Zu Beginn der kalten Jahreszeit zieht ein Teil der Vogelarten, die bei uns zuhause sind, nach Süden - die so genannten Zugvögel. Zu den Zugvögeln gehören u.a. Schwalben, Mauersegler und Stare. Die übrigen - die so genannten Standvögel - verbringen auch den Winter bei uns. Zu den Standvögeln gehören u.a. Haussperlinge, Kohlmeisen und Kleiber. Im Winter sieht und hört man die Standvögel aber kaum, da sie sich weitgehend ruhig verhalten und versuchen, in der Kälte zu überleben.

Ab Anfang März ist das Gezwitscher der Vögel wieder überall zu hören. Die Gesänge haben für die Vogelwelt eine große Bedeutung: Zum einen dienen sie der Partnersuche, zum anderen grenzen die Vögel damit auch ihre Reviere ab. Die Zugvögel kehren nach und nach zurück und stimmen sofort mit ihren Paarungs- und Revierliedern in den Gesang der Daheimgebliebenen ein.

Einer der ersten Heimkehrer ist der Kiebitz. Kiebitze gehören zu den Teilziehern, das bedeutet, ein Teil der Vögel fliegt in den Süden, der andere Teil überwintert bei milder Witterung hier. Die Kiebitze Norddeutschlands verbringen die Winterzeit überwiegend in Italien und Spanien und kommen schon meist Mitte März wieder zurück in ihre Brutgebiete.

Mitteleuropäische Zugvögel sind zum Beispiel:

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Quellen